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GK032 | Bergbau-Verein Dorsten [Transkript]

Der Steinkohlenbergbau auf den Zechen Baldur, Fürst Leopold, Wulfen und Lippe

2020, Graukaue
Knappschuss
https://graukaue.ruhr/gk032/

Gerhard Schute ist der Vorsitzende des Vereins für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten. Der Verein widmet sich der Bewahrung jener bergbaulichen Geschichte, die im frühen 20. Jahrhundert begann und im frühen 21. Jahrhundert endete. Von den insgesamt drei Zechen auf dem heutigen Stadtgebiet ist ein Teil erhalten geblieben. Die neun noch existierenden übertägigen Gebäude des Hervester Bergwerks Fürst Leopold stehen inzwischen unter Denkmalschutz und gehören zum CreativQuartier Fürst Leopold. In der Maschinenhalle mit den denkmalgeschützten Dampffördermaschinen, die auch als Veranstaltungsort dient, betreibt der Bergbau-Verein ein Informations- und Begegnungszentrum. Wir geben in dieser Episode einen Überblick über den Bergbau in Dorsten und werden in einer späteren Episode mit der Arbeit und dem Angebot des Bergbau-Vereins fortfahren.

Intro

https://graukaue.ruhr/gk032/#kapitel1

Soundboard

Gerhard Schute:
[0:03] Bei der Zechensiedlung muss man sich bewusst machen, gerade heute äh heutzutage äh dass eine Siedlung, die gebaut worden ist für etwa siebenhundertfünfzig Bergarbeiter und ihre Familien, wenn man die damalige Familiengröße nimmt.
Also für etwa fünftausend Einwohner. Und diese kleine Landgemeinde mit noch nicht einmal tausend Einwohnern die beschließt dann.
Grünes Licht zu geben für den Bau einer Siedlung von fünftausend Leuten, die von außen dazu kommen.
Wenn man sich das bewusst macht in Zeiten, in denen es immer noch eine Pegida gi.
Indem sie immer noch Situationen gibt, dass sich in vielen, vielen Städten nicht nur in Ostdeutschland, auch in Westdeutschland,
sofort Initiativen bilden, wenn irgendwo ein Flüchtlingsheim für fünfzig oder hundert Leute gebaut werden soll,
dann ist das schon wahnsinnig und dann zeigt das, was innerhalb eines Jahrhunderts dann auch an, ja, ich nenn’s mal sozialen Verwerfungen sich ereignen kann.

Soundboard

Begrüßung

https://graukaue.ruhr/gk032/#kapitel2

Micha:
[1:35] Glück auf. Willkommen in der Graukaue. Mein Name ist Michael Holtkamp und dies ist Knappschuss. Episode GK zweiunddreißig.
Mein heutiger Gast ist Gerhard Schute, er ist der Vorsitzende des Vereins für Bergbauindustrie und Sozialgeschichte Dorsten.
Und ist mit seinem Verein hier mein Nachbar, also ich befinde mich mit einer Graukaue ja auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks fürs Leopold in Herves Dorsten, dem heutigen Kreativquartier,
Und genau genommen befinde ich mich hier in der Lohnhalle, die ähm zusammen mit der Kaue und der Verwaltung nur eines von insgesamt neun übertägigen Gebäuden ist,
die heute noch erhalten sind.

[2:26] Und eines der anderen Gebäude ist die Maschinenhalle mit denkmalgeschützten Dampffördermaschinen,
Der Bergbauverein Dorsten ist Mieter, eben jener Maschinenhalle und nutzt sie zum einen als Veranstaltungsort und zum anderen als,
Sitz eines Informations und Begegnungszentrums. Ich hatte,
Gerhard Schute eingeladen, um ihr äh ein bisschen was zu erzählen über die Arbeit und das Angebot seines Vereins. Da sind wir nicht wirklich zu gekommen. Ähm,
Eigentlich haben wir erstmal nur einen Überblick gegeben über die Geschichte des Bergbaus in Dorsten und hier der Umgebung. Es gab insgesamt,
drei Bergwerke auf dem heutigen Stadtgebiet Dorstens. Äh das erste war die Zeche Balduhr in Holsterhausen, dann,
kam die Zeche fürs Leopold in Herves dazu und schlussendlich dann noch die Zeche Wulfen im gleichnamigen Stadtteil.

[3:32] Ähm im Laufe der Zeit wurden sie zusammengelegt, dann letztendlich auch mit der Zeche Westerhold in Gelsenkirchen und und und. Ähm.
Ich brauche nicht allzu sehr ins Detail zu gehen, das haben wir im Gespräch, dann äh ausreichend getan. Falls ihr weitere Informationen benötigt, dann schaut bitte auf graukaue Punkt Ruhe.
Schrägstrich GK null drei zwei, also Graukaue Punkt Ruhe Schrägstrich GK null drei zwei,
Da findet ihr diese Episode inklusive der entsprechenden Sendungsnotizen. Natürlich habe ich dort auch den Verein von Herrn Schute verlinkt,
also den Verein für Bergbauindustrie und Sozialgeschichte Dorsten, die Domain ist Bergbau Minus Dorsten Punkt DE,
Bergbau Minus Dorsten Punkt DE. Dort findet ihr auch äh eine Menge der Informationen.
Über die wir in dieser Episode gesprochen haben.
Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir das hier wahrscheinlich dann nochmal fortsetzen und über die eigentliche Arbeit des Vereins,
sprechen und darüber, was sie heute so anbieten. Ähm, ich hatte ja schon erwähnt, dass sie die Maschinenhalle als Veranstaltungsort nutzen, zum Beispiel für Trauungen
aber sie bieten auch ähm.

[4:57] Besuche in der Maschinenhalle an, zumindest während der Saison. Ich glaube, die dauert’s ungefähr von Mai bis Oktober und ähm,
Ja, aber wie gesagt, dass das dann zu einem späteren Zeitpunkt.

[5:10] Wenn ihr der Graukaue folgen möchtet, ähm dann könnt ihr das tun äh auf Twitter machst du dann,
Instagram und inzwischen auch Facebook und.
Alle weiteren Informationen findet ihr eben auf Graukaue Punkt Ruhe. Äh, nicht nur zu dieser Episode, auch zu meinem Podcastangebot ganz allgemein unter dem Punkt Anschlagtafel.

Soundboard

Micha:
[5:40] Findet ihr alle Kontaktinformationen,
und was ich noch nie so wirklich erwähnt habe ist unter dem Punkt Gedinge findet ihr Informationen dazu wie ihr mich unterstützen könnt.
Und also in finanzieller Hinsicht meine ich damit,
und ja ähm wie und wo ihr Podcasts bewerten könnt und äh somit auch diesen hier brauche ich euch wahrscheinlich gar nicht zu erklären.
Das hört ihr an anderer Stelle oft genug. Ähm aber ich äh,
Möchte zumindest darauf hinweisen, dass ich mich freuen würde, äh wenn ihr das für mich tun würdet.
Ja, ansonsten habe ich erstmal nicht äh allzu viel zu sagen. Äh wie gesagt, an zu einem späteren Zeitpunkt werden wir das hier hoffentlich fortsetzen. Aber ähm.
Das hier sind erstmal Gerhard Schute und meine Wenigkeit zur bergbaulichen Geschichte der Stadt Dorsten.

Hauptteil

https://graukaue.ruhr/gk032/#kapitel3

[7:04] Gut. Wo fangen wir denn wenn’s um den Bergbauverein geht? Wo fangen wir denn am besten an? Zweitausenddrei oder schon.

Gerhard Schute:
[7:11] Ja man könnte davor anfangen, äh das wäre dann das Jahr zweitausendeins.
Zweitausendeins für fürs Leopold insofern ein einschneidendes Jahr. Da wurde die Förderung hier eingestellt.
Das war das Jahr, in dem dann auch endgültig
stand vorher schon fest, aber endgültig und auch für jeden nachvollziehbar, der hier in Herberst oder in Dorsten lebte, klar war. Diese Zeche wird in wenigen Jahren, auch das Datum war schon festgelegt, nämlich zweitausendacht endgültig stillgelegt,
Dieses Jahr zweitausendeins war dann auch das Jahr, in dem.
Das sogenannte historische Ensemble hier fürs Leopold, also die Gebäude im Kernbereich der ehemaligen Zeche, die auch heute noch stehen, dass die unter Denkmalschutz gestellt wurden.
Völlig offen war aber noch. Was passiert denn nun damit.
Dann kam die Rohstadt Stiftung von Jürgen Tempelmann oder von der Familie Tempelmann gegründet,
Jürgen Tempelmann geführt und verwaltet, kam dann auf den Plan, hat dieses historische Ensemble fürs Leopold inklusive Maschinenhalle gekauft.
Und da waren natürlich die Befürchtungen, mein Gott, was machen die jetzt damit? Und, und, und, und, zumal sich,
Der einzelne auch konkret so unter Denkmalschutz, was bedeutet das jetzt, was da aber mit den Gebäuden vielleicht trotzdem machen und und und äh so ja gar nicht klar war.

Micha:
[8:39] Wir müssen vielleicht mal kurz äh auflisten, welche Gebäude das sind. Das sind ja nicht allzu viele. Also.

Gerhard Schute:
[8:44] Nein, das sind also ähm zu dem Zeitpunkt zweitausendeins äh bestand die Zechen noch äh oder.
Die aktive Zeche fürs Leopold hatte zuletzt zweiundfünfzig Übertagegebäude.
Von denen stehen heute noch neun. Das ist das sogenannte historische Ensemble. Dreiundvierzig Gebäude wurden abgerissen und den fünfunddreißigtausend Kubikmeter,
verwandelt, aus denen dann die Straßen oder die benutzt wurden hier zum Straßenbau, um die alten Fundamente zu verfüllen, um die Kreisverkehre anzulegen und ähnliches mehr.
Aber das macht, das macht bitte.

Micha:
[9:23] Auf YouTube findet man zum Beispiel ein Video davon wie die Kohlenwäsche gesprengt wurde, die neben dem Fördergerüst von Schach zwei stand.

Gerhard Schute:
[9:30] War September zwanzig zehn, das war die letzte große Sprengung, die hier stattgefunden hat. Im Rahmen des Abrisses ähm das war die Kohlenwäsche hier an Schacht zwei fürs Leopold.

Micha:
[9:42] Und das Fördergerüst und die Maschinenhalle, die sollten ursprünglich eigentlich auch mal verschwinden. Wenn ich das richtig recherchiert habe, ne? Und die wurde dann gerettet.

Gerhard Schute:
[9:52] Eigentlich nicht. Also das war war im Prinzip schon unstrittig, dass das alte Schachtgerüst, das jetzt auch steht, dass das erhalten bleiben soll und auch die Maschinenhalle war so akut nicht gefährdet,
ist auch viel drum herum erzählt worden, was nicht alles immer so unbedingt den Fakten entsprach. Äh.

Micha:
[10:11] Wurden irgendwann übernommen, weil du hattest gesagt, die Ruhrstadt Stiftung hat sie ursprünglich mit dem kompletten historischen Ensemble gekauft und dann wurde es übergeben an die Denkmalstiftung.

Gerhard Schute:
[10:20] Die Rohstaatsstiftung hat äh die die das gesamte historische Ensemble gekauft. Zudem gehörte dann auch die Maschinenhalle.
Nicht das Fördergerüst, das Fördergerüst war immer außen vor, da galt noch Bergrecht, weil das ja noch benutzt wurde für die Wasserhaltung, für die Seilfahrt, unten zur Pumpenkammer in achthundertfünfzig Meter Tiefe.
Die Maschinenhalle ist auch zunächst mal von äh der Rohstadt Stiftung übernommen worden,
weil dann aber auch die Maschinen, die Grüne und die historische Dampffördermaschine von neunzehnhundertzwölf unter Denkmalschutz gestellt wurden, waren in beiden Hallen zu wenig wirtschaftlich nutzbare Fläche,
Deshalb hat dann die Hochstadt Stiftung für dieses Gebäude Gebrauch gemacht von dem Rücktrittsrecht,
hat die Gebäude zurückgegeben an Rucola Immobilien.

[11:12] Wir waren dann ab zweitausendacht unmittelbar nach der Stilllegung als Verein bereits in der Maschinenhalle,
Ja, man könnte heute so rückblickend sagen, so ein bisschen wie die Altachtundsechziger Hausbesetzer unter nicht ganz klar definierten Besitzverhältnissen der Halle, aber von allen Seiten geduldet, sowohl von Tempelmann, wie auch von der Ruhrkohle,
Im Prinzip war auch jeder froh, dass ich äh irgendjemand gefunden hatte, der sich um die Maschinen kümmerte, der da sauber machte, der aufräumte und so weiter und so weiter.
Und das was wir dann in den Jahren bis zwanzig zehn in der Halle gemacht haben,
war dann inzwischen war die Maschinenhalle zurückgegangen an die Ruhkohle Immobilien,
war dann so überzeugend, dass die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur sich hatte überzeugen lassen, dass es richtig wäre dieses Haus, dieses Maschinenhaus in ihr Eigentum zu übernehmen.
Wenn eine solche Stiftung, ein solches Haus ins Eigentum übernimmt.
Dann heißt es äh die Besitzverhältnisse gehen von der Ruhrkohle, die Eigentumsverhältnisse gehen von der Rohkohle auf die Stiftung über,
Und mit dieser Übergabe ist immer verbunden die sogenannte Zustiftung. Zustiftung bedeutet.
Das was die Rohkohle hätte ausgeben müssen um dieses Gebäude abzureißen.

[12:36] Das geht als Bargeld an die Stiftung Industriedenkmalpflege.
Aus den Zinsen dieses Wahlbetrages vorausgesetzt. Es gibt mal irgendwann wieder Zinsen,
Daraus würde dann die Stiftung im Idealfall das finanzieren, was ihre Aufgabe ist, nämlich den Unterhalt,
Fachbegriff jetzt an Dach und Fach. Das heißt, oben darf’s nicht durchrechnen und das Fundament nicht wegbröckeln,
alles was dazwischen liegt zwischen Fundament und Dach, also der komplette Wirtschaftsbetrieb, Maschinenhalle mit allen Folgekosten, ob jetzt Strom, Wasser, Gas oder,
Straßenreinigung durch die Stadt oder Müllabführe, das müssen wir als Pächter der Maschinenhalle dann selber finanzieren.

Micha:
[13:21] Wir müssen nur damit keine Verwirrung entsteht. Äh es gibt bei der ganzen Entwicklung, ich hab’s natürlich im Vorfeld ein bisschen recherchiert, aber kenne mich,
definitiv nicht annähernd so gut damit aus wie du,
Aber das waren und sind viele Leute und viele Stiftungen und Gesellschaften irgendwie involviert gewesen, aber bis heute involviert und die Ruhestadt Stiftung, die wir schon erwähnt haben, ist was anderes als die RAG Stiftung, ne? Al.

Gerhard Schute:
[13:46] Ja natürlich. Ja, ja. Ist etwas.

Micha:
[13:49] Leute, die vielleicht hier aus der Region nicht kommen.

Gerhard Schute:
[13:51] RAG Stiftung, das ist die Holding im Grunde genommen, die den Altbesitz Ruhrkohle verwaltet. Das ist die Stiftung,
Die die Ewigkeitskosten des Bergbaus zu bewältigen hat unter anderem dafür sorgen muss, dass das Ruhrgebiet nicht im groben Wasser ertrinkt,
allein die Pumperei kostet jährlich so an die zweihundertfünfzig Millionen Euro. Das ist das, was die Ruhe der äh Ruhrkohlestiftung erwirtschaften muss,
Die hohe Stadtstiftung ist eine rein private Stiftung hier der Familie Tempel.

Micha:
[14:22] Genau. Die jetzt äh also zum einen das Kreativquartier hier in Dorsten be.

Gerhard Schute:
[14:27] Hier das gesamte Kreativpadier, die es hier auf Torsten beschränkt zunächst mal, wenn ich, wenn ich das Engagement nehme, äh die betreibt hier das Kreativquartier und sie ist vertrachlich an die Stadt Dorsten ge.
Vertrachlich insofern für das, was jetzt steht, Maschinenhalle ist jetzt außen vor, für die anderen Gebäude, also die ehemalige Lohnhalle, die ehemalige Verwaltung, die ehemalige Kaue,
ehemalige Trafo-Gebäude und die ehemalige Turbinenhalle. Äh dafür gibt es Entwicklungspläne.

Micha:
[15:00] Entschuldige mal eben. Ja. Das Trafo-Gebäude ist hier vor Kopf. Das wurde, da wo das Metzoma.

Gerhard Schute:
[15:05] Wo das Metro mal drin ist.

Micha:
[15:07] Galerie, der Traumfänger.

Gerhard Schute:
[15:08] Und das äh und das äh Turbinengebäude, das ist das große, leerstehende Gebäude, wenn man durch das äh durch die Torhaus Einfahrt aufs Zechengelände kommt, sofort auf der rechten Seite, dass jetzt noch leer steht.

Micha:
[15:21] Auch Kesselhaus.

Gerhard Schute:
[15:23] Genannt hier.

Micha:
[15:24] OK das heißt das historische Ensemble ist also einmal das Kesselhaus beziehungsweise Turbinenhalle, dann haben wir die Maschinenhalle, dann haben wir das Trafohaus.
Und dann haben wir den Gebäudekomplex, in dem wir uns jetzt hier befinden.

Gerhard Schute:
[15:40] Lohnhalle, Verwaltung und Kaue.

Micha:
[15:42] Genau und ähm das Fördergerüst hattest du gesagt, das außen vor. Ja. Ähm der Aldi und Edeka, das sind sind Neubauten.

Gerhard Schute:
[15:51] Das sind Neubauten, äh die die riesige Fläche auf der äh das Außengelände von Fürzeopold war,
mit den vielen Ersatzteilen, mit dem Holzlager, früher mit Fahrradschuppen, mit Ausbildungswerkstatt,
anderen Werkstätten und so weiter und so weiter, dann auch äh äh Richtung ähm Osten jetzt,
Kraftwerk von der Stehjagd stand da noch dann nochmal ein Stückchen weiter war die ähm,
Ruhrgas mit ihren Anlagen, also diese riesengroße Brache, das muss man wirklich sagen, das gibt’s an ganz, ganz wenigen Zechenstand, ehemaligen Zechenstandorten im Ruhrgebiet nur,
jetzt aktuell zu weit über achtzig Prozent vermark.

[16:36] Sieht ja auch, dass hier schon sehr viel wieder entstanden ist. Auch neue Arbeitsplätze entstanden sind, äh ist natürlich für die Stadt Dorsten sehr wichtig,
Aber wenn ich’s jetzt mal hier auf die Zechensituation äh reduziere, ist es natürlich auch,
für das ehemalige Zechengelände sehr wichtig und für uns als Bergbauverein. Wir betreiben ja die Maschinenhalle,
Viele Leute werden dann eben, wenn sie hier geschäftlich unterwegs sind, wenn sie einkaufen gehen oder sonst irgendetwas äh äh kommerziell zu erledigen haben,
werden unter der Woche auf diese Gebäude aufmerksam und kommen dann auch oft und häufig am Wochenende wieder. Einmal die um die in die Gastronomie zu besuchen oder eben dann auch, um in die Maschinenhalle.

Micha:
[17:22] Dass es um das historische Ensemble nochmal abzuschließen, also es gibt die beiden ähm Torhäuser an der Halterner Straße ähm und dann das Leo ist das, das ist ein kompletter Neubau.

Gerhard Schute:
[17:34] Das Leo ist ein kompletter Neubau, das ist das äh soziokulturelle Zentrum. So ist der Fachbegriff für den äh Stadtteil Herves. Im Schwerpunkt ist es ein Jugendheim,
Es ist aber zeitgleich auch ein Bürgerhaus, das heißt äh Vereine, Verbände, Initiativen,
Hobbygruppen, wer auch immer können sich für den Bürgerhausbereich auch anmelden und wenn da Räume zur Verfügung stehen für ganz kleinen Euro da ihren Aktivitäten danach.
Wird im Stadtteil sehr sehr gut angenommen, muss man sagen. Ähm.
Es hat sich ein bisschen hingezogen, das ist alles realisiert worden im Rahmen des Projektes Soziale Stadt Hervest, musste also bis zwanzig fünfzehn fertig sein,
Das war schon auf Messers Schneide, ob das wirklich gelingt in diesem Fall, das so pünktlich fertig zu kriegen, hat dann aber auch geklappt.
Wir haben einen Raum im äh Leo, das äh der Kurz äh Name,
sind auch Mitveranstalter des Leo, also die Kirchenbeteiligt, da ist die Stadt beteiligt und dann sind wir beteiligt und das läuft wirklich sehr gut.

Micha:
[18:48] Also wenn du von wir sprichst, meinst du den Bergbauverein, dessen Vorsitzender du bist und der mit vollem Namen Ver.

Gerhard Schute:
[18:55] Volle Name, das da geht’s schon los, äh ob vielleicht war es ein Gründungsfehler, ich weiß es nicht,
Der volle Name ist Verein, für Bergbauindustrie und Sozialgeschichte Dorsten. Wenn man dann will, macht man noch e. V. Dahinter für eingetragener Verein,
Es gibt sicherlich Vereinsnamen, die sind kürzer, prägnanter und präziser. Äh wir machen’s dann in Kurzform und nennen uns einfach Berg.
Eigenen Logo, das Logo ist noch äh es ist so die stilisierte Lohnhalle,
ist geschuldet der Gründung dieses Vereins im Dezember zweitausenddrei,
der ersten Satzung, die der Verein hatte, war noch drin, er wolle sich kümmern um den Erhalt und die und die Nutzung aller bis dahin noch stehenden hier ehemaligen Zechengebäude,
Das heißt, die Satzung formulierte einen Anspruch.
Der gar nicht zu realisieren war, denn wo ich kein Eigentum habe oder kein äh oder nicht Pachten oder mieten kann oder was auch immer,
kann ich auch nicht quasi den Anspruch erheben für die Gestaltung und dieses und jene solche Räumlichkeiten zuständig.

Micha:
[20:03] Ja, es gibt Vereine, die widmen sich der äh dem Naturschutz und die haben auch kein Eigentum an der.

Gerhard Schute:
[20:08] Ja, sicher, sicher. Äh.

Micha:
[20:10] Aber das äh gegenüber vom Leo auf der anderen Straßenseite, von der fürs Leopoldallee das Gebäude, wo jetzt das Fitnessstudio drin ist, das Fitnessloft Dorsten, das ist doch auch ein ehemaliges.

Gerhard Schute:
[20:21] Ist auch ein ehemaliges Zechengebäude, das ein ehemaliges äh Laborgebäude,
da war überlegt worden, bevor das Leo gebaut wurde, war die Alternative überlegt worden, möglicherweise dieses Gebäude umzubauen, zu sanieren, restaurieren, wie auch immer,
dann als Jugendheim zu nutzen. Das Gutachten, dass die Stadt Dorsten damals in Auftrag gegeben hat, kam dann aber zu dem Schluss,
in Klammern wenig überraschend, Klammer zu, dass ein Neubau wirtschaftlicher sei als den Altbau dazu nutzen.

Micha:
[20:59] Also ich war Ende Oktober war ich da drin für ein Probetraining, also beim beim Fitnessloft,
und äh das gefiel mir echt gut. Also es ist natürlich, ich glaube, wir haben Anfang dieses Jahres erst eröffnet,
moderne Geräte, also die haben so ziemlich genau das, was ich äh was ich möchte, wenn ich äh ins Fitnessstudio gehe und ja, ich bin äh,
bisschen traurig, bisschen wütend, dass die zur Zeit nicht geöffnet haben dürfen, aber das nochmal ein, also wegen Korona, ne? Äh aber ist ein anderes Thema.

Gerhard Schute:
[21:31] Also ich denke, die die ich hab’s mir auch angeguckt, äh ohne zu trainieren. Äh denke, die Atmosphäre in dem Gebäude, die ist schon stimmig und äh da kann man sich durchaus wohlfühlen.

Micha:
[21:43] Blick auf den, also in westlicher Richtung mit Blick aufs Fördergerüst.
Und für mich natürlich optimal, ne? Weil ich wohne in Marienviertel. Ähm.
Und da ist jetzt in der direkten Umgebung ist okay, da ist das Beefit ist da und so, aber,
ansonsten auch Supermärkte und so, dass da alles ein bisschen schwierig und ich hab hier auch fürs Leopold, also um mein Büro herum hab ich alles was ich brauche,
und unter anderem jetzt eben Fitnessstudio. Also für mich ist das optimal und mir hat’s echt gut gefallen und ich hoffe mal, dass die vielleicht schon vorm zwanzigsten Januar.
Wieder aufmachen dürfen.

Gerhard Schute:
[22:21] Also man kann ja überall diese Corona äh aufladen, kann man so und so denken. Ähm ich gehe da eigentlich sehr pragmatisch ran,
auch wenn es der Verwaltung, der wenn es den Behörden mehr Arbeit machen würde. Für mich ist eigentlich ausschlaggebend, wenn jemand ein schlüssiges,
Hygienekonzept vorweisen kann. Dann kann er auch seinen Betrieb öffnen.

[22:47] Alle über einen Kamm zu scheren und zu sagen, wir machen jetzt alle Restaurants zu, wir machen alle Kinos zu, wir machen alle Theater zu. Ähm.
Erstmal geht sehr viel an Kultur verloren auf die Art und Weise. Und äh zum zweiten werden die Menschen auch meines Erachtens in ihren Freiheitsrechten da
Letztendlich doch zu stark beschnitten und man muss ja auch mal an die Wohnsituation der Mehrheit der Bevölkerung denken
Ich habe ein Eigenheim, ich kann im Zweifelsfall, wenn ich in Quarantäne sein müsste, könnte ich mich auf die Terrasse setzen, ich könnte mich im Garten bewegen, ich kann mich im ganzen Haus bewegen
Wer auf sechzig, siebzig, achtzig Quadratmetern in einer Mietwohnung in der zweiten oder dritten Etage sitzt, möglicherweise noch ein, zwei, drei Kinder zu versorgen hat,
und kein Balkon hat und keine Terrasse hat und keinen Garten hat. Dem zu sagen, du darfst auch nicht ins Kino, du darfst nicht ins Fitnessstudio und eigentlich solltest du auch nur rausgehen, wenn du deinen Hund ausführst oder wenn er einkaufen gehst,
Wie lange sollen die Menschen das denn aussagen? Das geht gar nicht.

Micha:
[23:53] Nee, ich bin ganz deiner Meinung, ich ähm ich mag den schwedischen Ansatz, äh ich mag es, den Leuten was zuzutrauen und,
die meisten gehen da ja mit viel Sinn und Verstand ran und äh machen sich ja ihre eigenen Gedanken, wo sie jetzt ähm,
wo sie jetzt hingehen müssen oder welchen Aktivitäten sie jetzt nachgehen müssen und auf welche sie vielleicht auch mal verzichten können.
Und ich, also jemand, der mit mehreren Leuten in so einer Eigentumswohnung wohnt, ja, der ist in einer ganz anderen Situation als ich, der zum Beispiel alleine wohnt, ne? Ich habe nicht nur meine eigene Wohnung, ich habe auch hier mein eigenes Büro, ja üblicherweise.
Komme ich mit nicht allzu vielen Leuten in Kontakt, vor allem oder ich kann’s recht gut vermeiden und warum kann ich nicht zumindest ins Fitnessstudio gehen? Also dahin wo die meisten Leute recht jung und recht gesund sind und wo sie sogar noch was für ihre Gesundheit tun.
Also.

Gerhard Schute:
[24:49] Also wir machen ja hier ich mach’s mal am Beispiel Maschinenhalle fest. Ähm.
Maschinenhalle wird im Saisonbetrieb gemacht wegen der Heizproblematik,
es ist im Winter einfach saukalt in dem Gebäude und diesen riesen Raum. Fünfundzwanzig Meter lang und äh äh fünfzehn Meter breit,
fünfzehn Meter Deckenhöhe, den können sie nicht auf Wohnzimmertemperatur hochfahren. Das wäre unbezahlbar. Wir haben Gasstrahler für den Veranstaltungsbereich, das reicht dann auch aus,
für die Übergangsjahreszeiten. Ansonsten ist eben im Winter halt geschlossen,
In diesem Jahr war es so, dass äh der Saisonstart äh wegen der Corona Pandemie nicht stattfinden konnte. Saisonstart ist traditionell, immer weil die Saison gekoppelt ist, an die mitteleuropäische Sommerzeit. Der letzte Sonntag im März,
fand nicht statt. Die Saison begann, jetzt lass mich nicht lügen, ich meine im Juni erst.

[25:48] Bis dahin war also jetzt schon mal geschlossen. Von Juni bis Ende Oktober, letzte Oktober, Sonntag ist die Saison beendet, haben wir dann tatsächlich öffnen dürfen. Unter Corona Auflagen,
Das heißt, wir haben so ein äh Gerät angeschafft, an dem die Leute sich problemlos die Hände desinfizieren konnten. Wir haben Masken angeschafft, falls jemand keine Maske mitbringt,
Wir haben Anwesenheitslisten geführt, wir haben Aufkleber auf dem Boden gemacht, damit vor den Toiletten und so weiter und so weiter Abstände eingehalten werden. Wir haben gezählt. Anfangs durften wir nur dreißig oder vierzig Leute in die Halle lassen,
dann waren’s ein paar mehr. Also musst du oben eine Aufsicht sein, unten musst du eine Aufsicht sein,
Wir haben für die Chorona-Saison in diesem Jahr dann noch keinen Eintritt genommen, sondern um diesen äh das hin und her mit dem Geld zu vermeiden, haben die Leute gebeten, wer stattdessen eine Spende hier in die Box werfen will,
dem sagen wir ein herzliches Dankeschön, aber Eintritt haben wir nicht genommen und die Erfahrung war, dass man eben, wenn man ein solches Hygienekonzept hat,
wenn man auch drauf achtet, dass es eingehalten wird,
Dann ist zum Beispiel ein solcher Museumsbetrieb, wir hatten tolle Ausstellungen in diesem Jahr, unter anderem von äh Peter Körber mit seinen Fotos.
Dann ist ein solcher Museumsbetrieb auch aufrechtzuerhalten. Genau das Gleiche bei den standesamtlichen Trauungen.

[27:11] Im März durften standesamtliche Trauungen in dieser riesigen Maschinenhalle nur in der Besetzung stattfinden, Standesbeamter plus Braut.

[27:21] Sind traurige Angelegenheit, soll der schönste Tag des Lebens für dieses Brautpaar werden, immerhin der Hoffnung, dass die Ehe tatsächlich dann auch so lange hält.
Und dann sitzen die beiden da alleine und der Standesbeamte steht vor ihnen. Ich hab damals gedacht, Respekt für das Brautpaar,
dass dann trotzdem diesen Termin genommen hat und bei diesem Termin geblieben ist,
Es ging ihm nicht in erster Linie um das Event, sondern es ging ihn um äh die Trauung, es ging ihnen um um sich selber und nicht um die Gäste, das finde ich dann ganz toll, wenn man dann die Trauung trotzdem an und Abführungszeichen durchzieht.

[27:58] Wir hatten dann im Laufe der Saison Trauungen mit äh vierzig bis fünfzig Leuten, hätten noch mehr machen können,
Nach den Auflagen haben dann von uns aber da die Grenze gezogen bei fünfundvierzig bis max aller maximal fünfzig äh und auch da hat sich gezeigt,
Wenn man das mit dem entsprechenden Hygienekonzept macht, also Masken, bis man seinen Sitzplatz erreicht hat, Hände desinfizieren, Anwesenheitsliste führen,
dann geht das und toi, toi, toi. Letzte Trauung war am siebten November. Äh wir haben bis heute,
ein einziges Infektionsgeschehen aus einer dieser Hochzeitsgesellschaften heraus in der Maschinenhalle gehabt. Und das sind bei sechzig Trauungen,
sag mal alles in allem gerundet jetzt, waren das etwa zweitausend, zweitausendfünfhundert Leute,
die bei diesen Trauungen in der Maschinenhalle waren, werde ich jetzt die Besucher dazu nehme dann lernen wir,
Etwa bei viertausend Besuchern, die haben wir ohne Infektionsgeschehen problemlos durch die Saison gebracht oder durch die Maschinenhalle gebracht in dieser Saison. Und das zeigt,
wenn man verantwortlich mit den Dingen umgeht, dann ist das auch zu ändern.

Micha:
[29:10] Denke ich auch und dann ich meine, ich bin voll und ganz der Meinung, dass das sowas wie Traubungen stattfinden dürfen sollten.
Das ist ja an sich auch der Fall. Nur ich finde, ich ich verstehe diese willkürliche Diskriminierung nicht. Einerseits.
Müssen gastronomische Betriebe und Fitnessstudios komplett geschlossen haben,
andererseits sind so Sachen wie Trauung oder auch Gottesdienste irgendwie noch zulässig und das irgendwie entbehrt meines Erachtens jeder Logik und mit tun eben also für mich für mich als als,
Kunde nicht nur von den Restaurants hier, sondern auch vom Fitnessstudio. Für mich ist das schade, aber vor allem für die Betreiber ist das schade und nicht wirklich nachvollziehbar,
Das ist hier auf dem Gelände ist es jetzt seit Anfang,
November natürlich wieder viel ruhiger hier. Unten in der Lohnhalle ist sonst immer das Dali, eine Tapas-Bar, die von Donnerstag bis Sonntag geöffnet hat,
Das bringt immer ein bisschen Stimmung und Leute ins Haus und die haben sich jetzt den den Sommer über einiges überlegt und haben sich ausgebreitet, also die sind aus ihrem,
eigentlichen aus ihren eigentlichen Räumlichkeiten heraus noch expandiert in den Innenraum der Lohnhalle. Ähm.

[30:23] Wo sie eigentlich nicht hingehören sozusagen. Aber die haben sich was überlegt, ne, weil die die wollten halten mehr Abstand äh halten zwischen den Tischen und ich nehme mal an, das hat gut funktioniert und dann kam Ende Oktober Rigo Ros die Anweisung,
dass sie dann im November nicht mehr geöffnet haben dürfen. Und das ist schade,
aber gut, die Leute hören zurzeit wahrscheinlich genug über Corona und sind’s sind schon leid.

[30:49] Ähm wie ist das mit den hier führt ja in äh in Ostwestrichtungen, führt ja hier noch die Bahntrasse lang. Äh nördlich davon gibt’s da noch irgendwelche Gebäude, die ursprünglich zur Zeche gehörten, der Rund.

Gerhard Schute:
[31:02] Ja, der, die, der, der Rundbau, die ehemalige Kohlenwäsche gehört noch äh äh mit dazu, wo heute der ähm Humbad drin ist mit seinem Recyclingbetrieb, das gehörte noch mit äh zur Zeche.
Die Bahntrasse äh die ist noch aktiv.
Über und zwar ausschließlich für das Umspannwerk kurz vor Lippramsdorf, Kusenhorst.
Werden regelmäßig Trafos transportiert. Das war ein Teil der ehemaligen Zechenbahn, die früher äh hier vom Herbster Bahnhof aus auf Zech.

Micha:
[31:44] Also die also was die Bahn anbetrifft, also es gab einmal hier vom vom,
die eine Bahntrasse, die es jetzt noch gibt, die würde, wenn man von Dorsten aus Richtung Norden, also Richtung Herbesdorsten fährt mit dem Zug,
überquert man den Kanal und die Lippe und dann letztendlich die Halterner Straße kurz bevor man zum Herbster Bahnhof kommt und da geht dann rechts eben diese eine Trasse ab, Richtung Richtung Osten und die führt dann bis Lebbrandsdorf, also bis Haltern.

Gerhard Schute:
[32:11] Ja, nee, die für die äh die äh ist kurz davor, dass einmal die Bahnlinie nach äh Kursfeld und eine nach äh Borken,
abgezweigt von von der Bahntrasse da,
die gibt es auch nach wie vor noch, das ist die Dorstener Hafenbahn, die ist ja nach wie vor in äh Betrieb und dann gab es noch ergänzend dazu von fürs Leopold aus.
Die ähm konzerneigene Zechenbahn, die über die Lippe zum Kohlehafen am Kanal.

Micha:
[32:47] Genau und da ist jetzt ein Radbewanderweg.

Gerhard Schute:
[32:49] Da ist jetzt ein Radwanderweg eingerichtet. Äh die Brücke ist ähm.
Hat über fünf Jahre gedauert, in fünfjähriger Arbeit dann wieder hergestellt worden, die ist ja zwischenzeitlich komplett für Fußgänger und Radfahrer gesperrt worden,
auch so ’ne Maßnahme, ich hab die nie nachvollziehen können, aber gut, es ist passiert.

Micha:
[33:10] Die Sperrung jetzt.

Gerhard Schute:
[33:12] Ähm äh ist Vergangenheit. Da sind vorher zig Tonnen schwere Züge drüber gefahren.
So und jetzt war der Punkt erreicht, der Zugverkehr ist eingestellt.
Fußgänger und Radfahrer. War aber das Gelände auf der rechten Seite oder eher auf der rechten Seite zehn, fünfzehn, zwanzig, ich weiß nicht, wie viel Zentimeter zu niedrig.
Brücke ist nicht gesperrt worden, weil sie baufällig war, sondern aus diesen Sicherheits.

Micha:
[33:42] Aber hier in der Lohnhalle, wir haben noch hier diese die Laubengänge, da sind ja auch Geländer, die sind auch nicht so hoch, wie sie heutzutage sein müssten.

Gerhard Schute:
[33:50] Aber das ist Gott, da brauchen wir keinen schlafenden Hunde wecken. Äh das ist abgenommen und ist auch in Ordnung.

Micha:
[33:55] Schneide ich wieder raus.
Gut, also diese Brücke, das ist die blaue Brücke, die da über die Lippe führt, ne? Das heißt, äh wir befinden uns im Stadtteil Herwist, der mittlerweile zu Dorsten gehört, aber äh zu Beginn des Bergbaus hier noch nicht.

Gerhard Schute:
[34:12] Neunzehnhundertdreizehn äh also die wirtschaftliche Förderung auch fürs Leopold hat neunzehnhundertdreizehn begonnen.
Und äh das ereignete sich in der bis dahin Selbstständigen Landgemeinde Herbst.
Diese Landgemeinde Herbes, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts äh im Prinzip ein Dorf mit wenigen hundert Einwohnern.
Wird dann von der Kohle quasi überrascht. Probebohrung hier haben Erfolg,
und äh es kommt der Antrag an die an den Gemeinderat dieser Landgemeinde Herwestz hier eine Zeche bauen zu dürfen.
Parallel zur Zeche dann auch eine Zechensiedlung für die Bergarbeiter bauen zu dürfen.

[34:58] Das mit der Tscheche war schnell erledigt, wenn man den so will,
die steht auf einem Gelände, das landwirtschaftlich nur sehr schwer zu nutzen war. Im Prinzip,
Ackerbau und Viehzucht fast schon ungeeignet war, von der Topologie her. Gleiches gilt auch für die Zechensiedlung.
Bei der Zechensiedlung muss man sich bewusst machen, gerade heute,
heutzutage das ist eine Siedlung, die gebaut worden ist für etwa siebenhundertfünfzig Bergarbeiter und ihre Familien, wenn man die damalige Familiengröße nimmt, also für etwa fünftausend Einwohner.
Diese kleine Landgemeinde mit noch nicht einmal tausend Einwohnern, die beschließt dann.
Grünes Licht zu geben für den Bau einer Siedlung von fünftausend Leuten, die von außen dazu kommen.

[35:54] Wenn man sich das bewusst macht in Zeiten, in denen es immer noch eine Pegida gibt, ja. In denen es immer noch Situationen gibt, dass sich in vielen, vielen Städten nicht nur in Ostdeutschland, auch in Westdeutschland,
sofort Initiativen bilden, wenn irgendwo ein Flüchtlingsheim für fünfzig oder hundert Leute gebaut werden soll,
dann ist das schon wahnsinnig und dann zeigt das, was innerhalb eines Jahrhunderts dann auch an, ja, ich nenn’s mal sozialen Verwerfungen sich ereignen kann,
Es war ein ganz anderes Bewusstsein damals.
Man hat die nicht mit offenen Armen aufgenommen, dass wir die nun wirklich nicht behaupten, im Gegenteil, es gab durchaus Vorbehalte, sie waren ja auch sehr unterschiedlich in der Zusammensetzung, wenn man mal die alte Dorfbevölkerung nimmt, den Herbes.
Durchweg gebildete Familien, konservativ geprägt.
Durchaus auch wohlhabend jedenfalls nach damaligen Maßstab wohlhabend. Es waren Kaufleute, es waren Selbstständige, es waren Landwirte.
Und politisch eher Richtung Zentrum orientiert. Das war der Bestandtest Dorfherbes.

Micha:
[37:06] Typisch Münsterland.

Gerhard Schute:
[37:07] Typisch Münsterland. Und jetzt kommt,
Die Leute zum Beispiel aus Masuren ein Drittel der Erstbewohner in der Zehnsiedlung fürs Neopold Warenmasuren,
Was waren das für Leute? Das waren Leute, die hatten bis dahin ihr Leben Lebensunterhalt verdient als Tagelöhner auf den großen Gütern, die es oben in Masuren gab.
Vorwiegend ungebildet, nicht katholisch, sondern evangelisch.
Nicht zum Zentrum hinorientiert, sondern sozialistisch, wenn nicht gar kommunistisch.

Micha:
[37:46] War die Region hier damals äh überwiegend katholisch.
Weil heutzutage ist ähm also wenn man hier aufwächst oder in den Neunzigern, als ich hier aufgewachsen bin, ähm da sind die beiden christlichen Konfessionen ja ziemlich paritätisch verteilt, ne? Das war in meinen Schulklassen,
war das immer so, da gibt’s ungefähr genauso viele.

Gerhard Schute:
[38:08] Das hat sich geändert, aber ursprünglich ist das hier eigentlich katholisches Land.

Micha:
[38:13] Was das Münsterland.

Gerhard Schute:
[38:14] Insge.

Micha:
[38:15] Also das ländliche ja eigentlich immer noch ist, ne? Ja. Mein mein Opa kommt übrigen oder nicht er, aber seine Eltern kommen ursprünglich aus Masuren,
aus Frauen Frauenburg, Frauenberg, ich glaub Frauenberg jetzt Fromburg, ähm, da wo Kopernicus,
tätig war und äh neunzehnhundertelf sind meine beiden Urgroßeltern,
nach also aus damals Ostpreußen äh umgezogen nach Oranienburg bei Berlin,
und äh da ist dann neunzehnhundertzwölf mein Opa geboren worden und der ist dann im Laufe des zweiten Weltkriegs ähm irgendwie hier ins Ruhrgebiet gekommen und ist dann hier hängengeblieben, hat meine Oma kennengelernt und so wurde ich hier,
die die Seite der Familie kommt, kommt hier aus der Ecke.
Ist er ja zumindest indirekt auch einer dieser dieser Zuwand.

Gerhard Schute:
[39:10] Ja und und das war die Situation halt und äh ähm.
Es hat Vorbehalte gegeben gegenüber den den Siedlern, gegenüber den Bergarbeitern hier, das ist überhaupt keine Frage.
Es gab unterschiedliche Vereine die.
Herbesdorsten hatte seine äh eigenen Vereine Dorf Herbes, hatte seine eigenen Vereine, sie ist bis heute so geblieben,
Gibt zwei Schützenvereine auch die Kirchen sind ja getrennt worden. Es gab die alte, schöne, sehr schöne ähm.
Sankt Baulos Kirche unten im Dorf, die es ja auch heute noch gibt. Das war die katholische Gemeinde des Dorfes,
Siedlung bekam ihre eigene katholische Kirche auch ganz bewusst als Arbeiterkirche so gebaut, das war die Josef-Kirche,
dazugehörigen Josef-Schule. Im Dorf gab es die Paulusschule. Also das macht schon deutlich, dass es da natürlich auch getrennte Lebensbereiche gab. Und in der Siedlung äh gab’s dann auf der einen Seite die,
katholische Kirche, die gerade genannte Josef-Kirche und auf der anderen Seite der Siedlung.
Um äh Wespen gab’s dann die evangelische Kirche, die Kreuzkirche mit der evangelischen Schule, Augustaschule. Das hat sich ja erst geändert,
Einrichtung der Gemeinschaftsschulen. Ich glaube in den neunzehnhundertsechziger Jahren war das.

Micha:
[40:38] Ähm der Umstand, das Herwis sich, das oder dass die Herbeste Bevölkerung sich damit einverstanden erklärt hat.
Durch Zuwanderung äh sich zu verfünffachen,
ist bemerkenswert, aber ist fürs Ruhrgebiet gar nicht mal so ungewöhnlich. Also ich weiß nicht, inwiefern
sowas wie Volksabstimmung stattgefunden haben oder so, aber zumindest der Umstand, dass Gemeinden, Städte, Dörfer, derart stark gewachsen.

Gerhard Schute:
[41:07] Da muss man einfach sehen, die die Kohle ist im Ruhrgebiet ja von Süden kontinuierlich nach Norden weiter fortgewachsen,
sowie die Lagerstätten im Süden äh äh wirtschaftlich,
ausgenutzt waren, ist Zugumzug der Bergbau weiter Norden gewandert, er musste dann aber auch tiefer werden. Dazu brauchte es die Dampfmaschine, um das Wasser pumpen zu können und so weiter,
auch deshalb natürlicherweise erster die Nordwanderung des Bergbaus erst mit fortschreitender Mechanisierung.
Und es war so, dass man natürlich gesehen hatte, auch in Städten wie Dorst.
Städte mit Kohle, mit Bergbau, mit den Arbeitsplätzen, die dranhängen, äh sehr viel Geld verdienen können, dass Städte reich werden können über Industrialisierung. Das ist ja im Ruhrgebiet durchaus so gewesen, also Städte wie Essen,
Kruppstadt Essen plus Bergbau dazu, war ja mal eine sehr reiche, eine sehr wohlhabende Stadt.
Und wenn man mal überlegt, es gab früher, heute gibt es sie nicht mehr, gab es die Lohnsummensteuer. Was heißt das? Lohnsonensteuer heißt,
Arbeitgeber mussten für jeden Beschäftigten in ihrem Betrieb, in der jeweiligen Stadt, in der jeweiligen Dorf einen bestimmten Obolus an die Stadtkasse entrichten. Das war eine kommunale Steuer, diese Lohnsummensteuer,
und äh äh war auch kommunal zu entrichten.

[42:34] Das erklärt, warum es zum Beispiel in der Nachbarstadt Marl diese Lohnsummensteuer ist in den neunzehnhundertsechziger, neunzehnhundertsiebziger Jahren, neunzehnhundertsiebziger Jahre, meine ich wär’s gewesen. Anfang der siebziger Jahre ist sie abgeschafft worden.
Bis dahin war mal eine der reichsten Städte hier im nördlichen Bereich.
Chemische Werke, Auguste, Viktoria. Viele tausend Beschäftigte.
Nachdem die Lohnsummensteuer gestrichen worden ist, da ging’s dann auch in den Städten becherb.

Micha:
[43:05] Lohnsummensteuer heißt äh die Arbeitgeber mussten äh.

Gerhard Schute:
[43:10] Pro Beschäftigten.

Micha:
[43:12] Okay, aber Lohnsummensteuer, weil sie irgendwie auf die äh auf die aggregierten Löhne, die sie ausgezahlt haben, mussten einfach anteilig nochmal einen bestimmten Betrag abführen. Okay, verstehe.

Gerhard Schute:
[43:23] Heute gibt es die Gewerbesteuer, äh, die aber bei weitem nicht das auffängt, was früher die Lohnsummensteuer gebracht hat, zumal heute nehmen wir ein Beispiel.
Ikea in Essen, nehmen wir das Zentrum in Oberhausen. Die zahlen keine Gewerbesteuer in Oberhausen oder in Essen.
Sondern die Zahlen diese Gewerbesteuer in Holland oder in Irland zu ganz anderen Steuersätzen, weil die Unternehmen sich international so verschachtelt haben.
Dann vor Ort, wo sie tatsächlich aktiv sind, wo sie Gewinner abschöpfen, gar nicht mehr steuerpflich.

Micha:
[44:05] Hätte ich jetzt beim Zentrum nicht gedacht, weil die ja nun mal sehr also ich weiß nicht, was da die Unternehmensstruktur ist, aber IKEA ist ja nun mal ein international agierender Konzern, während das Zent.

Gerhard Schute:
[44:16] Zentrum ist ein ein äh das Zentrumgeld landet, wenn man so will in Irland.
Oberhausen hat nichts davon. Das, was seinerzeit ganz groß vom damaligen Oberbürgermeister in äh Oberhausen,
immer postiert worden ist. Nun beginnt die goldene Zeit von Oberhausen. X tausend Arbeitsplätze,
und die Gewerbesteuer und dies und das und jenes. Nichts von alle dem. Nichts von alle dem.

Micha:
[44:47] Das heißt der Betreiber vom Centro hat woanders auch noch Einkaufszentren und ähnliche Sachen?

Gerhard Schute:
[44:52] Ein ein riesen Konzern, ein riesen Mischkonzern und äh ähm.
Wenn wenn ich das Zentrum nehme heute, es ist eine Attraktion im Ruhrgebiet. Holland, Belgien äh ist ja auch international bekannt und international äh angefahren,
Alles prima, alles prächtig, nur eine der Folgen des Zentrum war eben auch.
Das Altoberhausen, die Dorsten, die Oberhausener Altstadt, das die Handels befreit ist, die ist tot. Ja. Ja. Das sind die Folgen dann.

Micha:
[45:27] Es ging recht schnell, ne?
Also das das also das Zentrum ist für Leute, die es nicht wissen, ist ein großes Einkaufszentrum, wo es auch äh Gastronomiebetriebe, in Kino und.

Gerhard Schute:
[45:38] Auf einer ehemaligen Stahlwerksfläche von äh Thyssen. Äh es gibt da gibt da dies dies riesige Einkaufszentrum das größte hier im Ruhrgebiet überhaupt, ne. Ich glaube sogar in Nordrhein-Westfalen das Größte. Äh dann.

Micha:
[45:51] Glaub ursprünglich in ganz Europa.

Gerhard Schute:
[45:53] Dann gibt’s ein ein tolles Aquarium dabei, dann gibt es Industriekultur, der tolle Gasometer äh als Aussichtsplattform, als Ausstellungs äh äh Räumlichkeit.

Micha:
[46:06] Glaube ich zurzeit geschlossen, aber.

Gerhard Schute:
[46:07] Zeit geschlossen, aber es kommt einundzwanzig wieder eine tolle Ausstellung rein, ja. Äh also.
Es ist alles alles ganz toll, alles ganz prima. Nur man darf sich nichts vormachen, solche Ansiedlungen haben dann eben auch Konsequenzen. Sie ja als Stadt von Oberhau.

Micha:
[46:27] Ähm um den Bogen wieder zurück äh zu bekommen. Du hattest gerade schon erklärt, dass das äh,
der Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet und somit auch das Ruhrgebiet als Ballungsraum sich von Süden her Richtung Norden ausgebreitet hat, also von der Ruhe im Süden über die Emscher bis hier zur Lippe im Norden.
Das heißt, so Städte wie Dorsten oder auch mal. Wir befinden uns im Norden des Ruhrgebietes, das heißt der,
Ähm der Steinkohlenbergbau hat hier recht spät begonnen, aber.
Somit dann auch hier recht spät geendet, ne? Die letzten paar Zechen waren also fürs Leopold war eine der letzten vielleicht zehn und oder.

Gerhard Schute:
[47:04] War bei den letzten zehn.

Micha:
[47:06] Auguste Viktoria in Mal war glaube ich das.

Gerhard Schute:
[47:10] Fünfzehn, ja, ein bisschen zwei Letzte nicht, aber zwanzig fünfzehn, Auguste, Victoria und Bergwerk West in Kamp-Lintfort. Mhm. Und dann kamen zwanzig achtzehn die beiden letzten Schachtanlagen,
Das war einmal Prosper Haniell in Bottrop und die Zeche Anthrazit in Imbirnen. Das waren die beiden letzten Anlagen,
die dann zwanzigachtzehn geschlossen worden sind.

Micha:
[47:33] Anthrazit hatte ich jetzt nicht mitgezählt, weil eben Büren ja die eine das eine Bergwerk ist in NRW, was ich nicht im Ruhrgebiet befindet.

Gerhard Schute:
[47:40] Ja, aber es ist auch eine eine Rohkohleanlage gewesen, ne. War auch eine Rohkohlezeche.

Micha:
[47:45] Ähm.
Das heißt ähm wir waren recht spät dran, ne? Also Anfang neunzehntes Jahrhundert beginnt in Großbritannien die Industrialisierung, ne? Die Dampfmaschine wird erfunden und so weiter, die Eisenbahn und äh in der Nähe der Ruhe,
wir,
Oder wurde schon lange davor Kohle entdeckt, aber plötzlich war es möglich, Schächte auch in viel größere äh Teufel abzutäufen, ja. Ähm als vorher,
und ähm dann hat es bis äh Ende des neunzehnten Jahrhunderts gedauert,
oder ungefähr bis zur Jahrhundertwende bevor dann der Bergbau nach Dorsten und hier in die Umgebung.

Gerhard Schute:
[48:29] Erste erste Kohlefunde in Dorsten waren achtzehnsechsundneunzig.
Das war nicht im Herbst, das war nicht in Holsterhausen, sondern das war in Dorsten,
in der Feldmark, da wo heute der Jahnplatz ist, der Sportplatz ist, so etwa in dem Bereich, aber in einer äh Lagerung die Kohle da und in einer Mächtigkeit, die Flötze,
Das ist nicht wirtschaftlich gewesen wäre, äh das Vorhaben da weiter voranzutreiben,
Gab dann die weiteren Bohrungen, zunächst wurde man in Holsterhausen fündig. Ähm an der heutigen Balldorfstraße, sie heißt immer noch so, Parallelstraße zur Piesterbecker Straße, wenn man so will,
da ist dann auch die gleichnamige Zeche abgetäuscht worden, die Zeche Baldur, mit großen Problemen wegen der Halterner Sande und äh mit kurzer Zeitverzögerung,
begann dann auch die Bohrung in Hervest.
Fürs Leopold, da dann auch erfolgreich und äh zwei Jahre nach Baubeginn Baldur,
ist dann auf Leopold äh begonnen worden, die Schächte abzutäufen und dann, wie gesagt, ab neunzehnhundertdreizehn dann hier die wirtschaftliche Förderung,
Kohle.

Micha:
[49:48] Also damals, wenn wir von ungefähr neunzehnhundert sprechen,
dann würden wir, wenn wir von Dorsten sprechen, von von dem sprechen, was jetzt der südliche Teil Dorstens ist, ne? Also wir haben wir haben die Innenstadt und eben auch die Feldmark, wo beim äh Jahn-Sportplatz die ersten Kohlefunde waren,
und die hart und österreichisch und Alten auf Ulfkotte, was jetzt noch alles dazugehört. Das ist alles südlich vom Kanal.

Gerhard Schute:
[50:12] Der größte Teil der Orte, Vororte, die sie jetzt aufgezählt haben und die du jetzt aufgezählt hast, ist dann über die Neuordnung entweder neunzehnhundertneunundzwanzig oder neunzehnhundertfünfundsiebzig dazu gekommen,
Die nördliche nördlich der Lippe ja äh Lagen,
Die sind neunzehnhundertdreiundvierzig eingemeint worden. Die waren bis dahin selbstständig, waren dann aber neunzehnhundertdreiundvierzig äh soform,
dass sie dann sogar dankbar waren zwangseingemeindet zu werden.

Micha:
[50:50] Okay. Ähm wurden Wulfen und Deuten und Rade und Lemberg auch dreiundvierzig.

Gerhard Schute:
[50:57] Nähe fünfundsiebzig. Wulfen Wulfenlemberg gerade,
sind fünfundsiebzig dazu gekommen, Deuten gehörte schon zu Wulfen dazu, genau wie Barkenberg, im Stadtteil von Wulfen war Radewanne, selbstständige Gemeinde, Lembeck war eine selbstständige Gemeinde,
Das ist alles mit der großen kommunalen Neuordnung neunzehnhundertfünfundsiebzig passiert. Genauso wie äh auf der anderen Stadtseite Altendorf Ulfkotte dazu kam. Polsum kam zu Mal, Altendorf Ufkotte kam zu Torsten.

Micha:
[51:26] Okay. Ich frage ähm ich frage deswegen, weil wenn wir über den den Bergbau in Dorsten sprechen, dann müssen sprechen wir eben auch über Wulfen. Ne, also das sind wir haben also wie ich eben schon mal.

Gerhard Schute:
[51:40] Wir haben, wenn man, wenn man so will, drei Zechen hier in Dorsten gehab.

Micha:
[51:45] Und,
Genau, aber keine davon befindet sich südlich von der Lippe, ne? Also wir haben das eigentliche Stadtzentrum, die Altstadt und so weiter haben wir südlich vom Kanal und dann eben in Anführungsstrichen parallel zum Kanal haben wir dann noch die Lippe
sozusagen Dorsten in zwei Teile teilen.

Gerhard Schute:
[52:03] Ja, wobei das ja auch ganz spannend ist. Äh Kanal und Lippe ähm die Lippe so wie sie heute fließt.
Nördlich vom Kanal,
Muss man sich jetzt vorstellen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Lippe auf einer Strecke von drei Komma sechs Kilometern, nämlich unmittelbar äh an der Stadt vorbei, von Herbest bis rüber nach Holsterhausen,
etwa zweihundert bis vierhundert Meter weiter südlich geflossen. Das heißt, da wo heute unmittelbar an der Stadt vorbei der Kanal steht,
Da war früher das Lippebett. Die Villa Keller vor dem äh vor der Reitsport oder hinter der Reitsportanlage und vor dem Segelflugplatz.
Mal nördlich der Lippe liegt heute deutlich südlich der Lippe, davor liegt noch der Kanal, ne? Das muss man sich dabei natürlich auch dann dann bewusst machen. Man sagt das heute immer so einfach, Lippe und Kanal und dann kommt Osten und dieses,
da ist schon sehr viel geändert worden und auch das folgen im Grunde genommen oder Tribut der zu zahlen war.

[53:09] An die Industrialisierung, denn diesen Kanal benötigte man,
weniger, um hier die Kohle von fürs Leopold abtransportieren zu können oder die Güter aus dem heutigen Chemiepark Nord, sondern,
die war vor allen Dingen notwendig, diese Kanalverbindung zum Kanalkreuz vom Reinkommen, zum Kanalkreuz nach Datteln,
weil das von da aus abging Richtung Norden in den Dortmund-Ems-Kanal, vom Dortmund-Ems-Kanal wieder rüber,
in dem lass mich nicht lügen, Mittellandkanal. Im Prinzip kann man heute vom Rhein über die Kanäle an Dorsten vorbei bis zur Ostsee oben hochfahren.

Micha:
[53:52] Dann über irgendwie zum Rheinherne-Kanal kommt man auch noch und so, ne.
Also die Lippe hat jetzt nicht nur damit nicht falsch verstanden wird, die hat jetzt nicht plötzlich ihr Flussbett geändert, geändert aufgrund von sagen wir mal.
Wurde verlegt.

Gerhard Schute:
[54:07] Verlegt worden. Die ist richtig verlegt worden, ja.

Micha:
[54:10] Weil der Kanal, also der Wesel Datteln Kanal von Wesel bis Datteln, äh da langgebaut werden musste, ne? Und es gab ähm,
dass das nördliche Tor der Dorstener Altstadt,
ähm ist ja das Lippetor, die Bushaltestelle heißt immer noch so, das damalige Einkaufszentrum mit dem gleichen Namen gibt’s nicht mehr und äh,
diese Stelle befindet sich heute am Kanal, heißt aber Lippetor, weil damals eben das nördliche Tor von Dorsten direkt an der Lippe lag,
Und da ist sie jetzt nicht mehr, ne?

Gerhard Schute:
[54:42] Da war auch die Lippebrücke. Es gab ja zwischen Wesel und Haltern, gab’s nur eine Lippebrücke, viele, viele äh Jahrzehnte lang. Das war diese Lippebrücke in Dorsten. Äh die war dann auch daher,
die Bedeutung von Dorsten als kleine Hansestadt, die war Zollpflichtig, da musste Tribut gezahlt werden, wer die Lippe überqueren wollte.
Aus dieser Lippe Brücke heutige Kanalbrücke, wenn man so will. Äh da hat Dorsten den den Reichtum des späten Mittelalters her.

Micha:
[55:17] Das ist an der Stelle der jetzigen Erzbischof von Hochstaaten Brücke heißt die glaube ich, ne.

Gerhard Schute:
[55:22] Ja, nicht ganz ist schon in etwa auch da, wo heute die äh die Kanalbrücke ist.

Micha:
[55:27] Ach, die Fußgänger.

Gerhard Schute:
[55:28] Nein, nein, die die normale Autobrü.

Micha:
[55:30] Ach so, ich dachte, die heißt Erzbischof von.

Gerhard Schute:
[55:32] Nee, nee, äh die diese Hochstaatenbrücke,
dieser Erzbischof von Hochstaaten, das war derjenige, der Dorsten zwölfhunderteinundfünfzig die Stadtrechte gegeben hat. Die ist errichtet worden, nachdem,
im Rahmen eines Konjunkturprogramms Anfang der siebziger Jahre das Gelände Maria Lindenhof bebaut wurde,
Volkshochschule, Stadtbibliothek und äh Gymnasium Peterinu,
Das waren X Millionen Mark damals, die die Stadt äh bekommen hatte aus äh Sondermitteln,
übrigens ein Konjunkturprogramm, das durchgesetzt worden ist von den von der damaligen Runde der SPD-Oberbürgermeister im Ruhrgebiet.
Die fuhren nach Bonn, die setzten den damaligen Bundeskanzler äh Helmut Schmidt, also war’s kurz nach vierundsiebzig ähm äh unter Druck,
als Kompensation unter anderem für die Abschaffung der Lohnsummensteuer, ein Sonderprogramm, ein Konjunkturprogramm zu machen.
Dorsten profitierte von diesem Konjunkturprogramm durch den Bau, wie gesagt von VHS,
Gymnasium, Petrinum und Stadtbilu, Bibliothek, unten im Gelände Maria Lindenhof und um da eine bessere Fußverbindung dann in die Innenstadt zu schaffen,
Deshalb wurde diese später Hochstaatenbrücke genannte Fußgängerbrücke dann über den Kanal.

Micha:
[57:00] Das heißt, die Lohnsummensteuer wurde abgeschafft, um die Unternehmen zu entlasten, aber dann hatten die Gemeinden, die diese Steuereinnahmen erhalten haben, plötzlich ein Problem.

Gerhard Schute:
[57:11] Ja, aber riesiges Problem.

Micha:
[57:12] Und dann wurde der Bund gefragt, ob er das irgendwie kompensieren kann. Okay, verstehe.
Also was ich erläutern wollte, war für Leute, die sich hier in der Region nicht auskennen. Wir haben äh Kanal und Lippe, die praktisch mehr oder weniger direkt nebeneinander verlaufen. Mehr oder weniger,
und südlich davon befinden sich die Stadtteile, die recht dicht besiedelt sind und nördlich davon befinden sich die Stadtteile, die ein bisschen ländlicher sind, ne? Da geht’s dann.

Gerhard Schute:
[57:40] Aber eben auch aber eben auch die beiden Berghochstadtteile.

Micha:
[57:44] Genau, ne? Also alle alle Bergbaustadtteile Dorstens befinden sich nördlich von der Lippe.

Gerhard Schute:
[57:51] Wulfen, die haben wir vorhin äh nicht so ausführlich behandelt, sich Wulfen. Äh eine Anlage äh des Konzerns äh Matthias Stinnes,
auch schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ursprünglich einmal geplant,
dann aus vielerlei Gründen unter anderem Kriegsgründe, politischen Unruhen und so weiter, x mal wieder verschoben worden. Anfang der neunzehnhundertfünfziger Jahre kamen die Pläne wieder auf den Tisch. Es ist normal gebohrt worden,
dann wurde auf Landesebene entschieden, ja wir wollen da noch eine äh wir genehmigen da noch den Bau einer Zeche,
diese Zeche Wulfen, wie sie dann genannt wurde sollte nun eine zukunftsträchtige Großzeche werden.
Heißt äh angedacht war eine Blechschaftsgröße von deutlich mehr als zehntausend Werkleuten,
und um da nun auch die vernünftig unterbringen zu können,
Deshalb wurde ähm das Projekt Neustadt Wulfen entwickelt, sprich Barkenberg.
Und wenn man so will war Barkenberg ursprünglich einmal gedacht,
Als größte Bergarbeitersiedlung des Ruhrgebiets. Das wäre es nämlich gewesen. Wenn man sagt,
ohne Zege Wulfen, kein Barkenberg, dann ist damit auch die erste Funktion von Barkenberg eigentlich erklärt.

[59:20] Die Zeche wurde dann Ende der Fünfziger begannen, die Abläufarbeiten in sechziger Jahren, wo die Zeche erschlossen, in den sechziger Jahren begann dann auch der Bau der neuen Stadt Wulfen,
Wenn sich heute bewusst macht, zu welchem Zeitpunkt das passierte, dann muss man sagen, eigentlich.
Hätte damals die Politik die Reißleine ziehen müssen und sagen müssen.
Schluss aus, hört auf, hier die Zeche zu bauen und Stopp Schluss aus, natürlich dann auch keine Neustadt Wulfen,
Denn diese sechziger Jahre, das waren schon die Jahre, in denen deutlich wurde oder sehr deutlich war, dass es mit dem Bergbau so nicht weitergehen wür.

[1:00:00] Absatzprobleme, die Kohlekrise, die die Brande schon an der, an der Ruhe muss man wirklich sagen, überall die großen Demonstrationen mit den schwarzen Fahnen und äh es waren wirklich Krisenjahre,
und äh man hätte eigentlich diese Zeche Wulfen äh gar nicht mehr abtäufen dürfen, jedenfalls nicht aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Man muss ja mal bewusst machen,
kurz nachdem diese Zeche dann in Betrieb gegangen ist, kurz nachdem wenige Jahre, nachdem die ersten Mieter in Bergenberg eingezogen sind,
neunzehnhundertachtundsechzig ist die Rohkohle gegründet worden und die Rohkohle ist ja nicht gegründet worden, weil’s dem Bergbau so gut ging,
sondern wenn man so will als staatlich subjektionierte Auffanggesellschaften für die defizitären, sprich Kohlebereiche der großen äh Ruhrgebietsk.

Micha:
[1:00:52] Sowas wie eine Badbank, der Steinkohlewirtschaft.
Und ähm gut aber also es wurde also die Schächte wurden abgetäuscht, die das Bergwerk wurde eröffnet, die haben mit der Förderung begonnen und auch die ähm Bartenberg wurde gebaut.

Gerhard Schute:
[1:01:09] Hakenberg wurde gebaut, Berkenberg hat in den besten Jahren äh knapp fünfzehntausend Einwohner gehabt und äh auch wenn Barkenberg, wenn diesem Projekt Barkenberg diesem Projekt Neustadt Wulfen in Dorsten,
Leider muss ich sagen, von vielen Menschen immer noch mit großen Vorbehalten begegnet wird. Äh ich halte Bergenberg, ich halte das Projekt Neustadt Wulfen immer noch für eine Erfolgsgeschichte,
Und wenn ich dann gefragt werde, warum mache ich es immer an einem Beispiel deutlich.
Leider muss man wirklich sagen inzwischen verwässerte Verkehrskonzept dieses Projektes Neustadt Wulfen hat es immerhin ermöglicht,
Dass fünfzehntausend Menschen in einem doch vergleichsweise engen Bereich zusammen gelebt haben,
Auto gefahren sind, Fahrrad gefahren, sind äh als Fußgänger unterwegs waren und all das war möglich, ohne die Regelung auch nur einer einzigen Verkehrsampel.
Allein das zeigt schon, da steckt doch was hinter und da war doch was dran, ne.

Micha:
[1:02:09] Ich war vor ein paar Monaten paar Mal in Barkenberg ähm auf Wohnungssuche, nicht für mich selber. Ähm,
Für wen anders, aber das äh da gibt’s, gibt’s schöne Ecken, wo man gut wohnen kann, glaube ich,
Ich habe da nie, ich bin auf der Hard aufgewachsen, also im Dorstener Süden, in Wulfenweich, üblicherweise nur für Auswärtsspiele beim äh BSV.
Und also ich selber hab bei der BG gespielt in Holzerhausen. Ähm ja, aber das äh ich ich ähm es gibt ein paar Vorurteile, aber,
ich glaub da kann man ganz gut wohnen.

Gerhard Schute:
[1:02:43] Es hat auch in Bergenberg sicherlich Fehler gegeben bei im im Rahmen der dortigen Stadtentwicklung, dass äh möglicherweise tatsächlich
eine ganze Zeit lang der soziale Wohnungsbau überbetont worden ist, dass die Sozialstrukturen insgesamt nicht so ausgeglichen waren, wie sie hätten sein sollen, dass das Freizeitangebot nicht so war für gerade Jugendliche auch
sein sollen, aber mein Gott nochmal äh fehlerfrei wird nirgendwo gearbeitet
und äh über die Zeit und über die weitere Entwicklung auch mit dem, was an Bebauungsplänen noch äh äh angedacht war
wenn man sich den alten Flächennutzungsplan von Berkenberg anguckt, das hätte sich schon noch ausgeglichen im Laufe der Zeit und äh.
Na ja, es hat sich erledigt im Grunde genommen. Ne, jetzt gehört Berkenberg zur Stadt Dorsten.

[1:03:35] Und da sind wir dann in der traurigen Situation, äh ich sprach vorhin von dem leider inzwischen verwässerten Verkehrskonzept,
ist eine vergleichsweise arme Stadt, die ist eine Ausgleichsgemeinde, ist zur permanenten Haushaltskonsolidierung,
verpflichtet, muss also sparen, wo es nur eben geht und leider auch da, wo es eigentlich nicht geht,
fällige Sanierung der Fußgängerbrücken in Barkenberg, die dann über die,
ursprünglich mal vierspurigen Straßen geführt haben, war dann im Etat kein Geld mehr da. Also sind die Fußgängerbrücken drei, glaube ich, inzwischen sind dann abgerissen worden.

[1:04:17] Und so stellt man natürlich ein Verkehrskonzept, äh ein ehemals mal preisgekröntes Verkehrskonzept, auch mächtig in Fra.

[1:04:26] Und zeitgleich wird polemische Anmerkung. Zeitgleich wird dann in einem anderen Stadtteil in Holsterhausen,
die Autobahn eine Wildbrücke gefahren, damit die Rehlein und Häslein gefahrlos über die A einunddreißig.

Micha:
[1:04:42] Ja, Prioritäten. Ähm ja, das ist war Wulfen, also war die also die.

Gerhard Schute:
[1:04:50] Also diese Zeche wolfen, um das noch kurz abzuschließen. Diese Zeche Wulfen hatte immer Probleme, hatte in besten Jahren eine,
von immer noch unter tausend. Ich hatte ja vorhin gesagt, über zehntausend sollten es mal sein. Belegschaft von unter tausend,
und äh ist dann ähm in den Achtzigerjahren mit äh fürs Leopold über Tage, unter Tage zusammengelegt worden. Einstellung der Förderung dann,
Und inzwischen ist sie rückgebaut worden von dieser Zeche Wulfen,
gibt es anders als von fürs Leopold eben heute nichts mehr. Äh ist komplett abgerissen worden, da gibt’s, wenn man so will, einen grünen Korken auf der Wiese,
dem ehemaligen, über einem der ehemaligen Schächte und das war’s. Wobei, wenn man sich denn heute nochmal alte Bilder anguckt,
was heißt alt, wir reden über einen Zeitraum von vierzig Jahren, äh Bilder anguckt von von dieser Zeche, Wulfen,
es war architektonisch baulich, ein eine tolle Zeche mit einer wirklich hochmodernen Infrastruktur auch. Gut, es war einmal.

Micha:
[1:06:00] War das die letzte Zeche, die abgetäuscht wurde im Ruhrgebiet.

Gerhard Schute:
[1:06:05] Nach nach nee, nee, nach der Zeche Wolfen kam noch die Außenschicht äh von Auguste Viktoria in der Art bis hoch nach Libramsdorf altern. Die bekamen später noch.

Micha:
[1:06:18] Nicht die Hard im Dorsten, sondern.

Gerhard Schute:
[1:06:21] Ja. Ja. Das Erholungsgebiet da.

Micha:
[1:06:25] Ach so. Ähm gut, aber es ist dann ist es ist die nördlichste somit.

Gerhard Schute:
[1:06:33] Also jetzt als Hauptstandort, als Hauptstandort war die Zeche Wulfen von Anthrazit-Ebenbürden mal abgesehen. Äh hier im Emscher-Lippe-Raum war es die nördlichste Zeche,
wenn man die Außenschächte zum Maßstaben nimmt, dann hat der August und Viktoria weiter nördlich noch.

Micha:
[1:06:52] Das heißt, dass die Zeche Wulfen war einfach, weil sie, weil sie erst so spät entstanden ist, weil sie einfach eine der moderneren nehme ich mal an und sah dementsprechend dann wohl auch so aus. Ja, von der Zeche Balduhr ist da noch irgendwas über, nicht wirklich.

Gerhard Schute:
[1:07:07] Äh von der Tscheche Baldo sind kleine Reste da, die genutzt werden heute als Lagerräume. Ich glaube, von der Spedition Nagel äh aber der größte Teil ist natürlich weg,
die so Zeche Baldur.
War wichtig noch für fürs Leopold, weil von fürs Leopold aus ist Richtung Holsterhausen und weiter Richtung Scharmbeck,
Noch viele Jahrzehnte Kohle abgebaut worden und um da eine ausreichende Bewetterung, also klimatisierung,
Abbaubereich vor Ort zu haben. Deshalb wurde der Schacht von Baldur nochmal tiefer getäuft,
auf über elfhundert Meter und von da aus wurden dann die untertägigen Arbeitsbereiche von Fürst Leopold äh Klima.

Micha:
[1:07:58] Es gab auf Balduhr oder auf allen drei Dorstener Zechen gab’s jeweils zwei Schächte glaube ich ne.

Gerhard Schute:
[1:08:03] Ja, zu jeder Zeche muss es mindestens zwei Schächte geben. Äh wegen der Bewetterung. Das eine ist der einziehende Schacht,
saubere, trockene, kühle Luft nach unten bringt, das andere ist der ausziehende Schacht, der die feuchte, warme, verbrauchte Luft nach oben.

Micha:
[1:08:19] In Altendorf, also südlich von Kanal und Lippe gibt’s einen Wetterschach.

Gerhard Schute:
[1:08:23] Auch Wetterschach.

Micha:
[1:08:25] Gehörte aber nicht so fürs Leopold, der gehörte zu Westerhold.

Gerhard Schute:
[1:08:28] Der gehörte zu ja zu Westerhold oder auch zu äh zu Polsen.

Micha:
[1:08:32] Ach so, okay. Okay. Und.

Gerhard Schute:
[1:08:35] Ist aber später mitgenutzt worden, auch für fürs Leopold,
denn nach zweitausendeins oder vor zweitausendeins als hier die Förderung eingestellt wurde äh ist ein äh Untertageverbund hergestellt worden zwischen den Zechen Westerhold und fürs Leopold,
die dann zum Bergwerk Lippe zusammengeschlossen wurden.

Micha:
[1:08:59] Also also Waldur war ja die war die erste, die abgetäuft wurde die wurde irgendwann äh zusammengelegt mit Fürst Leopold.

Gerhard Schute:
[1:09:08] Dreißiger Jahren. Ja.

Micha:
[1:09:10] Dann hatten wir fürs Leopold Baldur, da wurde dann auch äh unter Tage der Durchbruch.

Gerhard Schute:
[1:09:16] Unter Tage auf einer auf einer Tiefe von sechshundertfünfzig Meter ist da einunddreißig der Durchbruch hergestellt worden und dann später nochmal der Durchbruch zwischen fürs Leopold und Wulfen,
die ganz zum Schluss hieß die Anlage fürs Leopold Wulfen.
Und bevor hinter den Binde hinter den Schrägstrich Wulfen kam, stand da früher Ball nur.

Micha:
[1:09:41] Ne? Also aus aus Fürst Leopold oder fürs Leopold Baldur, dann wurde es wieder reduziert auf nur frühes Leopold, dann der Zusammenschluss mit Wulfen, dann war es fürs Leopold Wulfen und dann entstand das Bergwerk Lip,
die dann noch mit Westerhold in Gelsenkirchen, Hassel zusammengelegt wurden, ne? Okay und äh.
Ja, okay. Gut, nur um das ungefähr mal einzuordnen. Und die, die verschiedenen Schächte, also zweimal Baldur, zweimal Wolfen, zweimal fürs Leopold, die sind inzwischen alle verfüllt.

Gerhard Schute:
[1:10:15] Sind verfüllt, ähm hier auch fürs Leopold ähm äh mit einer Spezialverfüllung fürs Leopold ist Reservestandort der Wasserhaltung. Nach allen Gutachten, nach allen Berechnungen.

[1:10:29] Wird man’s nicht benötigen, weil dir so viel Grubenwasser gar nicht ankommen wird. Wasserhaltung bedeutet nichts anderes als ähm,
Es muss dauerhaft gepumpt werden. Das Ruhrgebiet ist im Rahmen der,
industriellen Steinkohleförderung um etwa zwölf bis fünfzehn Meter abgesagt. Es ist der größte Ballungsraum,
in Deutschland mit rund fünf Millionen Einwohnern und solange hier so viele Einwohner leben sollen, muss halt gepumpt werden, sonst läuft das, was früher mal ein Kuchenblech war, dieses Ruhrgebiet landschaftlich ganz grob jetzt,
heute ein tiefer Suppenteller ist, läuft voll und dann müssten wir hier alle Schwimmhäute kriegen oder müssten halt wegziehen. Und solange hier Menschen leben sollen, muss gepumpt werden. Wenn jetzt hier zu viel Wasser an Käme auch fürs Neopold,
dann könnte man den alten Schacht eins, das ist der unter der grünen Kiste,
Also wenn man so davor steht, links von dem äh neuen, von dem von dem äh historischen Schachtgerüst, dass jetzt restauriert worden ist. Ähm,
der Schacht ist zu einem Brunnenschacht ausgebaut worden, den kann man aufbohren, kann Tauchpumpen einhängen und dann könnte man die alte Grubenwasserleitung quer übers Zechengelände quer durch den äh Siedlungsbereich,
rüber zur Lippe wieder reaktivieren und könnte da das Grubenwasser dann ableit.

Micha:
[1:11:54] Okay. Aber zweitausendundsiebzehn wurde die Wasserhaltung erstmal eingestellt hier, ne.

Gerhard Schute:
[1:12:00] Nee, die ist äh nach wie vor betrieben worden. Äh sie ist eingestellt worden, insofern nicht zwanzig siebzehn und zwanzig neunzehn ist das passiert. Ähm.
Das, was früher von Pumpen jeweils vor Ort geregelt werden musste, ist jetzt so organisiert, dass es für die gesamte Grubenwasserhaltung im Ruhrgebiet.
Auf der ehemaligen Schachtanlage Pluto in Herne eine zentral gesteuerten,
von von da aus zentral gesteuerte Anlage gibt, ’ne Rechneranlage gibt, die sorgt dafür, dass alle Grubenwasserströme Richtung Westen abgeleitet werden,
dann entweder nach Förde oder runter nach Walsum und da werden sie dann abgepumpt,
und äh nach Klärung dann äh in den Rhein abgeleitet in die Lippe, in die Ruhe, in die Emscher,
werden Stand heute wegen dieser neuen Grubenwasserhaltung jetzt schon keine Grubenwasser mehr ab.

Micha:
[1:13:03] Verstehe ich das richtig? Das ist so eingerichtet, dass das Grubenwasser schon unter Tage in westlicher Richtung abfließt. Ja. Ach so, damit man dann nach dem Hochpumpen.

Gerhard Schute:
[1:13:12] Liegt ja das fließt jetzt schon Richtung Westen alles ab. Das ist mit sehr komplizierten Wasserbauten unter Tage so eingerichtet worden,
und äh es ist ja so, dass das Ruhrgebiet unter Tage äh aussieht wie ein Schweizer Käse. Alle Schachtanlagen waren direkt indirekt miteinander verbunden auf verschiedenen Ebenen, auf verschiedenen Teufen natürlich,
das ist jetzt durch Wasserbauwerke so organisiert worden, dass tatsächlich von da nach da und da nach da das Wasser immer weiter Richtung Westen geführt wird,
unterstützen natürlich auch durch Pumpen, unterstützt durch Schleusen kann man und ähnliches mehr, durch äh Rückhaltebecken, die es unter Tage gibt, aber das Wasser fließt und ähm.
Es muss auch fließen, denn sonst würde es ja im Laufe der Zeit immer weiter ansteigen irgendwann dann auch das Grundwasser kontaminieren und das ist genau das, was man verhindern.

Micha:
[1:14:11] Gut, gut. Ähm wir hatten gerade schon bisschen über hier die die Eisenbahnverbindung gesprochen ähm.
Das wurde ja deutlich zurückgebaut, ne? Also das, was ich gerade nicht verstanden hatte, war die Unterscheidung zwischen.
Zechenbahn und Hafenbahn und du sagtest eine von denen sei noch aktiv.

Gerhard Schute:
[1:14:33] Ja, die Hafenbahn ist noch aktiv, weil es daher das Industriegebiet Dorsten Ost gibt und viele Betriebe in diesem Industriegebiet Dorstenost. Mhm. Die werden über die Dorstener Hafenbahn äh erschlossen. Und die Zechenbahn, das.

Micha:
[1:14:47] Bahn ist nur die Strecke gemeint, kein tatsächlicher V.

Gerhard Schute:
[1:14:49] Ist nur die ist nur die Strecke gemeint.

Micha:
[1:14:52] Also wir haben im Wesentlichen haben wir die äh die Bahnlinien, die es hier gibt. Also in dem Wesentlichen ist das die, die von Süden herkommt, also so von Essen über den Bottrop und.
Letzt ähm am Ende dann noch äh Feldhausen und dann eben über Dorsten, also erst über den Bahnhof Dorsten, der wenn man so möchte Hauptbahnhof,
dann werden die äh führen die weiter über den Kanal, über die Lippe bis zum Bahnhof Hervesdorsten und dann teilen sie sich in zwei, einmal Richtung Borken, einmal Richtung Großfeld,
da findet Personenverkehr statt. So und jetzt gibt’s mit der.

Gerhard Schute:
[1:15:26] Dieser herbeste Bahnhof, der war in seiner hat, der war in seiner Vergangenheit ein sehr bedeutender Bahnhof, weniger für den Personenverkehr, sondern vor allen Dingen für den Güterverkehr.
Da gab es die Bahnlinie, man glaubt es nicht, aber es war wirklich so, Hamburg, Herbst, Amsterdam.
Die war die war enorm wichtig für den Kohletransport von Herves Richtung Holland, äh viel äh ein Großteil der Leopold Kohle,
ist in Holland gemischt mit anderer Kohle in Kraftwerken verfeuert.

Micha:
[1:16:03] Amsterdam, nicht? Ach so, in Kraftwerken. Ach so, die wurden nicht von da verschifft.
Ach so, sonst hätte ich gedacht, vielleicht Rotterdam oder so. Aber ein Freund von mir hatte das mal gesagt, dass sein sein ehemaliger, äh ich glaube, Geschichtslehrer hätte,
hätte mehrfach erwähnt, dass der Herr Bahnhof ähm auf der direkten Verbindung äh von Paris nach St. Sankt Petersburg liegen würde oder so.

Gerhard Schute:
[1:16:27] Auch ja.

Micha:
[1:16:29] Gewisse geschichtliche Bedeutung hätte.

Gerhard Schute:
[1:16:30] Für den für den Güterbereich ist aber diese Linie Hamburg, Herr West, Amsterdam ist da wicht.

Micha:
[1:16:37] Gut ist nur, ich ich erwähn’s nur, weil’s aus heutiger Perspektive schwer vorstellbar, weil der der Bahnhof Herbes Dorsten besteht aus einem Bahnsteig mit zwei Gleisen. Äh und dann da hat man eben dann in nördlicher Richtung die Verbindung nach Bork.

Gerhard Schute:
[1:16:50] Ja, war unten der der gesamte Bereich, den jetzt die evangelische Freikirche, wie ich finde, ganz toll äh umgebaut hat und und für sich nutzt. Äh das war wirklich alles Bahnhofsgebäude, ne,
Dieser Bahnhof war eben äh äh hatte zwei Ebenen. Es gab unten die Güterebene, oben war die Ebene für den äh Personenverkehr.
Vergangenheit, Vergangenheit.

Micha:
[1:17:16] Ach so, das heißt, das Kirchengebäude war früher Bahnhofsgebäude, das ist wenn man, ach so, wenn man aus dem Herwester Bahnhof raus.

Gerhard Schute:
[1:17:19] Das war Bahnhofsgebäude. Ja, ja. Und gegen und gegenüber und gegen gegenüber, dass das äh alte Gebäude das war die alte Hervester Post.
Durch, also die Moschee, ja, der Ditib, also durchaus, ja, wenn man sich auch heute noch anguckt, äh repräsentative Gebäude, ne, die haben schon was hergemacht.

Micha:
[1:17:40] Am Holzplatz.

Gerhard Schute:
[1:17:41] Am Holzplatz hier.

Micha:
[1:17:43] Okay. Ähm.

Soundboard

Gerhard Schute:
[1:17:45] Gleich irgendwann dadurch.

Micha:
[1:17:46] Okay. Äh alles gut. Wir können eine kurze Pause machen.

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