Drücke „Enter“, um zum Inhalt zu springen

GK044 | Solidarität, Schweiß und Schlagwetter

Volker Wagner über das Erbe des Bergbaus, seine Wahrzeichen und einen neuen Erinnerungsort

Bergmann zu sein ist für Volker Wagner ein Lebensgefühl. Seine erste Grubenluft schnupperte er 1983, als er auf der Zeche Haus Aden in Bergkamen seine Lehre begann. Nach der Zusammenlegung seiner Mutterschachtanlage mit anderen Schachtanlagen der Region zum Großbergwerk Ost machte er unter anderem auf Heinrich Robert in Hamm Station. Heute bietet er im CreativRevier Heinrich Robert Führungen über das ehemalige Zechengelände an und engagiert sich beim Geschichtskreis Haus Aden/Grimberg 3/4. So bewahren er und seine Kumpels die Erinnerung an die Leistung früherer Generationen sowie das Wissen um die historische Bedeutung des nordrhein-westfälischen Steinkohlenbergbaus für die nachfolgenden Generationen. Er betont die Solidargemeinschaft und den Zusammenhalt der Bergleute sowie die Führungsrolle des Bergbaus bei Sozialkompetenz und Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Zudem befürwortet er den Erhalt der Fördertürme als Identifikationsmerkmale und bedauert, dass viele mangels politischen Willens längst abgerissen worden sind. Im kommenden Jahr richtet sein Geschichtskreis in Bergkamen einen Erinnerungsort ein, zum Gedenken an das schwerste deutsche Grubenunglück, welches sich am 20. Februar 1946 auf Grimberg 3/4 („Zeche Kuckuck“) ereignete, an die 405 Toten inkl. der mehr als 350 bis heute im Stollensystem unterhalb Bergkamens verbleibenden Kumpels, die nicht einmal tot aus der Grube geborgen werden konnten, sowie an deren „Kuckuckwitwen“.

Kapitel

0:00 Glückauf!
0:27 Hängen!
1:35 Mutterschachtanlage Haus Aden
8:41 Konsolidation
18:20 Schichten
24:37 Geleucht
33:27 Bergbau weltweit
47:30 Referenzbergbau
51:57 Ewigkeitsaufgabe Grubenwasser
1:01:16 Bergbauprojekt Donar
1:09:45 Mobiler Stollen
1:15:27 Fördertürme
1:40:44 Das Erbe von Heinrich Robert
1:44:50 Kanarienvögel und Grubenpferde
1:45:55 Pferdejungen und Bullenklöster
1:48:28 Das Erbe von Maloche und Solidarität
2:03:47 Grubenunglücke
2:16:24 Auf!

Transkript

Glückauf!

Michael Holtkamp:
[0:01] Willkommen in der Graukaue an Mikrofon 1, wie immer Michael Holtkamp, das bin ich, und an Mikrofon 2, vom ehemaligen Bergwerk Heinrich Robert, beziehungsweise dem jetzigen Kreativrevier Heinrich Robert in Hamm, der ehemalige Bergmann Volker Wagner. Glück auf, Volker.

Volker Wagner:
[0:23] Glück auf.

Michael Holtkamp:
[0:25] Schön, dass du da bist. Danke fürs Kommen.

Hängen!

Michael Holtkamp:
[0:56] Episode 44 Solidarität, Schweiß und Schlagwetter Volker Wagner über das Erbe des Bergbaus, seine Wahrzeichen und einen neuen Erinnerungsort, Die Sendungsnotizen gibt’s auf graukauer.ru Schrägstrich GK 044, Die Audio-Version dieses Podcasts gibt es in den gängigen Apps und die Video-Version gibt es auf dem YouTube-Kanal der Graukaue sowie bei Spotify.

Mutterschachtanlage Haus Aden

Michael Holtkamp:
[1:35] Wenn ich sage Heinrich Robert, stimmt das meines Wissens, aber er ist nicht ganz vollständig.

Volker Wagner:
[1:41] Also Heinrich Robert war nachher eine Zwischenstation von mir. Also meine Mutterschachtanlage ist eigentlich die Schachtanlage Hausaden im Berchkham. Und ja, ich bin in Kham geboren, also in der Nachbarstadt. Und Mutterschachtanlage, wo man seine Ausbildung begonnen hat, also die erste Grubenluft geschnuppert hat. Und das war bei mir eben 1983 Hausaden.

Michael Holtkamp:
[2:05] 1983, in Bergkamen, Hausaden. Nur mal zur zeitlichen Einordnung, ich bin Jahrgang 84. Also für mich ist 83 schon lange her. Also jetzt 43 Jahre, da hast du tatsächlich eine lange Karriere hinter dir. Aber du bist immer noch aktiv und also bevor wir auf die Anfänge kommen sprechen wir mal kurz drüber was du jetzt machst und was du im Kreativrevier Heinrich Robert machst. Ich weiß von dir, weil Andreas dich empfohlen hat Andreas arbeitet für die Ruhrstadtstiftung die zum einen das Kreativrevier Heinrich Robert in Hamm, aber auch das Kreativquartier fürs Leopold in Dorsten, wo wir uns jetzt befinden, betreibt und verwaltet und der sagte, du hättest einiges zu erzählen und nicht nur hast du einiges zu erzählen, du erzählst auch einiges und zwar vor Ort auf Heinrich Robert. Du bietest da Führungen an, stimmt’s?

Volker Wagner:
[3:04] Ja, genau. Also Heinrich Robert ist einer der Zwischenstationen, wo ich versuche, zumindest unsere Tradition nachfolgenden Generationen zu erzählen, wie es mal auf Zeche auf dem Pütt gewesen ist. Aber nichtsdestotrotz, klar, ich bin mit dem Andreas irgendwann mal zusammengekommen und sind aus solcher Ideen gewachsen, wie Besucherführung auf Heinrich Robert zu machen. Nichtsdestotrotz sind wir aber ein Geschichtskreis, der nennt sich Haus Aden Grimberg 34, deren Sprecher ich bin. Und wir haben schon seit 15 Jahren in Bergkernburg-Aden ein eigenes Museum, im städtischen Museum sind wir untergebracht, damals im Zuge des Schachtzeichens. Also über da, wo gelbe Ballons im Ruhrgebiet hochgegangen sind, das war das Schachtzeichen, wo Schachtanlagen ihre Standorte hatten, dann konnte man von oben sehen, was das doch für eine Masse gewesen ist, wie bedeutsam der Steinkohlenbergbau für diese Region für Nordrhein-Westfalen mal gewesen ist.

Michael Holtkamp:
[4:06] Ich glaube, ich habe da mal von gehört, wann war das? Das war ein einmaliges Ding.

Volker Wagner:
[4:09] 2010, sind die Ballons dann gestartet und in dem Zuge, wir durften damals auf der Schachtanlage Hausaden, durften wir im Endeffekt, den Ballon nicht steigen lassen, weil das immer noch ein bergrechtlicher Bereich war, aber wir hatten nebenbei so eine Gewerkschaftsbude. Also Gewerkschaft ist ja auch stark im Bergbau unter den Bergleuten, vertreten. Und da haben wir den Ballon dann steigen gelassen und der Bürgerweister war damals da und da ist eigentlich die Idee gewachsen, was machen wir denn nach dem Bergbau, wenn die Schachtanlage nicht mehr da ist? Wir waren ja Europas größter Bergarbeiterstadt und da ist die Idee gewachsen, ein Museum entstehen zu lassen.

Michael Holtkamp:
[4:55] Ach wirklich, Bergkamen war die größte?

Volker Wagner:
[4:57] Ja, von der Tonnage her, also von der Produktivität, wie viel Kohlen dann, wir waren mehrere Schachtanlage, Haus Aden, Grimmirch 34 und die Schachtanlage Monopol und daran wird das auch gemessen.

Volker Wagner:
[5:13] Wie weit dann eine Stadt mit vielen Schachtanlagen Kohlen aus der Erde geholt hat. Und dadurch haben wir dann den Titel bekommen Europas größter Bergarbeiterstadt. Das war Berchkamp. Ja und der Bürgermeister hatte damals die Idee gehabt, ja da kommt er mit dem städtischen Museum mit rein und das haben wir dann auch getan. Und wie sich das gehört, dann auch unter Tage. Das heißt, wir durften die Kellerräume dann nachher ausbauen und haben das dann anfänglich dann auch ehrenamtlich dann selbst dann auch eingerichtet. Und da haben wir zwei Themenfelder. Der Untertagebereich, also die Kellerräume, haben wir dem Altbergbau gewidmet, also wieder typische Holzbäume. Ausbau gewesen ist, wo Pferde noch unter Tage gearbeitet haben und im obersten Bereich, dem Außenbereich, haben wir den Neubergbau, also so wie es ganz am Schluss auch gewesen ist, nach Beendigung des Steinkohlenbergbaus 2018, ja, wie ich, mein Vater noch unter Tage gearbeitet haben, mit dem Stahlausbau, mit den, technischen Errungenschaften wie Hobel, Walzenanlagen und alles, was die Arbeit des Bergmanns einfacher gemacht hat und auch zur Produktivitätssteigerung dazu geholfen hat, Das haben wir dem Außenbereich gewidmet. Und so machen wir unser Freizeit gestalten. Wir sind noch 20 Mann und jeden Mittwoch treffen wir uns da.

Volker Wagner:
[6:34] Uns ist zwar bewusst, dass wir biologisch gesehen hier auf dem absteigenden Ast sind, weil wir bekommen keinen Nachwuchs mehr, weil es ja nun mal keinen Steinkohlenbergbau mehr gibt. Aber dennoch sind wir mit voller Energie geladen, um unsere Arbeitswelt und, unser Tun und aber auch unsere Tradition an Interessierten weiterzugeben. Aber ich halte das persönlich immer pädagogisch wertvoll, auch nachfolgende Generationen zu zeigen, was eins das hohe Gebiet mal groß gemacht hat.

Michael Holtkamp:
[7:08] Und ihr trefft euch dort mittwochs, aber die Besucher, die sich das anschauen möchten, wann oder wo können die sich informieren oder wo müssen die da hin, zum städtischen Museum?

Volker Wagner:
[7:18] Wir gehen zum städtischen Museum hin. Wir haben momentan, ist die Abteilung, geschlossen, brandschutztechnisch wird da, also ich sage mal, jetzt auch einiges getan, muss auch getan werden. Und ich hatte ja gerade schon gesagt, die Bergleute sind eigentlich auf dem absteigenden Ast. Biologisch gesehen, also echte Zeitzeugen wird es irgendwann aber nicht mehr geben. Und wir müssen schauen, dass wir diese Museum, das betrifft ja nicht nur uns, es gibt ja viele Geschichtskreise noch in Nordrhein-Westfalen, die den gleichen Job machen wie wir auch, ehrenamtlich. Aber wir müssen jetzt sehen, dass wir das alles zukunftsweisend so hinstellen. Also das muss selbsterklärend sein oder dass jetzt ein echter Bergmann noch, dabei ist. Und daran arbeiten wir, versuchen einen außerschulischen Lernort dadurch zu erreichen und das gibt dann so gewisse Vorgaben, die man da auch einhalten muss, um diesen Titel zu bekommen. Ja, und das ist die Richtung, wo wir jetzt arbeiten, kooperativ mit der Stadt Bergkamm zusammen und versuchen das jetzt in den nächsten Monaten auch umzusetzen. Also alles das, was wir jetzt noch da gesammelt haben und auch zeigen, muss nochmal neu aufgearbeitet werden und thematisch nochmal neu geordnet und vielleicht auch das eine oder andere digitalisiert werden. Und das, was wie gesagt, wenn wir jetzt irgendwann mal nicht mehr da sind und

Volker Wagner:
[8:37] können persönlich diese Führung machen, dieses aber auch selbsterklärend ist.

Konsolidation

Michael Holtkamp:
[8:42] Ja, und… Arbeitet ihr irgendwie mit dem Bergbauarchiv in Bochum oder dem Bergbaumuseum zusammen? Die machen ja eigentlich genau das.

Volker Wagner:
[8:50] Ja genau, also wie gesagt, wir haben einen Geschichtskreis. Ich habe nicht nur als Bergmann unter Tage gearbeitet, ich war ja auch viel in der Mitbestimmung und im Zuge der Schließung meiner Schachtanlage sind wir dann auch weitergewandert und deswegen bin ich auch irgendwann mal als Bergmann, auf Heinrich Robert gelandet. Was ja eigentlich den Titel ganz zum Schluss hatte, das Großbergwerk Ost, weil es ja durch mehrere Schachtanlagen in der Umgebung, so auch die Berg-Karmener-Schachtanlage, zusammengeschlossen worden ist.

Michael Holtkamp:
[9:22] Berg-Karmener heißt dann auch Haus Aden oder noch eine andere?

Volker Wagner:
[9:25] Ja, aus Aden, Grimmberg, Monopol. Wir waren ja untertägig miteinander verbunden, sogar bis nach Hamm her im Stolensystem. Das heißt also, wenn ich in Hamm angefahren bin, in einem Förderschacht, dann konnte ich dann untertägig bis nach Bercht Hamm laufen, konnte da wieder rausfahren. war einmal ein Vorteil gewesen.

Michael Holtkamp:
[9:46] Hoffentlich nicht nur laufen.

Volker Wagner:
[9:48] Naja, ich sag mal, es waren alte Strecken, da musste man auch viel laufen, die Verbindungsstrecken waren noch so, war eine alte Strecke gewesen und war auch immer vorteilhaft, wenn du auf A2 mal Stau gewesen bist, dann bist du halt unter Tage hingelaufen. Nein, Scherz, ich kann ja das sagen.

Michael Holtkamp:
[10:04] Ich hatte gerade noch, nicht um da jetzt wieder drauf zurückzukommen, aber als du von den gelben Ballons erzählt hattest, von 2010, das war ja wahrscheinlich anlässlich des, was war es, das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt war, 2010. Das habe ich leider verpasst, weil ich da längere Zeit auf Reisen war. Da war ja auch ein Tag, ich glaube ein Sonntag war die A40 ja mal komplett gesperrt vom Autoverkehr. Habe ich leider auch verpasst. Da war ich nicht da. Gut, das heißt, das Bergwerch Ost war tatsächlich ziemlich groß. Also nicht nur die Bergkarmener Zechen, sondern Heinrich Robert.

Volker Wagner:
[10:38] Ja genau, Zeche Werner war ja mit dabei gewesen. Haus Arndt zum Beispiel hatten ja vorher schon einen Verbund gewesen mit der Schachtanlage Viktoria in Lünen. Und die wiederum hatten einen Verbund mit dem Minister Achenbach in Lünen-Brammbau gehabt. Und die hatten wiederum Verbund mit Zeche Gneisenau. Also ich sag mal so, die Dortmunder Zechen sind dann immer weiter nach der Schließung ins östliche Ruhrgebiet gewandert. Wir waren ja, ich sag mal, eine der letzten Schachtanlagen so im östlichen Ruhrgebiet. Und die Belegschaften sind natürlich auch immer mitgewandert. Also zumindest die, die nicht in Anpassung gehen konnten, in einem Vorruhestand, die sind dann eben auf diese anderen Schachtanlagen gelandet. Und genauso nach der Schließung im Jahre 2010 von dem Bergwerker Heinrich Robert, da war ja Produktionseinstellung, sind auch die Belegschaften dann weitergewandelt. Und da gab es ja nichts mehr, außer, ich sag mal, Mahl hier in Auguste Victoria, Mahl und wir auch Prospahanil im Bottrop. Und da sind dann die restlichen Berch-Leute, die da schon gemischt waren mit den Leuten von Haus Aden, Bono, Paul Grimberg und eben auch Heinrich Robert, dann weitergewandert zu den Schachtanlagen und dann eben beendet 2018.

Michael Holtkamp:
[11:56] Ja, ich glaube Auguste Victoria war zusammen mit Prosper Haniel und ich glaube Zeche West in Kamp-Lindfort, das waren glaube ich die letzten drei, die überhaupt noch gefördert haben.

Volker Wagner:
[12:04] Genau, und in Böden waren noch mit dabei gewesen. Antrazit, ne? Ja, Antrazit-Böd hat dann dementsprechend, ich sag mal, bis 2016 da auch noch Förderung gehabt.

Michael Holtkamp:
[12:17] Ich glaube, hier auf Fürst Leopold haben sie zumindest die Förderung schon 2001, oder so eingestellt. Ja. Es gibt auf YouTube Videos von der Sprengung der Kohlenwäsche. Und wenn ich mich nicht vertue, war die dann 2010 oder so. Und vorher war Fürst Leopold, das ist die Zeche, auf der wir uns jetzt befinden, aber als Fürst Leopold hatte die angefangen. Die wurde ja auch irgendwann dann zusammengelegt, erst mit der Zeche Wulfen. Wulfen ist, also es war nicht nur die Zeche Wulfen, sie befand sich auch im Stadtteil Wulfen. Das ist ein nördlicher Stadtteil hier in Dorsten. Und die beiden wurden dann später nochmal mit, ich glaube, Westerholt zusammengelegt zum Bergwerk Lippe. Also es waren dann nur die drei. Es war nicht so groß wie Bergwerk Ost offensichtlich, aber der Verlauf war so ein ähnlicher.

Volker Wagner:
[13:11] Ja, das Schicksal ist immer gleich. Also ich sage mal, wenn man davon spricht, eine andere Schachtanlage im Verbund zu nehmen, dann ist das eigentlich insgeheim immer eine Stilllegung der Schachtanlage. Oder wenn man aus zwei eine Schachtanlage macht, dann fällt eine weg. Die Frage ist ja, was machst du mit der Belegschaft, wie weit die können übernommen werden oder wie weit noch verteilt werden. Und da ist der Bergbau, ich sag mal.

Volker Wagner:
[13:40] Führend, sag ich mal, in der Sozialkompetenz, wie man mit Mitarbeitern heutzutage, ich sag mal, oder damals noch zu unserer Zeit ja umgegeben ist. Das hat ja eine Solidargemeinschaft war das ja und wir haben uns ja selbst getragen. Da ist keiner ins Bergfreie gefallen. Bergfreie fallen, da ist keiner arbeitslos geworden. Also wir haben auch auf Lohn verzichtet, um das Ganze dementsprechend so zu tragen, dass wir auch gemeinschaftlich dann nachher durch diese Kohlekrisen, das waren ja nun mal sterbende Schachtanlagen und das Personal muss ja irgendwo hin. Und durch solche Maßnahmen in Kooperation mit den Betriebsräten und aber auch die IG BCE, also Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie, ist dann, ich sag mal, ja, durch die Personalprozesse dann eben ein gutes Konzept entwickelt worden und aber auch mit Politik, sodass kein Bergmann ist bergfreier gefallen ist. Und das ist eine Leistung zwischen dem Unternehmen, den Bergleuten, der Gewerkschaft. Ich glaube, das ist schon beispielhaft.

Michael Holtkamp:
[14:45] Du musst aber wahrscheinlich auch oft und immer wieder erstritten werden, oder? Weil du sagtest, du warst in der Mitbestimmung.

Volker Wagner:
[14:51] Ja, das war natürlich eine schwierige Zeit. Das war alles nicht so einfach. Ich sage mal, Politiker haben auch gesehen oder, auch gesagt, den Steinkohlenbergbau 2000 und 12 oder 13 oder 14 zu beendigen. Und das hätte dann tatsächlich bedeutet, dass Tausende von Bergleuten außerarbeitslos, geworden wären und einfach ihrem Schicksal überlassen.

Michael Holtkamp:
[15:14] Letztendlich war es dann 2018.

Volker Wagner:
[15:17] Im Endeffekt war es dann 2018 und dafür haben, ich sag mal, die Politik hat dafür gesorgt und damals noch, ich sag mal, sehr stark hier auch für Nordrhein-Westfalen handelige Kraft von den Sozialdemokraten. Aber auch andere Parteien, ob das jetzt CDU und FDP und weiß ja ich noch was ist, das muss ja gemeinschaftlich im Endeffekt ja auch getragen werden. Aber nichtsdestotrotz, da musste man schon da, wer da federführend für die Bergleute im Nordrhein-Westfalen, ich sag mal die Fahne trägt, politisch die Fahne trägt und dann sind wir noch heute, sollte man dafür dankbar sein.

Michael Holtkamp:
[15:56] Gut, aber, wenn mehrere Bergwerke zusammengelegt wurden, also dass sich trotzdem um seine Bergleute kümmern, ist ja das eine. Aber ich stelle mir vor, sagen wir mal, ich bin in einer ähnlichen Situation wie der Deinen. Ich weiß nicht, wo du genau gewohnt hast, aber es gab ja wahrscheinlich Leute, die haben in der Nähe der Schachtanlage Haus Aden gewohnt. Und dann wird die zusammen, oder Haus Aden wird dann stillgelegt und zusammengelegt, also untertäglich zusammengelegt mit zig anderen Zechen und dann muss ich plötzlich, nach Ham fahren zu Heinrich Robert, fahre dort ein und muss dann untertäglich wieder zurück zu der Abbaustelle, wo ich die Wochen, Monate, Jahre vorher schon gearbeitet habe, oder? War das nicht ein riesiger logistischer Aufwand, dann überhaupt zuerst.

Volker Wagner:
[16:51] Ja, also ich 83 zur Schachtanlage Hausagen gekommen bin, also da meine Lehre begonnen ist, bin ich morgens mit dem Fahrrad hingefahren. Ja. Also, kurz mal um Elke. Ja, und das ging irgendwann nicht mehr. Ja, ja, nach der Zechenschließung und der Zusammenlegung nach Heinrich Robert musste ich dann in den Halt Auto fahren. Und anfänglich wurden da auch noch Werksbusse eingesetzt, da konnte man morgens, ich sag mal mittags, aber auch zu den Nachtschichten mit dem Bus hinfahren. Also derjenige, der keinen Führerschein hatte und keine Möglichkeit hatte, anders dann nach Heinrich Robert oder zum Bergwerk Ost hinzukommen, der ist dann über den Werksbus gefahren. Man hat Fahrgemeinschaften gemacht. Man hat es ja abgesprochen. Ich bin ja nicht alleine unter Tage, sondern wir haben ja dann ein Arbeitsdrittel. Also ich sag mal so, da sind zehn Mann dabei und jeder hat, jeder zehn, die aus Bergkram kommen, haben dann Fahrgemeinschaften gemacht und sind dann eben von Bergkram nach Heinrich-Robert. Und genauso wie die Belegschaften dann nachher, nach der Schließung Heinrich-Robert, nach Auguste-Victoria und auch nach Prosperhane gefahren sind. Das heißt, durch Fahrgemeinschaften hat man das dann dementsprechend hinbekommen. Und da hat auch der Betrieb für gesorgt, dass auch die Kumpels, die aus der Stadt Bergkamm kommen, dass die dann auf ein Drittel, also auf eine Schicht gekommen sind, dass die auch in der Lage waren, da Fahrgemeinschaften zu gründen. Und das, ja, ja, das hat was mit Koordination zu tun. Aber das war dem Arbeitgeber nicht egal gewesen, sondern er hat das mitgetragen und hat auch dafür gesorgt, dass es dann funktioniert.

Schichten

Michael Holtkamp:
[18:20] Normalzustand war wahrscheinlich Dreischichtbetrieb, oder?

Volker Wagner:
[18:24] Ja, vier Schichten betrieben, also drei Produktionsschichten und dann die vierte, meistens immer 24-Uhr-Schicht, das war dann die Reparaturschichten, also alles, was die Berchleute in den vier Schichten kaputt gemacht haben, wurde dann, nee, in den drei Schichten kaputt gemacht haben, in Anführungsstrichen kaputt gemacht haben. Also das wurde dann in der vierten Schicht, die nannte man Reparaturschicht und dann in der Nachtschicht dann wieder repariert und aber auch gewartet. Das waren Wartungsschichten gewesen und das dann daher, wenn die Frühschicht angefahren ist, dann auch alles wieder lief und die Produktion dann dementsprechend, den ganzen Tag auch wieder lief.

Michael Holtkamp:
[19:00] Das heißt, die erste Produktionsschicht nach der Reparaturschicht war wahrscheinlich eure Lieblingsschicht. Ja, aber auch ich meine, weil direkt gerade alles repariert wurde. Und dann ist man die erste Schicht direkt danach und funktioniert noch alles?

Volker Wagner:
[19:13] Also da gibt es geteilte Meinungen. Also Frühschichten, hat man früher gesagt, ist eine tolle Schicht, da bist du, ich sage mal, früh auf dem Pütt. Du gehst ja morgens los, fährst mit dem Fahrrad, da liegt, ich sage mal, 90 Prozent von Birchkaben, die liegen ja alle noch im Bett. Und dann ist das fast so wie ein Bäckerberuf. Also man fährt dann zur Frühschicht, dann eben hin, ja, ja, sechs Uhr anfangen, das hört sich ja nur so an. Man musste ja schon um 5 Uhr im Endeffekt und wenn nicht sogar vorher schon um 5 Uhr da sein, weil dieser Weg sich vorzubereiten, überhaupt bis in die Grube fahren zu können, bedarf ja so gewisse Zwischenstationen auf dem Püt. Man musste sich ja vorbereiten, man musste sich umziehen, man musste sich ankleiden, man musste sich den Arbeitsauftrag abholen, man musste in die Lampenstube und musste dann schon dementsprechend, ich sag mal, einiges erlegen. Seine Tee-Pulle mit dem berühmten Zechen-Whisky, also ohne Alkohol, aber den haben wir so genannt, den musste man dann füllen und erst dann ist deine Schicht angefangen. Also alles das, was mit Kleidung, Umziehen und Duschen anschließend zu tun hatte, war rein deine Freizeit.

Michael Holtkamp:
[20:16] Wow. Also wo musste man dann um 6 Uhr beziehungsweise zu Schichtbeginn sein? Am Schacht?

Volker Wagner:
[20:21] Direkt am Schacht.

Michael Holtkamp:
[20:23] Okay. Und trotzdem musste man schon eine Stunde vorher da sein. Und der Ablauf, also was ist dann der Ablauf, du hast ihn jetzt schon zusammengefasst, aber das erste ist die Weißkaue oder wo geht es als erstes?

Volker Wagner:
[20:35] Das erste ist, du kommst durch das Zechentor, sagst du dem Wachmann Glück auf, und dann gehst du in die Weißkau. Das ist die erste Station. Da ziehst du dich tatsächlich komplett nackerlich aus und dann hast du eine Verbindung zu der Schwarzkau hin. Da hängen deine Arbeitssachen, also deine zivilen Sachen, lässt du in der Weißkau. Da hast du auch einen Kauenhaken, wo deine Sachen dann herkommen. Auch deponierst. Und dann gehst du in den Schwarzkau und dann hängen dann eben deine Schwarzsachen dran, also Arbeitskleidung. Und den Kauernhaken musst du runterlassen. Morgens auf der Frühschicht, da ist da ein belebender Bereich. Wenn man heute so für das Leopold in die Kau geht, dann denkt man, das wäre immer so eine Kathedrale. Genauso ist das auch wie auf Heinrich Hobart. Das sind so erhabene Orte, so eine Art Kirche. Aber früher waren das, ich sag mal, da waren 5, 6, 700.000 oder 1.000 Leute in der Kau bei der Frühschicht und die haben sich alle gleichzeitig um. Das war wie ein Ameisenhaufen. Da brauchst du auch keine Morgenszeitung irgendwo zu kaufen, wo du Montagst dort gekommen bist, weil du hast aus jeder Ecke gehört, was in deiner Stadt so am Wochenende los gewesen ist. Das Zeitungsleben brauchst du nicht. Aber das gehört alles mit dazu. Du hast deinen Kauenhaken runtergelassen, hast deine Arbeitssachen angezogen und von da aus bist du dann in die Lampenstube gegangen und hast dann.

Volker Wagner:
[21:56] Dein Geleucht wir sagen ja nicht Lampe, sondern Geleucht und dann anschließend, dein Rettungsfilter, CO-Filter, Kohle- und Monoxidfilter, den hast du dann mit umgetan. Ja, dann bist du zur Steigerstube gegangen und dann hast du einen Arbeitsauftrag geholt, beziehungsweise der Drittelführer für deine Kolonne hat das dann er abgeholt. Und von da aus bist du dann zum T-Automaten gegangen, hast eine T-Pulle gefüllt und von da aus bist du dann zur Markenkontrolle gegangen und hast eine Schicht, angestempelt. Erst dann beginnt deine Arbeitszeit.

Michael Holtkamp:
[22:28] Markenkontrolle heißt die, Fahrmarken hießen die, oder?

Volker Wagner:
[22:31] Ja, ganz früher waren es Fahrmarken gewesen, Einfahrt, Ausfahrt, um zu kontrollieren, wer ist noch in der Grube, wer ist schon rausgekommen nach der Schicht und wenn deine Fahrmarke dann auf dem Fahrmarkenbrett nicht auf Ausfahrt gehangen hat, dann nach acht Stunden, nachdem du deine Arbeit normalerweise erledigt hättest, sollten in der Grube, dann hat man dich auch gesucht.

Michael Holtkamp:
[22:54] Achso, also man nimmt die Fahrmarke nie mit, sondern man hängt sie an den einen oder anderen Haken, um anzuzeigen.

Volker Wagner:
[23:00] Genau, also die Fahrmarke ist ja praktisch eine Personalidentifikationsnummer, das ist deine persönliche Nummer und du hast dann, ich sag mal, deine Fahrmarke, dann gibt es dann zwei Bretter, da ist einmal das Anfahrtsbrett und Ausfahrtsbrett, also das ist jetzt alte Zeit. Und wenn du noch unter Tage fährst, dann nimmst du deine Markennummer oder deine Marke und tust sie auf Anfahrt. Also dann weiß jeder, Jo, Volker Wagner ist jetzt unter Tage und wenn ich rauskomme, dann nehme ich die gleiche Marke nochmal und dann tue ich das auf das Brett Ausfahrt. Und jeder weiß, Jo, Volker ist wieder aus der Hube raus und somit kann man auch kontrollieren, wer ist denn jetzt nicht nach acht Stunden hier aus der Hube herausgekommen und wo ist er, was ist passiert, hat er länger gemacht, ja, dann muss er dann dementsprechend erforscht werden.

Michael Holtkamp:
[23:54] Wurde das laufend kontrolliert oder war das nur der Fall eines Unglückes?

Volker Wagner:
[23:58] Nein, nein, das wurde laufend kontrolliert, ja, so konnte es ja, weiß ich noch was, irgendwie mal, ne, umgeknickt sein, hast ja ein Bein gebrochen oder so und ließ da irgendwo und, ähm.

Michael Holtkamp:
[24:08] Aber ich stelle mir vor, dass man unter Tage nie wirklich alleine ist, ne?

Volker Wagner:
[24:14] Also wenn du in deiner Kolonne bist, dann bist du tatsächlich nicht alleine. Aber es gibt dann Momente, wo du dann nachher vielleicht irgendwo alleine auch Material aus dem hinteren Bereich der Strollensysteme oder von vor Ort holst. Und wenn da irgendwas passieren sollte, dann ist dann eben das Kontrollensystem die Markennummer.

Michael Holtkamp:
[24:36] Und das Geläucht, das du gerade angesprochen hast, ist halt so ein Ding wie das, was hinter mir steht. Siehst du das?

Geleucht

Volker Wagner:
[24:43] Ja, du hast eine Wetterlampe, also eine Benzinlampe. Das war auch ein Geleucht, so vor 100 Jahren, so ungefähr. Und die Besonderheit bei diesem Geleucht, also bei der Wetterlampe ist ja, wir hatten ja auch CH4-Gas unter Tage, Methangas. Also das entsteht ja bei der Entstehung der Kohle, also Zersetzung der Bäume und dann gab es dann in diesem Kohleflözen Methanblasen und, bei der Produktion und beim Abbau der Kohle sind diese Methangasblasen dann auch angestochen worden, logisch, und sind dann freigesetzt.

Michael Holtkamp:
[25:24] Ist CA4 die chemische Formel? Ja, genau. Was ist A? Weißt du das?

Volker Wagner:
[25:29] Nee.

Michael Holtkamp:
[25:30] Okay, muss ich nachgucken.

Volker Wagner:
[25:31] CH4, ne?

Michael Holtkamp:
[25:32] Aha, achso.

Volker Wagner:
[25:33] Ja, CH4. Ja, genau.

Michael Holtkamp:
[25:35] Ah, okay.

Volker Wagner:
[25:35] Ich dachte, A wie… Also Methan, Methangas.

Michael Holtkamp:
[25:38] Okay.

Volker Wagner:
[25:39] Die ersten Gasmelder, die wir unter Tage hatten, Methangas war immer gefürchtet, bei den Bergleuten, weil es war leicht entzündlich. Ich glaube, 1,4 Prozent roherexplosiv. Also es braucht dann nur im Funke zu sein. Und dann hat man die Bude dann, ja, gab es dann eben diese berühmte Schlagwetterexplosion. Und die Anfänge waren, um dieses Gas zu messen, waren ja Kanarienvögel unter Tage gewesen. Also wir haben sie in Holzkäfige getan und haben sie mit einer Untertage genommen. Und dieses Methangas stieg dann nach oben unter die Decke. Berchleute sagen nicht Decke, sondern Fierster dann dazu. Oder im Hangenden wurde der Vogel dann mit seinem Käfig aufgehangen. Und wenn der von der Stange gefallen ist, dann wusste jeder, oh, der ist zu viel Gas in der Bude, jetzt nimm mal schön die Beine in der Hand und wir müssen raus hier.

Volker Wagner:
[26:28] Und vergiss aber den Vogel nicht, weil der war nicht tot, der war nur ohnmächtig. Und wenn wir den unten, um die Ecke, praktisch in dem frischen Wetterbereich, wir haben ja keine Luft unter Tage, sondern wir sprechen vom Wetter und das sind gute Wetter, also frische Luft und das sind schlechte Wetter, meistens Abwetter, aber auch mit Gasinhalt, das sind dann schlechte Wetter. Und dann wurde der Vogel dann im guten Wetterbereich dann eben, ich will nicht sagen, wiederbelebt, sondern dann hat er auch wieder gepfiffen. Und diese Benzinlampe, die du gerade gezeigt hast, ist eigentlich der Nachfolger von diesem Kanarienvogel auch, also nicht nur Licht gespendet, sondern es gab Wetterläute, Die konnten dann aufgrund der Flamme innerhalb dieser Benzinlampe sehen, wie bläulich, wie groß, da gab es auch eine Maßtabelle innerhalb dieses Glases drin, konnte man sehen, wie die, Konzentration.

Volker Wagner:
[27:29] In den Wettern, also in der Luft gewesen ist, wie viel Methangas da beinhaltet war. Und geschulte Leute konnten dann sehen, was zu viel ist, also wieder die Beine in die Hand nehmen oder was noch im Maßbereich ist, sodass man noch weiter arbeiten kann, ohne dass man die Befürchtung hat, eine Schlagwetter-Explosion auszulösen. Ja.

Michael Holtkamp:
[27:49] Und das heißt, so eine Wetterlampe, sagtest du, heißt die.

Volker Wagner:
[27:52] Ne?

Michael Holtkamp:
[27:53] Die ist dann explosionsgeschützt, weil sie, ich bin mir nicht sicher, was das bedeutet oder wie das überhaupt funktioniert, aber genau solche Sachen, also Flammen könnten Schlagwetter auslösen.

Volker Wagner:
[28:05] Könnten CH4 entzünden. Es hat Umfälle mit diesen Lampen gewesen, obwohl die schon sicher ist. Diese Wetterlampen, diese Beziehenlampen, man sagt immer, ist offene Flamme, nee, da ist ein Glas drum und oben ist auch ein gewisser Korb dran, sodass das Grubengas dann dementsprechend Schwierigkeiten hat, da auch in die, Lampe dann so weit einzudringen, dass gerade bei dem Geleucht eine Explosion hätte passieren können. Es sind Umfälle passiert, auch mit der Wetterlampe, klar, da ist auch eine Flamme drin, aber du hast keine andere Möglichkeit gehabt. Also ich sag mal, das war nun mal dein Lichtlein unter Tage.

Michael Holtkamp:
[28:41] Ja, aber ihr hattet, wie nennt ihr dann die Lampen, die ihr auf dem Helm tragt?

Volker Wagner:
[28:49] Das sind Kopflampen.

Michael Holtkamp:
[28:50] Die Kopflampen.

Volker Wagner:
[28:51] Ja.

Michael Holtkamp:
[28:51] Und die waren aber, die sind elektrisch betrieben. Und die wurden in der Lampenstube aufgeladen.

Volker Wagner:
[28:56] Genau. Während ihr nicht auf Schicht wart. Das habt ihr hier noch auf Fürst Leopold, habt ihr ja noch die alten Lampenregale hier. Die haben wir auf Heinrich Robert haben wir die auch. Bei uns im Museum haben wir die auch noch, um das auch nochmal zu zeigen. Nach den Winterlampen gab es dann aber die ersten elektrischen Lampen. Die so 1930 eingesetzt waren, Pottlampen hat man dazu gesagt, also schwere Ausführung.

Volker Wagner:
[29:20] Und die wurden mit, ja heute würde man sagen Akku, wäre aber falsch, es ist eine Batterie, also so wie damals VW Käfer, die also ich sag mal doch mit Batteriesäure befüllt werden und auch mit destilliertem Wasser, und darüber dann in den Zellen geladen werden, sodass dann nachher das Bähnchen auch Licht abgibt. Und das war auch dann nachher bei diesen Kopflampen so gewesen. Man hat die Batterie praktisch an der Hüfte getragen, an den Lampengurt eines Berchmannes.

Volker Wagner:
[29:52] Und die wurde genauso befüllt mit einer gewissen Lauge, Batterielauge, also Säure, und aber auch mit destilliertem Wasser und immer so eine gewisse Menge in drei Kammern-Systemen, so manche Grubenlampen, und wurden dann über die Lampenregale dann dementsprechend geladen. Wir hatten übrigens, ich sag mal, in der Lampenstube war ja ein Lampenmeister, mit seinen Gesellen und der hatte nichts anderes zu tun, als sich um deine Lampe zu kümmern und nicht nur um deine, sondern um die anderen tausend auch. Also der hat das Bähnchen vorne gewechselt, obwohl es noch gar nicht kaputt war. Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, wenn das Bähnchen plötzlich unter Tage kaputt geht. Deswegen nach gewissen Intervallen hat er dann, ich sag mal, das Bähnchen gewechselt, hat deine Batterie kontrolliert, ob die auch noch die Leistung hat, um das dann nachher, ich glaube 12, 13 Stunden nachher, auch, du dann nicht unter Tage hast, obwohl du nur maximal 8 Stunden unter Tage bist, aber immer noch ein Puffer dazwischen ist, falls mal was passieren sollte, dass zumindest, sag mal, du noch ein paar Stunden nicht hast. Ja, und das hat der Lampenmeister mit seinen Lampengesellen gemacht, verantwortungsvolle Aufgabe und da war ich mir auch immer sicher, dass das im Endeffekt funktioniert.

Michael Holtkamp:
[31:09] Also normalerweise hat jeder Bergmann zum einen die Kopflampe und zum anderen das Gleucht. Dabei gehabt, aber…

Volker Wagner:
[31:17] Also die Kopflampe ist ja das Geleucht.

Michael Holtkamp:
[31:19] Ach so, okay.

Volker Wagner:
[31:20] Also die Benzinlampe jetzt nicht mehr und auch nicht mehr die elektrische schwere Pottlampe, von der ich gerade erzählt habe, also zu meiner Seite, aber auch zu meinen Vaters Seiten gab es dann schon diese Batterienlampen, wo wir die Batterie am Lampengürtel getragen haben und die Kopflampe eben vorne im Helm eingerestet haben. Da gibt es ja so eine Vorrichtung, da wurde die dann eingeklickt.

Michael Holtkamp:
[31:41] Ach so, okay. Also der einzelne Bergmann hatte immer nur eines dass von beidem früher, keine Kopflampe.

Volker Wagner:
[31:49] Später eine Kopflampe. Genau, vor der Kopflampe eben dann diese Pottlampe, vor der Pottlampe deine Bezinlampe, die du in der Ecke hast, die wurde dann dementsprechend als Lichtunterteile getragen.

Michael Holtkamp:
[32:03] Aber ich könnte mir vorstellen, dass viele zumindest Streckenabschnitte nicht, beleuchtet waren, aber zumindest Knotenpunkte, wichtige Stellen waren ja wahrscheinlich ohnehin beleuchtet, oder? Sodass man jetzt nicht auf die eigene, aufs eigene Geleucht angewiesen war. Aber wahrscheinlich…

Volker Wagner:
[32:21] Also du warst immer auf dein eigenes Geleucht. Also die Lampe, wenn du unter Tage gefahren bist, hast du die Lampe angemacht und nie wieder ausgemacht. Also erst nach Schicht Ende. Und du hast auch die Verpflichtung gehabt, dann konntest du dir ehrlich die Lampe am leuchten zu lassen. Weil das sind ja, ich sag mal, große Streckensysteme dann nachher und man muss ja auch aus der Ferne erkennen können, dass da ein Kumpel ist. Und das erkennst du dann aus der Ferne immer ganz gut, wenn er sein Lämpchen anhat.

Michael Holtkamp:
[32:51] Ja, macht Sinn.

Volker Wagner:
[32:52] Stimmt.

Michael Holtkamp:
[32:53] Ja, ich… Ja, ich war nie unter Tage. Ich erinnere mich nur einmal daran, ich muss als Kind irgendwo in einem, weiß ich nicht, Museumsbergwerk gewesen sein. Ich weiß nicht, ob es in Bochum war oder in Recklinghausen gibt es ja ein Trainingsbergwerk. Ich weiß nicht, ob man das besuchen konnte in den 90ern oder so. Ich erinnere mich nur daran, dass ich irgendwie mal irgendwo eingefahren bin und in einem Korb drin stand und dann unten halt irgendwie so eine Strecke lang gelaufen bin und so. Ich weiß aber wirklich nicht, wo es war. Es war nicht bei Normalbetrieb oder so.

Bergbau weltweit

Michael Holtkamp:
[33:27] Wo ich aber einmal war, ist, ich war in Bolivien in einem Ort namens Potosí, der befindet sich, am Rand der Salade Uyuni, das ist die weltweit größte oder zweitgrößte Salzwüste, eventuell ist die in Utah, in den USA größer, bin ich mir nicht sicher. Und Potosí ist auch ein Bergbauort. Da wird aber nicht Kohle abgebaut, sondern da wird.

Michael Holtkamp:
[33:56] Zink, Silber und Blei abgebaut. Und die haben da tatsächlich, das ist ja oben in den Anden, da gibt es tatsächlich Berge, nicht so wie hier, wo der an sich nur flaches Land hat, von den Bergehalten mal abgesehen. Das heißt, Da sind wir auch nicht über einen Schacht eingefahren, sondern direkt in den Stollen reingelaufen, weil die eben direkt seitlich in den Berg reingetrieben wurden. Aber ganz anders, als ich mir das hier vorstelle. Ich war jetzt in dem Grubenhelden-Video, das ich mir angeschaut habe mit dir. Da hast du die deutschen Steinkohlebergwerke als die sichersten der Welt bezeichnet. Und sagen wir mal so, das Ding da in Bolivien machte einen etwas anderen Eindruck. Zunächst einmal war es so, also ich bin 1,95 Meter groß und das war, als ich in den Stollen reingelaufen bin. Die ersten, weiß nicht, 20 Meter konnte ich aufrecht stehen. Den Rest musste ich… Teilweise sogar kriechen. Und die treiben das fort, indem sie es sprengen. Und das ist alles Vulkangestein. Und das heißt, eine Strecke oder der Stollen, der verläuft auch nicht einfach gerade und hat eben auch keine konstante Höhe oder so, sondern er geht dann kreuz und quer, je nachdem, was die Sprengung da, erzeugt hat. Und.

Michael Holtkamp:
[35:25] Da war es auch nicht beleuchtet und die Luft war da unheimlich schlecht. Also es war wirklich schlecht. Da liefen halt Kabel rein, also kreuz und quer und eben so, ich nehme an, Belüftungsschläuche. Aber zu atmen war da wirklich beschwerlich. Und die Bergleute dort werden wohl auch nicht alt. Einfach, weil sie immer Probleme mit der Lunge bekommen. Und ich war da noch am 1. Mai. Ich weiß das deshalb, weil der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ist mein Geburtstag. Das war mein 26. Geburtstag. Und das ist in Bolivien der eine Tag im Jahr, an dem dort fast nichts los ist. Selbst an Sonntagen und so wird da gearbeitet, aber am 1. Mai fast gar nicht. Also wir sind wirklich nur zwei Bergleuten begegnet. Das heißt, ich vermute mal, dass an einem normalen Tag die Luft da noch viel schlechter ist. Es wirkt so lehmig und das liegt in der Luft und das ist wirklich unangenehm.

Volker Wagner:
[36:37] Also… Ich will nicht sagen, bei uns so ähnlich, aber auch wir, wenn wir den Erdkern immer näher gekommen sind, gerade im Steinkohlenbergbau, haben wir dann teilweise Gebirgstemperaturen von 50 Grad gehabt. Die mussten wir runterkühlen mit Kühlmaschinen, und.

Volker Wagner:
[37:02] Das war manchmal nicht schön gewesen, aufgrund dessen, weil wir auch gleichzeitig, eine Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 Prozent hatten, also wie in der Tropen. Und vor Ort haben viele Kumpels noch nicht mal, ich sag mal, in ihren Arbeitszeug, sondern nur in Unterhose und Schweißhänden dementsprechend gearbeitet. Das war aber auch, ich sag mal, Ja, der Arbeit so ist das dementsprechend so gewachsen und auch gerade so in der alten Zeit. Und das hat sich dann nachher auch dementsprechend geändert, indem wir da auch Kühlmaschinen eingesetzt haben. Aber nichtsdestotrotz war das ja auch keine Schokoladenfabrik. Klar kann ich sagen, dass ich und mein Vater auf den sichersten Bergwerken dieser Welt gearbeitet haben. Und das sage ich heute auch so. Und das war auch dich selbstverständlich gewesen, weil es gab tatsächlich eine Zeit, da sind der Bergleute nicht älter wie 40 Jahre geworden. Und das auch hier im Ruhrgebiet. Und da zählte zu dieser alten Zeit eben.

Volker Wagner:
[38:13] Zunächst die Produktion und dann erst der Mensch. Und zu meiner Zeit, so meiner Vaters Seite, war es dann schon, aber auch schon umgedreht. Dann zählte zunächst der Mensch und dann die Produktion. Und deswegen habe ich ja anfänglich auch schon gesagt, wie wichtig eigentlich die Montanmitbestimmung der Betriebsrat und die Gewerkschaft für uns gewesen ist, die dafür gesorgt haben, dass die Bergwerke im Endeffekt ja auch sicherer geworden sind. Dass außerdem die Rohrkohle- und Stahlbarone ja dementsprechend dafür Sorge tragen mussten, dass ich und mein Vater wieder heil aus Europa herauskommen, indem er die Sicherheitskonzepte dann aber auch umgesetzt hat. Und das hat sich durch das ganze Ruhrgebiet hat sich das dementsprechend gezogen und jede Schachtanlage war nachher sicherheitstechnisch auch so aufgestellt. Und, Da bin ich recht froh drüber, dass wir alle wieder heil aus der Ruhe herausgekommen sind. Aber es gibt natürlich auch Länder heute, die haben noch nicht mal die Sicherheitsstandard, die wir hier 2018 zum Schluss hatten. Und wenn es Länder gibt, wie zum Beispiel China, die immer noch, 5000 Tote in ihrer Budgetplanung mit einplanen, obwohl die noch gar nicht tot sind, aber dementsprechend so schlechte Sicherheitsmaßnahmen haben, dass sie damit rechnen, dass dann 5000 Bergleute ihr Leben lassen.

Michael Holtkamp:
[39:33] Ich glaube, es gab vor vielleicht zwei Wochen oder so erst ein Unglück mit so 83 Toten.

Volker Wagner:
[39:38] Genau, knapp 100 Toten. Dann auch wieder Schlagwetterexplosion dort gewesen, keine Sicherheitskonzepte dann dementsprechend eingehalten und dann lasst nur Kohlen kommen raus und der Mensch erzählte überhaupt gar nichts. Das hat uns auch im Endeffekt, ja, ich will nicht sagen das Genick gebrochen hier in Deutschland, weil eben halt unsere Kohle durch diese Maßnahmen ja auch ein bisschen teurer gewesen ist als im Endeffekt auf dem Weltmarkt. Du konntest das anbieten. Am Rotterdam konntest du dann nachher die Steinkohle bis zur Hälfte des Preises kaufen, wie wir sie produziert haben. Aber ich sage mal, die Frage ist, zu welchem Preis? Und da haben wir Bergleute, argumentativ auch gesagt, wir tun immer eine auf Moralapostel und.

Volker Wagner:
[40:22] Verschließen dann die Augen und kaufen die Kohlen am Weltmarkt günstig ein und verstromen die dann anschließend in unseren Kraftwerken. Aber wir Bergleute haben damals schon gesagt, das ist moralisch nicht in Ordnung. Das ist Blutkohle, was ihr da kauft. Weil da hängen ja Menschenleben dran, gerade aus diesen Ländern, die die Sicherheitskonzepte nicht umgesetzt haben und das auch nicht wollten, um, das Produkt Kohle so weit günstig zu halten, um das dementsprechend hier auch zu vermarkten. Und da konnte man nicht mehr mit konkurrieren. Und das war mit Sicherheit auch ein Grund, obwohl die 1,2 Milliarden, die wir als Subvention gekriegt haben für 200.000 Bergleute und, was Nordrhein-Westfalen im Endeffekt davon profitiert hat, was Deutschland davon profitiert hat, gerade in den Wirtschaftswunder, das ist durch Kohle und Stahl entstanden nach dem Krieg. Also ich sage mal, die Säulen des Wohlstandes, wo wir uns heute noch alle drauf ausruhen konnten, die ist durch Kohle und Stahl entstanden.

Michael Holtkamp:
[41:34] 1,2 Milliarden waren die Akkumulierten?

Volker Wagner:
[41:38] D-Mark, also nicht für die Euro, der D-Mark. Das war so ungefähr, ich sage mal, was die Schachtanlagen zusätzlich noch an Subventionen brauchen, um im Endeffekt, ich sage mal, die Kohle dann dementsprechend in Deutschland zu unterstützen.

Michael Holtkamp:
[41:54] War das damals pro Jahr oder nur um den Betrag?

Volker Wagner:
[41:57] Pro Jahr, pro Jahr. Für 200, 300, 400.000 Arbeitsplätze. Also wir hatten ja zu Glanzzeiten, haben wir ja in Deutschland 500, 600.000 Bergläute gehabt in Nordrhein-Westfalen. Und das sollte man nicht vergessen. Also allein schon die Zulieferindustrie, die davon profitiert hat. Die Städte, die dadurch gewachsen sind. Also ich sage mal so, ich komme aus Bergkram. Vorher waren da vier Bauernwürfe gewesen.

Michael Holtkamp:
[42:21] Und auch die Kunden, also Stahlindustrie etc.

Volker Wagner:
[42:23] Ja, sowas.

Michael Holtkamp:
[42:26] Ich hatte da tatsächlich vor ein paar Monaten mal mit Andreas drüber gesprochen und ich hatte genau das, was du gerade gesagt hast, eben auch gesagt. Also aus staatlicher oder gesamtwirtschaftlicher, aus volkswirtschaftlicher Sicht, also zu sagen, wir brauchen all diese Sicherheitsstandards für unsere Bergleute, das macht dann die Kohle aber teurer und deswegen subventionieren wir es dann andererseits, macht ja erstmal Sinn, aber dann zu sagen, wir können uns das jetzt nicht mehr leisten, weil Importkohle ist so viel günstiger. Also genau was du sagtest, ist heuchlerisch, wenn diese Importkohle in erster Linie deswegen günstiger ist, weil die Sicherheitsstandards dort, wo die Kohle herkommt, so viel geringer sind als hier.

Volker Wagner:
[43:15] Korrekt.

Michael Holtkamp:
[43:15] Was ja, glaube ich, nicht der einzige Grund ist. Also auch, dass die Kohle hier auf so einer, also zum Beispiel in Australien zum Beispiel, gibt es Abbaugebiete, wo die Kohle nicht ernährend so tief liegt wie hier.

Michael Holtkamp:
[43:28] Vor allem hier im nördlichen Ruhrgebiet liegt sie ja noch tiefer als im südlichen Ruhrgebiet, zum Beispiel in Witten oder Essen oder so. Aber das macht es natürlich auch teurer. Aber kennst du die, in Nordschweden gibt es eine Bergbaustadt namens Kiruna. Die hat so ungefähr 18.000 Einwohner. Ich habe mal ein Jahr lang in Schweden studiert. Das war allerdings in Jönköping in Südschweden. Und dann war ich Mitte Dezember eine Woche lang mit zig anderen Studenten auf einer Reise hoch nach Kiruna. Und das Bergwerk dort, das ist dann natürlich sehr dünn besiedelt alles. Kiruna ist weit und breit die größte Stadt mit 18.000 Einwohnern. Und diese Stadt existiert in erster Linie deshalb, weil es dort ein Erzbergwerk gibt. Und Schweden ist ja auch, ähnlich wie Deutschland, ein Land mit hohen Löhnen. Und somit ist Bergbau dort auch teurer als anderswo. Der Grund und ein Großteil des Eisenerzes, das in Europa verbaut wird, stammt wohl aus dieser einen Mine. Ja. Der Grund, warum die profitabel operieren können, ich weiß nicht, ob die vielleicht subventioniert werden.

Michael Holtkamp:
[44:49] Die Details kenne ich nicht, aber die haben einen entscheidenden Vorteil und das ist, dass das Eisenerz dort viel reiner ist, also von höherer Qualität als sonst irgendwo auf der Welt. Und die müssen natürlich an so einem abgelegenen Standort ihren Ingenieuren etc., Bergleuten viel, viel Geld zahlen, dass die, wenn die nicht von dort kommen, bereit sind, dort hinzuziehen, vor allem, wenn sie noch jung sind.

Volker Wagner:
[45:16] Ja, vor allem, weil es ja im Winter immer dunkel ist und Sommer immer hell ist. Ich war tatsächlich schon mal da. Ich war, ich will nicht sagen, in der Nachbarstadt, aber in Jelleware.

Michael Holtkamp:
[45:30] Wo das Eishotel steht, ne?

Volker Wagner:
[45:31] Ja.

Michael Holtkamp:
[45:33] Warst du da drin?

Volker Wagner:
[45:34] Genau, nee. Früher mal, die Zechen haben für Jugendlichen Feo, hieß das. Also das war so eine Freizeitorganisation. Da konnte man, ich sag mal, günstig Urlaub machen. Das wurde zur Hälfte bezahlt von der Gewerkschaft und die andere Hälfte. Oder das hat man durch drei geteilt. Also ich habe einen persönlichen Anteil, habe ich gezahlt von meinem Ausbildungsgeld. Dann hat die Gewerkschaft was dabei getan und das Unternehmen. Und dann konnte man im Skiurlaub fahren im Winter und im Sommer konnte man im Sommerurlaub fahren. Und die einen sind nach Italien gefahren und ich bin tatsächlich, ich sag mal, nach Jelleware dann gefahren und dann haben wir dann… Ach so.

Michael Holtkamp:
[46:12] Im Sommer?

Volker Wagner:
[46:13] Im Sommer. Ah, okay. Gut, da gibt es kein Reishotel. Also immer hell und haben dann, ich sag mal, an so einem See gelebt, also ich sag mal, ja, kein fließendes Wasser, da mussten wir aus dem Wald raus, aus natürlichen Quellen und haben dann dementsprechend unseren Urlaub dann gemacht. Auch das hat die Zeche organisiert, ja, mit Gewerkschaften da zusammen, haben sich um die Jugendlichen gekümmert, ja.

Michael Holtkamp:
[46:39] Okay. Cool. Ja, ich, wir, also, wir konnten tatsächlich damals das Eishotel besichtigen. Das war noch nicht eröffnet worden. Die müssen das ja jedes Jahr wieder neu aufbauen, weil es ja im Frühling und Sommer dann wegschmiert.

Volker Wagner:
[46:53] Ach so, da hatte ich gerade Verkehr verstanden. Ja, ob ich das schon mal in einem Hotel, nee, das habe ich nie gesehen, weil ich im Endeffekt immer im Sommer da gewesen bin. War schon weggeschmolzen.

Michael Holtkamp:
[47:01] Ja, genau. Ja, da gibt es das nicht. Aber wir waren im Dezember, ist es tatsächlich so, dass sie noch dabei sind, das zu bauen und wir konnten da tatsächlich mal rein. Es ist interessant, dass sich das lohnt und Leute da gut für eine Nacht, um es mal zu erleben, aber ist ungewöhnlich.

Volker Wagner:
[47:18] Ist mal ein Abenteuer, oder?

Michael Holtkamp:
[47:20] Ja, das auf jeden Fall.

Volker Wagner:
[47:21] Aber so ist der Unterschied zwischen den Gruben weltweit, die Grubensicherheitsstandards, die wir hier zum Schluss, ich sag mal, gerade in Deutschland hatten.

Referenzbergbau

Volker Wagner:
[47:31] Aber auch als Energieträger. Ich denke mal, wir haben uns 2018, haben wir uns ehrenvoll aus dem Steinkohlenbergbau hier wie Bergleute verabschiedet. Wir waren immer ein sicherer Energieträger gewesen bzw. Haben dafür gesorgt, dass Energie in ausreichender Menge hier in Deutschland, aus der Grube gekommen sind und die dann daher auch anschließend verstromt worden ist. Und viele Haushalte haben dann, ich sag mal, ihre Wohnungen dann mitgeheizt und viele Städte, so wie Gelsenkirchen, Dortmund, Bergkamp, Essen, die, ich sag mal, davon weitaus profitiert haben, kamen aus der Kohle heraus. Und ich hätte mich, oder nicht nur ich, hätte mir damals gewünscht, da in den 90er Jahren, wo das Zechensterben begann, nicht alle Schachtanlagen zu schließen, sondern dass das zumindest für unsere eigene Energiesicherheit hier drei Referenzbergwerke aufgelassen hätten und, zur Not auch subventioniert, wenn es dann wäre so, dass, der Weltmarkt in Deutschland nicht die Energiepreise diktiert. Das sehen wir heute. Wenn wir drauf gucken auf deine Stromrechnung, Da sind wir da auch Spitzenzahler. Wir zahlen nicht so weit für Strom unwahrscheinlich viel Geld.

Michael Holtkamp:
[48:57] Ich wohne seit ein paar Jahren auch noch in einer Wohnung mit einem Durchlauf-Eherhitzer.

Volker Wagner:
[49:00] Ja, Katastrophe.

Michael Holtkamp:
[49:04] 74 Euro Abschlag, sage ich zur Zeit.

Volker Wagner:
[49:06] Und ja, Dass wir uns irgendwann davon, von den Klimazielen, von den fossilen Energieträgern verabschieden müssen, ist selbst mir als Bergmann klar. Die Frage ist ja, zu welchem Zeitpunkt wir das gemacht hätten. Und wir haben damals davor gewarnt, auch von dem russischen Gas davor gewarnt, Lasst euch dann dementsprechend nicht beirren. Wenn sie Zahlungsmoral der Deutschland in Deutschland den einen oder anderen auf dieser Welt nicht gefällt und so auch den Russen, dann drehen die an den Gashahn, und machen erst dann wieder auf, wenn wir bereit sind, seinen Preis zu zahlen, den er auch verlangt. Und da wäre ein Referenzweltbau, ich sag mal, für uns, denke ich mal, zum Vorteil gewesen, obwohl unsere Kohlekraftwerke heute noch bis 2030, 2035 laufen müssen, um unsere eigenen Energiekapazitäten zu erreichen. Und das hätten wir ruhig auch mit deutscher Kohle machen können.

Michael Holtkamp:
[50:10] Ja, und jetzt ist es 100 Prozent Importkohle.

Volker Wagner:
[50:13] Ja, klar.

Michael Holtkamp:
[50:16] Und aber, das heißt, die Vorkommen, die Kohlevorkommen sind hier im Ruhrgebiet, noch längst nicht erschöpft.

Volker Wagner:
[50:25] Nö. Das heißt, man hätte noch… Die sind tatsächlich auch bewiesen und hochgerechnet, also wir hätten noch ein Vorkommen hier für die nächsten 400 Jahre.

Michael Holtkamp:
[50:33] Wow.

Volker Wagner:
[50:34] Ab heute.

Michael Holtkamp:
[50:35] Wow. Okay. Wenn man, okay, also der, gut ist jetzt, kommt jetzt darauf an, wie man rechnet, aber Steinkohlenbergbau, zumindest im industriellen Sinne, gab es ja, was würdest du sagen, 150 Jahre, bis 2018.

Volker Wagner:
[50:49] Ja, wenn man, ja.

Michael Holtkamp:
[50:51] Ab so Mitte 19. Jahrhundert.

Volker Wagner:
[50:52] Genau.

Michael Holtkamp:
[50:53] Ja, also sagen wir mal so ungefähr anderthalb Jahrhunderte.

Volker Wagner:
[50:56] Ja.

Michael Holtkamp:
[50:57] Ja, und man könnte noch, also wenn ich dich richtig verstehe, deinen Vorschlag mit den Referenzbergwerken, ein, zwei oder drei Stück. Die würden ja nicht annähernd die Menge fördern, die zum Beispiel in den 50er oder 60er Jahren gefördert wurden.

Volker Wagner:
[51:12] Nein, also wir haben Vorräte für 400 Jahre. Ob das jetzt auf drei oder fünf oder sechs Schachtanlagehochgeräte ist, das hängt was von der Produktion an. Ich weiß nicht, welches Produktionsziel zu der Rechnerei dabei getragen hat, um 400 Jahre zu erreichen. Also wie viel Tonnage pro Jahr rausgeholt wird, um 400 Jahre dann nachher kontinuierlich, Kohle hier zu fördern, kann ich dir so nicht sagen. Aber das waren Schlagpunkte damals schon aus den 90er Jahren gewesen, dass wir Energievorräte noch für die nächsten 400 Jahre haben. Und das ist das Einzige, was wir nun mal auch haben hier im Durchschnitt, das Energievorrat hat. Ein bisschen Öl und ein bisschen Gas, was wir selber fördern, das ist eigentlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Volker Wagner:
[51:53] Was wir haben, ist ein sicherer Energieträger Steinkohle.

Ewigkeitsaufgabe Grubenwasser

Michael Holtkamp:
[51:59] Das Museumsbergwerk, was ich gerade erwähnt hatte, also das Bergbaumuseum in Bochum hat ja glaube ich eins oder das Trainingsbergwerk, die haben ja wahrscheinlich keine Sohle auf 1000 Meter oder so, geht wahrscheinlich ja auch gar nicht mehr, weil das Grubenwasser ja inzwischen angestiegen sein müsste. Weißt du, wie weit das schon ist? Oder weißt du, auf welcher Tiefe es jetzt noch gehalten wird? Weil wenn ich es richtig verstehe, Dann war halt nach Ende des Bergbaus, musste man ja nicht mehr alles trocken halten. Also wir haben ja trotzdem diese Ewigkeitsaufgaben. Ich glaube, es sind drei Stück. Das eine davon ist die Wasserhaltung. Also es muss eben dafür gesorgt werden. Es muss, permanent Grubenwasser weiterhin und in alle Ewigkeit abgepumpt werden. Wenn man das nicht tun würde, würden Teile des Ruhrgebiets zu einer Seenlandschaft werden. Aber weißt du, wie weit das schon ist? Weißt du, wie weit das Grubenwasser jetzt schon angestiegen ist?

Volker Wagner:
[52:59] Grubenwasser ist kontinuierlich immer gepumpt worden von allen Schachtanlagen. Man musste die Gruben ja trocken halten. Also Grubenwasser ist ja nichts anderes als Grundwasser, was dann unten in die, oder Regenwasser, was dann nachher in die Stollensysteme durch das Gebirge absickert und dann unten irgendwann mal eine Grube landet. Und damit wir Bergleute später dann, dass die Gruben dann nicht volllaufen oder wir absaufen, muss dann das Kontinente nicht gepumpt werden. Und dann hat man meistens immer die naheliegenden Flüsse dafür genommen und dann ist das Wasser dort reingepumpt worden.

Volker Wagner:
[53:32] Die Aufgabe jetzt in der Zukunft ist, nach Beendigung des deutschen Steinkohlenbergbaus, werden die Gruben jetzt momentan durch dieses Grundwasser volllaufen gelassen. Wir sind tatsächlich in Bergkern eine Annahmestelle dieses Grubenwassers. Ich habe da ja gerade schon gesagt, wie weit wir unter Tage mit den ein oder anderen Schachtanlagen ja miteinander verflochten sind in einem Steuernsystem. Und man hat dann schon nach Beendigung der einzelnen Zechen, wenn die geschlossen worden sind, diese Stollensysteme dann nachher so weit miteinander verbunden, dass wir eine Fließrichtung hinbekommen. Einfach, ich sag mal, in Bergkamen sind wir ein Hebelstandort jetzt für die Ewigkeit dieses Grubenwassers. Und das kommt einmal aus dem Dortmunder Bereich, von den Schachtanlagen, ich sag sie mal, Gneisenau, Minister Achenbach, Hansa, und die kommen dann nachher, ich sag mal, in einem Gefälle bis nach Hausaden hin. Und die andere Seite sind die Schachtanlagen dann…

Michael Holtkamp:
[54:36] Untertage jetzt noch.

Volker Wagner:
[54:37] Untertage, Untertage. Also das Grubenwasser sickert ja überall in die Erde rein und überall kommt es ja irgendwo im Endeffekt, ich sag mal, in diesen Stollen an, aber wir sind unter Tage mit verbunden.

Michael Holtkamp:
[54:48] Und dass Bergkarm ein, wie hast du das genannt, Hebepunkt ist, bedeutet, dass es dort dann hochgepumpt wird?

Volker Wagner:
[54:53] Von da aus werden dann, ich sag mal, die Grubenwässer von den, Schachtanlagen, die ich gerade genannt habe, dann ich sag mal, dort gehoben und das andere Wasser kommt dann aus dem östlichen Ruhrgebiet, also aus dem Hammerbereich, Sachsen, Heinrich Robert, Radpott, also die da gewesen sind, Maximilian, und da kommt das Grubenwasser von der Seite an. So, und jetzt geht es darum, ich sage mal, ein richtiges Mischungsverhältnis zu finden. Da werden Grubenwässer kontinuierlich beprobt, also wie ist die Konsistenz. Und wir haben im östlichen Bereich salzhaltige Schichten, was nicht so toll ist für die Flora und Fauna der Flüsse. Und wir haben aus dem Bereich Dortmunder eigentlich gutes Grubenwasser, also weniger salzhaltig belastet.

Michael Holtkamp:
[55:50] Die Salzschicht führt dazu, dass das Regenwasser etc. beim, Versickern durch eine Salzschicht durch muss und dadurch salzig wird.

Volker Wagner:
[56:00] Durch das Gebirge praktisch durchgeht und löst dann natürlich die Salze innerhalb dieses Gebirges, innerhalb des Gesteins. Und dann gibt es dann Gebiete, die sind salzhaltiger als andere Gebiete. Die haben weniger Salz drin. So, und jetzt gilt es darüber, das richtige Mischungsverhältnis hinzubekommen, dass Flüsse so wenig wie möglich belastet werden. Und dann denke ich mal, ja, bin ich mir sogar sicher, hat die Rohkohle Aktiengesellschaft da mit Kooperation der RG Stiftung, die ja für die Ewigkeitslasten dafür zuständig sind und dieses ja auch finanzieren müssen. Ein gutes Pumpenkonzept, um dann ein richtiges Mischungsverhältnis hinzukommen von diesem salzhaltigen oder etwas mehr angereicherten Salzwasser und dem weniger angereicherten Salzwasser, dann ein Mischungsverhältnis hinzubekommen, was dann nachher für die Flüsse verträglich wäre. Also da gibt es Vorgaben für von Umweltministerien, von Bergämtern und weiß halt ich noch was alles. Die sind ja alle dann irgendwo mit dem Adlerauge dann dabei. Aber ich bin mir sicher, dass das so gelingt. Ziel ist es, dass man das Grubenwasser nicht mit den Trinkwasserschichten in Berührung lassen kommen darf.

Volker Wagner:
[57:19] Und da ist jetzt auf Hausaden das Optimale dann dafür, um das besagte Mischungsverhältnis, was ich gerade genannt habe, ja auch hinzubekommen. Salzhaltiges Wasser ist auch schwerer wie nicht so salzhaltiges Wasser. Und somit, umso höher man im Endeffekt dieses Wasser anpumpt, umso weniger salzhaltiger ist das dann aber auch.

Volker Wagner:
[57:43] Dann hat man die Chance, klares Wasser, aber auch das eine oder andere belastende, was in dem Grumwasser dann noch mit drin ist, dann auch mehr unten zu lassen, als da oben mit anzupumpen.

Michael Holtkamp:
[57:59] Wenn man aber nur oben abpumpt, also das weniger salzhaltige Wasser, dann wird es ja insgesamt immer salziger durch weiter nachfließendes Wasser, wenn das immer weiter durch die Salzschichten…

Volker Wagner:
[58:08] Ja, aber irgendwann, ich weiß nicht wann diese Periode dauert, aber irgendwann wirst du dann auch nur noch gutes Wasser im Endeffekt pumpen. Dann ist auch die salzhaltige Konzentration dann nachher mit den Jahren dann auch, wird dann nachher geringer. Das vermutet man. Und das ist genauso, wie in der Badewanne zu Hause. Oben hast du frisches Wasser und wenn du ein Stöpsel rausziehst, dann ist der Dreck dann meistens immer ganz unten in der Wanderung und nicht oben. Ja, stimmt. War einfach so erklärt. Ja, und das Grobenwasser darf also nicht mit den Trinkwasserschichten hier halten, aber reicht. Da darf das nicht in Berührung kommen und deswegen ist da das Ziel, auf 380 Meter das Wasser zu heben, also mit Hochleistungspumpen dann nachher zu pumpen. Und ich glaube, jetzt momentan steht die Wassersäule bei 600 Meter.

Michael Holtkamp:
[59:08] Wow. Das heißt, früher, Also zu Zeiten des Bergbaus musste ja bei was 1200 oder was gestanden haben. Ich weiß nicht, was die tiefsten Sohlen waren. Aber da ist also schon viel abgelehnt.

Volker Wagner:
[59:24] Also wir haben Schachtanlagen gehabt, wo Monopol da unten Mausegatte überreicht, die waren bei 1400.

Michael Holtkamp:
[59:29] 1500 Meter. Oh, wow.

Volker Wagner:
[59:31] Ja, also die tiefsten Schachtanlagen. Grimberg 3, 4, dann auch ziemlich tief mit ihren Schächten.

Michael Holtkamp:
[59:37] Ich glaube, hier für das Leopold waren es nur 800. Ich dachte immer, dass es ein bisschen tiefer gewesen wäre. aber ich glaube, die unterste Sohle war 800. Ja, Wahnsinn, wie…

Volker Wagner:
[59:47] Also waren wir auch mal. Es gibt da mehrere Sohlen und mehrere Schichten, die dann nachher von gerade alten Schachtanlagen ja auch angefahren worden sind. Man fängt mit der ersten Sohle an. Und wenn die dann dementsprechend, ich sage mal, abgeerntet ist, dann fängt man mit der zweiten Sohle an. Umso geht das immer so weiter und dann aber auch immer tiefer.

Michael Holtkamp:
[1:00:06] Heißt das, wenn wir jetzt bei ungefähr 600 Meter, hattest du, glaube ich, gesagt, sind, Und bedeutet das, jetzt ist es auch zu spät. Also wenn jetzt irgendjemand auf die Idee kommen würde, rein hypothetisch, wir finden die Idee mit dem Referenzbergwerk oder den drei Referenzbergwerken gut. Wir haben uns umentschieden. Jetzt kann man ja nicht einfach so viel abpumpen, dass man das unter Tage alles wieder trocken legt und das dann wieder aufmachen kann. Das ist jetzt zu spät, oder?

Volker Wagner:
[1:00:38] Ja, ist vorbei. Also ich sage mal so, ein Bergwerk ist kein Kiosk. Das heißt, wenn du den einmal zugemacht hast und am nächsten Tag machst du eine Rolle hin und hoch, dann kann die Produktion wieder weiterlaufen. Das funktioniert beim Bergbau nicht. Wenn die Schachtanlage einmal zugemacht worden ist und das Grubenwasser ist, darf man dann dementsprechend angestiegen. Die ganze Logistik und alles, was dazugehört, um ein Bergwerk zu betreiben, ist dann aus der Grobe herausgekommen und dann ist das vorbei. Da kannst du nur irgendwo wieder ein neues bauen. Also ein altes Bergwerk zu aktivieren, halte ich für unmöglich.

Bergbauprojekt Donar

Volker Wagner:
[1:01:16] Wir haben tatsächlich noch, ich weiß gar nicht, ob ich das so sagen darf, so ein Reservebergwerk in Drehnsteinfurt, also hinten bei Hamm, das Bergwerk Donau.

Michael Holtkamp:
[1:01:27] Ich glaube, das hatte auch Andreas letztens erwähnt. Er sagte, da könnte man noch einfahren, was ich nicht wusste.

Volker Wagner:
[1:01:35] Naja, also zumindest steht das Schacht dann noch, sieht zwar nicht wie ein Schacht aus jetzt, weil da oben die Förderräder glaube ich fehlen und da sitzt jetzt momentan von Künstlern aufgesetzt worden, so eine Krone mit drauf, aber da unten ist, ich sag mal, eine Hauptstrecke ist dann dementsprechend aufgefahren, ich weiß nicht wie viele Kilometer, also Hauptstrecke und von da aus gehen die einzelnen anderen Strecken dann herab. Man plant so ungefähr, wenn du ein neues Bergwerk bauen willst, von dem ersten Spatenstich, wir sprechen ja von Täufung, also immer wenn ein Bergmann ein Loch in der Erde buddelt, dann sprechen wir von Täufung und wenn du einen Schacht täufst, das dauert, ich sag mal, mit Sicherheit einiges, bis dann von bezahllichen Aufwand, bis er fertig ist. Und bis die ganze Schachtanlage dann her von der Logistik mit Anschließung des Schienensystems, aber auch unter Tage dann nachher mit den ganzen Bändern und aber auch die Schienen unter Tage und die ganzen Stollen, bis man dann nachher, direkt vor Kohle ist, also bis die erste Kohle rauskommt, dauert es meistens sieben Jahre. Ein Bergwerk.

Michael Holtkamp:
[1:02:36] Das ist eine große Investition. Das ist also nur, um das vielleicht kurz einmal, also die Terminologie ist, also ein Schacht, Weil du gerade sagst, wenn ein Schacht abgetäuft wird, das ist also ein Schacht, das ist ein vertikaler Grubenbau, der so von der Erdoberfläche senkrecht in den Boden getrieben wird. Strecken sind horizontale Grubenbauten, aber mit keiner direkten Verbindung, zur Erdoberfläche, während ein Stollen auch horizontal verläuft, aber eine direkte Verbindung zur Erdoberfläche hat, weil er irgendwie seitlich in den Berg reingetrieben wird. Also im, Wesentlichen.

Volker Wagner:
[1:03:24] Wir haben Blindschächte unter Tage. Das heißt, ich sag mal, die haben keine Tagesverbindung, sondern die verbinden einfach nur die, ich sag’s mal, die erste Sohle mit der zweiten Sohle. Die fängt bei 400 Meter an und verbindet dann die Sohle zur 500 Meter Sohle, also die dritte Sohle. Und da gibt es dann zwischendurch dann Blindschächte, sagen wir dazu, wo man dann diese Sohlen dann durch diese Blindschächte dann, ich sag mal, befahren kann. Also in den Zwischenbereichen. Einmal durch den Hauptschacht, erste, zweite, dritte, vierte, fünfte Sohle kann der Hauptschacht, aber ich sag mal, nach fünf Kilometern gibt es diese Blindschächte, wo du dann nochmal, ich sag mal, von da aus dann nochmal die Sohlen wechseln kannst, wo auch Material transportiert wird.

Michael Holtkamp:
[1:04:08] Wie wären bei normalen Blindschächten, also wenn man hier durchs Ruhrgebiet fährt, sieht man ja immer noch ein paar Fördergerüste. Na Gott sei Dank. Aber ich meine, die standen ja praktisch über den Schächten. Das war sozusagen das obere Ende von einem großen Aufzug. Genau. Aber bei Blindschächten muss man das irgendwie anders gemacht haben. Also trotzdem dann ohne Verbindung zur Tagesoberfläche da irgendwie so vertikal.

Volker Wagner:
[1:04:36] Genau, wurde dann auch wieder getäuft, bis man dann von der dritten, die vierte Sohle erreicht hat. Und dann hat man da genau so, ich sag mal, ich bin nicht in Schacht gerüst, aber dann unter Tage eine Maschine eingebaut, eine Fördermaschine eingebaut, die dann dementsprechend die beiden Personen dann bedient hat. Darüber wurden genauso Leute transportiert, wie aber auch Material transportiert. Die hatten zwar nicht die Dimension und den Durchmesser eines Hauptschachtes, so wie wir sie heute in Nordrhein-Westfalen überall sehen, die waren weitaus kleinerer, aber erfüllten den gleichen Zweck wie auch einem Hauptschacht. Das war nicht in der Dimension, aber ich sage mal für Produktion und auch gleichzeitig, ich sage mal, um die Leute dann daher auch unterzubringen. Und dann innen drin waren dann auch Wendel gewesen, Wendel lief man das, wenn auf der dritten Sohle, ich sage mal, noch Kohle produziert worden ist, aber die vierte Sohle war dafür zuständig, um diese Kohle dann nachher abzufördern zu dem Hauptschacht. Dann war dann in diesem Blindschacht noch ein Wendel gewesen, wo diese Kohle mit dem Gestein, also praktisch wie so eine Schnecke heruntergefallen ist und unten auf die Bänder drauf, auf die Bandstraßen und ist dann von da aus dann zum Hauptschacht gekommen.

Michael Holtkamp:
[1:05:52] Die Sohlen werden von oben nach unten gezählt, das heißt die vierte Sohle ist unter der dritten.

Volker Wagner:
[1:05:57] Ja.

Michael Holtkamp:
[1:05:57] Ja, okay. Okay. Und was hatte es mit dem Bergwerk auf sich, wo jetzt die Künstler die Krone aufs Fördergerüst gesetzt haben?

Volker Wagner:
[1:06:06] Perfekt Donau. Also das wurde in den 80er Jahren tatsächlich mal geplant. Da hat man auch Explorationsbohrung dazu. Da hat man von über Tage danach Bohrung gemacht und die Flöße also praktisch gesucht von über Tage her und hat sie aber auch getestet und hat festgestellt, gute Qualität. Und aber auch große Mächtigkeiten vom Flötsen. Also umso mächtiger und so größer das Flöts ist, umso produktiver ist das Flöts dann dementsprechend auch, als wenn man da so einen 80 cm Flöts hat. Also wenn man eine Mächtigkeit von 2 Meter, 3 Meter dann her hat und fährt man dann nachher mit der Maschine und mit dem Hobel und mit der Walze dann nachher, dann gibt das ja auf Einschlag eine riesen Tonnage. Und dann aufgrund dieser Berechnung, da hat man damals, ich glaube mal, 100.000 weiß ich gar nicht, wie viel Explorationsbohrung gemacht, hat aber auf jeden Fall, ich glaube, eine Million pro Bohrung gekostet. Und man hat festgestellt, dass dieses Perfektor-Namen tatsächlich, auch mit unseren Sicherheitsstandards, die wir heute haben, subventionsfrei hätte auf dem Weltmarkt konkurrieren können.

Michael Holtkamp:
[1:07:20] Moment, eine Probebohrung kostet eine Million Euro und die haben 100.000?

Volker Wagner:
[1:07:27] Ne, ne, 100.

Michael Holtkamp:
[1:07:28] Ach so.

Volker Wagner:
[1:07:28] Ja, 100.

Michael Holtkamp:
[1:07:30] Okay, ich dachte, du hättest 100.000 gesagt.

Volker Wagner:
[1:07:31] Ja, ja, nee.

Michael Holtkamp:
[1:07:32] Das wäre teuer.

Volker Wagner:
[1:07:33] Also ich meine, so 100 Bogen haben die dann gemacht, um das dann im Endeffekt dann aber auch zu testen.

Michael Holtkamp:
[1:07:38] Ach, das war in den 80ern, dachtest du?

Volker Wagner:
[1:07:40] Ja, D-Mark, genau. Zur D-Mark-Seite.

Michael Holtkamp:
[1:07:43] Und was ist gut? Und da wurde letztendlich nie…

Volker Wagner:
[1:07:48] Nein, nein, nein. Das war ein Zukunftsbergwerk. Also es wurde dann irgendwann mal geplant, um dann dementsprechend, ich sag mal, die Energiesicherheit durch Kohle in Deutschland aufrecht zu erhalten. ist aber nie im Produktionsgegang. Also nie erweitert worden. Also da ist man auch nie zu den Bereichen hingekommen, die man da getestet hat in den 80er Jahren. Also zu den Flößen. Da gibt es nur die Hauptstrecke unten, was schon mal viel wert ist. Die Hauptstrecke aufgefahren. Und das schlummelt jetzt immer noch vor sich hin. Also da läuft dann noch kein Wasser rein. Weil ja noch keine Verbindung auch zu den anderen Schachtanlagen hat.

Michael Holtkamp:
[1:08:24] Ja.

Volker Wagner:
[1:08:28] Das könnte man wieder aktivieren.

Michael Holtkamp:
[1:08:31] Okay.

Volker Wagner:
[1:08:32] Wenn man das energiepolitisch möchte.

Michael Holtkamp:
[1:08:35] Ja, da wusste ich. Ich wusste nicht, dass es existiert. Also, das heißt, alle anderen, also wahrscheinlich also wirklich wortwörtlich alle anderen Schachtanlagen, Sächen sind untertägig miteinander verbunden. Also letztendlich war es ein großes Netzwerk.

Volker Wagner:
[1:08:53] Ja, nicht alle Schachtanlagen im Ruhrgebiet waren miteinander untertäglich verbunden. Es gibt da mehrere Standortshebepunkte. Also wir sind einer von in Bergkaben, ich weiß gar nicht, wo noch im Ruhrgebiet bis zum Saarland Hebepunkte sind von grubem Wasser. Das ist aber immer ein Punkt, wo viele, viele Schachtanlagen dann rum miteinander unter Tage verbunden waren. Das muss aber nicht, ich sage mal, bis nach Bergkamen, waren nicht alle Schachtanlagen im Ruhrgebiet miteinander verbunden. Deswegen aber auch mehrere Standorte, wo das Gubenwasser nachher auch gehoben wird. Und aber auch verschiedene Einlassquellen. Die einen lassen, glaube ich, in Ruhe in Nordrhein direkt das Gubenwasser ein und wir müssen eben halt in Bergkamen in die Lipp einleiten.

Michael Holtkamp:
[1:09:38] Ach so, dann kommt sie ja vorbei. Also wir sind hier ganz in der Nähe der Lippe.

Mobiler Stollen

Michael Holtkamp:
[1:09:46] Also springen wir mal zurück zu den Führungen. Also ich hatte anfänglich gefragt, was es damit auf sich hat. Du bietest Führungen auf Heinrich Robert an und dann sagtest du in Haus Aden, also in Bergkamen, habt ihr euer Museum, also da bist du tätig und darüber ist irgendjemand, Andreas oder weiß ich nicht wer, auf dich aufmerksam geworden und hat gefragt, du hast auf Heinrich Robert gearbeitet. Würdest du nicht Besucherführungen anbieten wollen? So oder so ähnlich?

Volker Wagner:
[1:10:20] Ja, so ähnlich sind wir fast zusammengekommen. Also wir haben ja nicht nur das Museum, sondern wir haben auch tatsächlich einen mobilen Stollen. Also wir haben einen mobilen deutschen Türstock, also Altbergbau aus Holz, den wir in ganz Deutschland zeigen. Also wir fahren überall hin, wo dieser Stollen dann dementsprechend, ich sag mal, gewünscht ist, dass wir den dann aufbauen. Der ist ungefähr zwei Meter hoch, zwei Meter breit und ungefähr sechs Meter lang. So eine Strecke. Also original eingerichtet, dann nehmen wir auch unser Werkzeug. Wir Berchtleute sagen ja nicht zu unserem Werkzeug Werkzeug, sondern wir sagen ja Gezehe, alles was ein Hammer, ein Schraubenschlüssel, ein Schraubendreher und auch andere Werkzeuge sind, heißt bei dem Berchtmann im Sammelbegriff Gezehe. Und das nehmen wir dann alles mit, die alten Sachen Bohrhämmer, Abbohrhämmer. Und bauen das dann an diesen gewünschten Orten auf. Wann übrigens, ich sag mal auch in Berlin gewesen, damals musste Handelore Kraft Nordrhein-Westfalen dort zu 150 Jahre Feier der Sozialdemokratischen Partei, musste sie Nordrhein-Westfalen dann dementsprechend repräsentieren und hat sich gedacht, das Beste, was man mit Nordrhein-Westfalen repräsentieren kann, sind Bergleute. Und dann sind wir da mit unseren mobilen Stollen tatsächlich, ich sag mal, nach Berlin gefahren und haben dann unter dem Brandenburger Tor aufgebaut.

Michael Holtkamp:
[1:11:47] Wow.

Volker Wagner:
[1:11:48] Und das machen wir jetzt schon. Auch direkt in dem, zwischen den Säulen? Nein, nein, neben dem Brandenburger Tor. Das war damals so die Meile gewesen, da waren viele, die sich da ausgestellt haben und dann eben wir, Berchleute auch aus Nordrhein-Westfalen. Übrigens haben sich da alte Berliner dran erinnert, gerade direkt nach den Kriechen, wo Berlin ja abgeschirmt war und es kam ja nichts mehr rein und es kam auch nichts mehr raus. Dann gab es ja die Rosinenbombe der Amerikaner. Die Luftbrücke. Genau, mein Großvater hatte dann noch wie im Bergleute in Nordrhein-Westfalen Überschichten gekloppt unter Tage. Und da sind die Kohlen ja von hier aus dann dementsprechend in Berlin geflogen worden. Und das war ja der Jahrhundertwinter auch damals. Und dann haben die Bergleute aus Nordrhein-Westfalen dafür gesorgt, dass unsere, Mitbürger da in Berlin nicht erfroren sind.

Michael Holtkamp:
[1:12:41] Ich dachte, die hätten nur Lebensmittel abgeworfen.

Volker Wagner:
[1:12:44] Nö, Kronen gab es ja auch nicht. Ja, klar. Gleichzeitig sind dann dementsprechend die abgeworfen und da reinkam es ja nur durch die Rosinenbomber, man sagt ja Rosinenbomber, B-52-Bomber, die dann dementsprechend dafür gesorgt haben. und im Winter muss er auch was zum Heizen haben. Und das ist dann eben auch mit Kohle dann passiert. Also den bauen wir überall auf. Und wir waren tatsächlich zunächst erstmal auf, Schlägel und Eisernen Härten gewesen, haben den dann zur Extraschicht aufgebaut. Und dann irgendwann mal sind wir dann tatsächlich an den Andreas geraten, der uns dann angeboten hat, ich glaube, baut doch mal den Stollen auf Heinrich Robert auf. Und weil das ziemlich näher war, von Bergkauern aus nach Ramm statt nach Herden, wo wir aber auch schon jahrelang da gewesen sind, haben wir gesagt, wir machen das mal auf Heinrich Robert. Und dann waren wir jetzt die letzten vier Jahre, glaube ich, auf Heinrich Robert und sind jetzt tatsächlich erstmalig dieses Jahr hier auf Fürstleopold.

Michael Holtkamp:
[1:13:49] Ach was.

Volker Wagner:
[1:13:49] Ja, also wir kommen zur Extraschicht jetzt hier nach Fürst Leopold am 27. Juni und bauen den Stollen, Andreas hat das für uns geplant, ich glaube in der Kaue auf.

Michael Holtkamp:
[1:13:59] Ah, okay. Das wusste ich nicht. Also wir nehmen am 13. Juni auf, in zwei Wochen am 27. Juni ist die Extraschicht. Ich versuche dann das davor noch zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass Leute da mal vorbeikommen, sich das anschauen, wo auch immer es dann, das Gelände ist nicht riesig, ob es dann wirklich in der Kaue ist oder nicht. Das finden, das findet man dann. Ich werde es mir auf jeden Fall mal anschauen.

Volker Wagner:
[1:14:22] Also wir haben es an den Besprechenden auch sogar gehalten, wir nehmen unsere Arbeitszeiten, das Arbeitszeug nehmen wir mit, also was der Bergmann unter Tage getragen hat, Jacke, Hose und dann kriegst du auch einen Helm auf den Kopf. Wir rüsten die Leute aus, die den Stollen dann besuchen. Wir haben dahinter so eine Gezählkiste, also wie eine Werkzeugkiste. Da kann man sich dann draufsetzen und kann man sich auch mit diesen historischen Wetterlampen, kann man sich dann nachher fotografieren lassen oder wir fotografieren mit den mit den Handys, die da mitgebracht werden, dann sieht das tatsächlich aus, als wenn du gerade unter Tage irgendwo an der Seite sitzt und wartest auf den Zug. Ja, genau.

Michael Holtkamp:
[1:14:59] Das ist am Bahnsteig.

Volker Wagner:
[1:15:00] Also so sind wir zusammenbekommen und dann irgendwann ist dann auch gewachsen, dass wir gesagt haben, wir müssen also mehr da auch bergmännisch für dieses, Berfekt Heinrich-Roberth tun und das auch, ich will nicht sagen, vermarkten ist das verkehrter Wort, aber ja, Zumindest mal vermitteln, was dieser Standort, was dieser Schachtanlage,

Volker Wagner:
[1:15:20] was eigentlich jede Schachtanlage bedeutet hat und auch Nachfolge in Generationen zu zeigen. Und was die Fördertürme, das sind ja Identifikationsmerkmale der Menschen, die in Nordrhein-Westfalen leben. Und das hat ja, klar, das kommt aus dem Bergbau, aber auch diejenigen, die nichts mit dem Bergbau zu tun haben, identifizieren sich mit diesen Fördertürmen. Und gerade, wenn sie gerade so in Städte stehen, dann sind sie alle mehr groß geworden. Und ich finde das persönlich immer eine Katastrophe, wenn die abgerissen werden. Aber die Rohkohle ist auch dazu verpflichtet. Das war ja ein subventioniertes Unternehmen. Und alles, was nicht unter Denkmalschutz steht, sind ja dazu verpflichtet, dieses dann abzureißen. Ob das dann Fördertürme oder Gebäude ein alter Schachterlagen sind. Sie müssen es abreißen, um dem Steuerzahler anschließend keine Folgekosten zu hinterlassen. Katastrophe, manchmal so. Aber wir haben auch viele, viele retten können, die dann im Endeffekt, wie auch hier Fürst Leopold, unter Denkmalschutz stehen.

Fördertürme

Michael Holtkamp:
[1:16:24] Zum Glück gibt es ja noch einige. Es gibt ja viele verschiedene Arten. Also wir haben hier auf Fürst Leopold, haben wir, ich würde sagen, relativ kleines, aber von der Höhe her. Das ist so ein, ich weiß nicht, wie sich der Typ Fördergerüst nennt, aber das wird so in eine, zu einer Seite hin abgestützt. Also in Richtung des Maschinenhauses, weil er aufgrund der Zugkraft ist. Die bekannteren Arten von Fördergerüsten sind ja zum Beispiel das riesige Ding, was auf Zollvereinen in Essen steht.

Volker Wagner:
[1:16:51] Der Doppelbock ist das. Der Doppelbock, genau.

Michael Holtkamp:
[1:16:53] Die gleiche Art Fördergerüst steht in Bochum am Bergbaumuseum, stammt aber glaube ich ursprünglich von der Zeche Viktoria, glaube ich, aus Dortmund.

Volker Wagner:
[1:17:03] Ich meine Germania, ne?

Michael Holtkamp:
[1:17:04] Germania kann auch sein.

Volker Wagner:
[1:17:05] Ja genau.

Michael Holtkamp:
[1:17:06] Wurde also da hintransportiert irgendwann, da das so Türkees oder Mintfarben angestrichen wurden. Das Bild kennen auch die meisten. In Bottrop auf Prosperhaniel steht dieser Mannerkopf-Turm.

Volker Wagner:
[1:17:18] Genau.

Michael Holtkamp:
[1:17:18] Das ist der, glaube ich. Und auf Heinrich Robert steht einer, der auch markant ist. Der nennt sich Hammerkopf-Turm.

Volker Wagner:
[1:17:26] Genau.

Michael Holtkamp:
[1:17:26] Und den habe ich so noch nie irgendwo anders gesehen. Der sieht an sich aus wie ein Hammer. Oder wie ein Tee.

Volker Wagner:
[1:17:32] Genau, deswegen Hammerkopf. Bezeichnend.

Michael Holtkamp:
[1:17:36] Aber warum diese Bauweise? Und der ist so, also, wie soll ich sagen? Es gibt ja einerseits Türme und einerseits Gerüste, also Gerüst ist halt so ein Metall, so ein Stahlgerüst. Dann gibt es Türme, wie zum Beispiel der Malakow-Turm, der ist so halb und halb. Das Stahlgerüst steht zumindest teilweise in so einem Mauerwerk drin. Auf Zollvereinen ist es ähnlich. Dieser Doppelbock steht, der ist halt wirklich riesig für die Leute, die noch nie da waren. Also unter diesem Turm ist ein riesiges Gebäude noch.

Volker Wagner:
[1:18:08] Schöner für das.

Michael Holtkamp:
[1:18:10] Ja.

Volker Wagner:
[1:18:11] Da haben wir auch Haus Adenago gehabt, diesen Doppelbock und Schacht 2 war auch ein sehr schöner Förderturm, sind leider aber auch politisch nicht gewollt worden. Was ich persönlich sehr erschreckend finde.

Michael Holtkamp:
[1:18:26] Die zu erhalten oder vorher schon?

Volker Wagner:
[1:18:27] Die auch darum zu kämpfen, aber auch gleichzeitig zu erhalten, ein Konzept zu entwickeln, so wie es andere Städte auch gemacht haben. Ein Konzept zu hinterlegen, was machen wir mit diesem Identifikationsmerkmal Förderturm. Und da gibt es tolle Beispiele von vielen, vielen, ob das Erini ist, ob das Monopol in Kamm ist. Also viele, viele Schachtanlagen sind ja oder Fördergerüste sind ja enthalten. Ich sag mal, in Hamm mit der Zeche Radbott, mit der Zeche Sachsen, die die schöne Alfred-Fischer-Halle dann noch hat. Man muss daran arbeiten, Konzepte entwickeln und die dann auch anschließend vermarkten. Und dann muss man politisch auch dahinter stehen. Und ich hatte das Gefühl, und ich behaupte das heute, das war in Bergkamen dann nicht so, obwohl wir Europas größte Bergarbeiterstadt waren, dann mit der Bergbaukultur, dann ich sag mal.

Volker Wagner:
[1:19:31] Ja, nicht so eng verbunden war. Warum auch immer. So, jetzt sind sie weg und man kann sie nicht wiederholen. Aber zu deiner Frage, warum Hammerkopf-Turm, Hammerkopf-Turm und warum gerade diese Bauweise, der hat eine Skip-Förderung gehabt. Also früher musst du dir vorstellen, da hat man die Wagen ja händisch unten, aufgeschoben, wenn man das Produkt Kohle mit dem Gestein über Tage bringen wollte. Also jeder Satz waren zwei Wagen drauf, da kam der nächste Satz. Also vier Sätze, also vier Stationen hat er so einen Förderkorb gehabt und man konnte dann jedes Mal, ich sage mal, zwei Förder waren auf einem Satz und wenn das dann nachher hoch hieß, dann hast du nachher acht Lohren drauf gehabt. Und dann musst du es dann nach oben ziehen, musst du es wieder leer machen, wieder leer nach unten und den nächsten Wagen drauf. Das hat der Turm auf Frankreich-Rupert nicht gehabt. Da hat man eine Skip-Förderung erfunden.

Volker Wagner:
[1:20:22] Also eine Gefäßförderung, so heißt das. Also ein großes Gefäß unterhalb dieses, Fördergerüstes zu hängen und dann nachher die Kohlen nicht mit Wagen darauf zu schieben, sondern die Kohlen gleich in diesen Gefäß reinzukippen. Und das war eine absolute Produktionssteigerung, also beziehungsweise, ich sag mal, da konnte man viel, viel mehr Tonnage aus der Grube mit einem Zug herausholen, als wenn wir die einzelnen Wagen genommen haben. Und das Besondere bei dem Turm ist, man sieht es ja normalerweise.

Michael Holtkamp:
[1:20:52] Entschuldige, aber warum? Einfach, weil da mehr Kohle reinpasst?

Volker Wagner:
[1:20:56] Ja, klar. Also war ein Gefäß drunter. Also war nicht mal ein Förderkorb mit einzelnen Stationen, also mit vier Etagen drin, sondern war ein durchschnittliches Gefäß. Ich weiß gar nicht, wie groß das war. Aber auf jeden Fall konnte man das da komplett füllen und man konnte dann viel mehr Tonnage, als wenn man die Wagen genommen hätte und hat man aus der Grube rausgeholt und konnte dann die nach Übertage bringen.

Michael Holtkamp:
[1:21:21] Ach so. Und das Gefäß war vielleicht auch noch so konstruiert, dass es einfach weniger Gewicht hat als jetzt die acht Wagen oder so, die man ja vorher ansonsten auch noch mittransportieren musste, die ja an sich auch schon viel liegen.

Volker Wagner:
[1:21:31] Ja, aber das ist dann wahrscheinlich auch wieder Berechnerei, wie groß kann das Gefäß sein, oder wie dick müssen die Seile sein, um dieses Gefäß dann nachher mit dieser Tonnage aus der Grube herauszuholen. Und diese Besonderheiten bei diesem T-Turm, der steht da übrigens auch unter Denkmalschutz, ist Europas größter, 64 Meter hoch. Und das Besondere auch daran ist, dass die Fördermaschine oben in diesem T mit drin ist, die Zugmaschine. Du kennst das ja ganz normal hier von deinem Förderturm, hier auf Fürst Leopold, da gehen die beiden Seile, ich sage mal, quer über die Straße, sage ich jetzt mal so, ins Fördermaschinenhaus. Und von da aus wird dann der Korb, also der Förderturm betrieben. Das ist auf Heinrich Robert dann nicht so.

Michael Holtkamp:
[1:22:11] Also wir haben hier eine zweiteilige Maschinenhalle mit zwei, wie heißen die, Zwillings-Tandem-Fördermaschinen oder so. Und die haben beide jeweils, also die waren über einen Keilriemen mit der Seilscheibe oben am Fördergerüst verbunden und haben das so angetrieben.

Volker Wagner:
[1:22:28] Genau. Und bei der auf Vereinigte Roboter gehen die Saale nicht quer über die Straße, sondern die gehen seitlich in den Turm herunter. So, beidseitig weiß ich, was es gibt dran, da kommst du hoch und runter. Also jedes Mal hast du dann oben deine Skipförderung, das Gefäß drunter gehabt. Also wenn das eine unten gewesen ist, ist das andere voll oben gewesen und genauso umgedreht.

Michael Holtkamp:
[1:22:51] Ja, also damit man weniger Kraft aufwenden muss, um das überhaupt zu bewegen. Also ähnlich wie bei Personenfahrten oder so, wenn auf der einen Seite welche einfahren, fahren auf der anderen welche aus, anstatt einen Förderkorb nur, runterzulassen, hochzuziehen, hat man immer zwei, die gegenseitig, das Gewicht des anderen ausgleichen. Und wenn die ungefähr gleich schwer sind, braucht man relativ wenig Kraft, viel weniger Kraft, als wenn man nur einen Korb hat, den man alleine transportieren muss. Und wie wurde im Hammerkopfturm, wie wurde die Fördermaschine dann angetrieben?

Volker Wagner:
[1:23:37] Ja, elektrisch.

Michael Holtkamp:
[1:23:38] Ja, okay. Weil das war hier, hier neben der Maschinenhalle steht das alte Kesselhaus. Das ist das einzige von den historischen Gebäuden, was aktuell noch nicht genutzt wird.

Volker Wagner:
[1:23:47] Ja.

Michael Holtkamp:
[1:23:48] Nicht wieder genutzt wird.

Volker Wagner:
[1:23:49] Also das ist ja, ich sag mal, schon eine Zeit, hier Dampfmaschinen und mit Dampfbetrieben, das ist ja schon Urbergbau, hätte ich schon beinahe gesagt. Also das ist der alten Zeit noch geschuldet. Aber eine gute Konstruktion, wenn du die heute anschmeißt, siehst du ja selber, die läuft ja immer noch, wenn du das so möchtest. und wenn du Dampf drauf machst, dann könntest du ja auch wieder in Betrieb nehmen. So gut gebaut.

Michael Holtkamp:
[1:24:09] Also der Bergbauverein hat die eine Maschine so umgerüstet, dass sie jetzt elektrisch betrieben werden kann.

Volker Wagner:
[1:24:17] Aber gibt ja im Endeffekt nur das wieder, was der Dampf hätte erzeugt. Also wenn natürlich Rohrläuter einen Dampf, dann brauchst du das Elektrische nicht dabei. Dann würde das ja oder der Dampf würde das gleiche umsetzen, was jetzt auch der Elektromotor machen würde. Also, rustikale Maschine wird wahrscheinlich immer noch laufen, wenn man sie wieder in Betrieb nehmen würde, unter Dampf.

Michael Holtkamp:
[1:24:40] Kann man den Hammerkopfturm denn von innen besichtigen?

Volker Wagner:
[1:24:44] Nee, also momentan ist dann noch bergrecht drauf, das heißt, ich sage mal, Rohkohleaktiengesellschaft, die sind ja immer noch da, um das Gelände dann nachher auch so hinzustellen, dass es dann auch vermarktet werden kann. Da gibt es ja einen Zukunftsplan von der Ruhestadtstiftung, wo der Jürgen Tempelmann ja auch federführend dort ist, in Kooperation mit der, Mit der Rohkohle-Aktiengesellschaft und Bergwerke sind ja unter Bergrecht gewesen. Da hat die Polizei nichts zu suchen. Die Polizei hat man selber gehabt. Diese Bergämter, das war ja die Polizei, die dann nachher unter Tage angefahren ist und hat dann Sicherheitsstandards und Sicherheit kontrolliert und die Bergleute kontrolliert, dass sie auch im Rahmen der Sicherheit gearbeitet haben. Und wenn du dich mal fehlverhalten hast, dann hast du unter Tage auch ein Ticket gekriegt, also ein Strafmandat. Wow.

Michael Holtkamp:
[1:25:35] Und was ging damit einher?

Volker Wagner:
[1:25:37] Aber das hat nicht die Polizei gemacht, das hat, wenn ich sage mal, der vom Bergamt gemacht, der dafür bestellt war. Und bergrechtlicher Bereich, das heißt, ich sage mal, die Justiz hat da im Endeffekt keine Handhabung, weil das Bergrecht ist was Eigenes. Und ja, das haben wir eben dann dementsprechend auf den Bergwerken auch gehabt.

Michael Holtkamp:
[1:26:02] War es wirklich? Aber es war ja nicht komplett unabhängig, oder? Also die Bergwerke waren ja jetzt auch kein teilweise rechtsfreier Raum.

Volker Wagner:
[1:26:11] Also ich sag mal, wenn da immer was gewesen wäre, aber wenn Unglück passiert zum Beispiel unter Tage, dann ist die Untersuchung, werden dann von den Bergämtern gemacht, die untersuchen das. Und nicht irgendwie einer, da fährt das Polizei an. Die Polizei ist mal gekommen als Besucher und haben sich mal in der Grube angefangen, aber rein rechtlich hatten sie da keine Handhabung.

Michael Holtkamp:
[1:26:37] Oh, okay. Wusste ich nicht. Das heißt, wenn ich feststelle, jemand hat…

Volker Wagner:
[1:26:42] Deswegen heißt das, hier herrscht Berchrecht auf einem Berchwerk. Ja.

Michael Holtkamp:
[1:26:47] Okay. Das heißt, wenn ich zurück nach der Schicht in den Weißkauel gekommen bin und irgendwie fehlte mein Schnupftabak.

Volker Wagner:
[1:26:56] Dann habe ich nicht die Polizei angerufen. Bei Diebstahl oder weiß ich noch was, dann hast du das gemeldet, innerhalb der Personalverwaltung, hast du gesagt, so, da hat einer mal einen Haken geknackt und hat mir da irgendwie, was ich sage, mir ist ja auch vorgekommen und hat mir irgendwas rausgeklaut. So, und dann ist das, weiß ich noch was, in der Personalverwaltung ist das dann gemeldet worden. Wie weit das denn her, ich glaube auch versichert gewesen ist, dass du das dann her, dein Wert auch wiederbekommen hast, dann ist das dann dementsprechend so geregelt worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass da irgendwo mal, ich sage mal, wirklich Polizei da gewesen ist, außer du hast da jemanden gehabt, der da irgendwie ja, total aus der Roller gefallen ist. Also Leib und Leben gefährlich gewesen ist. Dann hat man mit Sicherheit auch die Polizei gerufen, dass das dann nachher, ich sag mal, eingestellt wird. Aber ansonsten ist das auf der Zirche selbst geregelt worden. Auch Untertage.

Michael Holtkamp:
[1:27:48] Okay. Gut, nochmal zurück zu Heinrich Robert. Also der Hammerkopfturm ist zum Glück erhalten geblieben. Das heißt, du kannst da jetzt auch mit deinen Führungen aktuell nicht rein, weil es noch unter Bergrecht steht.

Volker Wagner:
[1:28:04] Genau, dieses Jahr unter Bergrecht wird das entlassen und dann können wir dann irgendwann mal dann aber auch innerhalb der persönlichen Führung interagieren und dann kann man den Turm dann auch mal besichtigen, zu Fuß. Da gibt es auch noch einen Fahrstuhl drin, der läuft nicht. Aber zu Fuß kann man dann dementsprechend bis oben zur Fördermaschine kann man dann da hochgehen.

Michael Holtkamp:
[1:28:25] Auf 64 Meter. Okay, die Maschine ist nicht ganz so hoch.

Volker Wagner:
[1:28:28] Nee, aber oben auf dem Dach, der ist auch begehbar, aber ich sag mal, da ist kein Gerüst rum. Also man kommt oben auf dem Dach drauf. Man zündet ja immer, ich sag mal, zu Weihnachten da oben, haben wir ja politisch dann auch für gesorgt. Und der Jürgen Tempelmann hat das ja auch mit unterstützt, dass dann dieser historische Tannenbaum, der eigentlich, ich sag mal, auf jedem Förderturm zu den Weihnachtszeiten überall geleuchtet hat, da auch wieder in Betrieb genommen wird. Und deswegen kann man da oben auch auf das Dach drauf gehen.

Michael Holtkamp:
[1:28:56] Das wusste ich gar nicht.

Volker Wagner:
[1:28:58] Und das Schöne daran ist, ich sag mal, bei diesem Förderturm ist ja der kleinere Heinrich, der ist 1901 getäuft worden. Der ist leider abgerissen und deswegen sage ich ja immer Identifikationsmerk, aber war kein Denkmalschutz drauf.

Michael Holtkamp:
[1:29:14] Der kleinere Heinrich heißt ein kleinerer Förderturm an Schacht 1.

Volker Wagner:
[1:29:19] Also Namensbezeichnung Bergwerk Heinrich und Robert. Die Bezeichnung Heinrich war der kleinere Schacht gewesen. Der ist dann dementsprechend, für Material und aber auch Personenseilfalt schachtlich genutzt worden. Und der große Robert dann um dieses Produkt, Kohle und Gestein, aus der Grube herauszuholen. Dafür war der Robert da. Und Heinrich ist 1901 getäuscht worden und Robert vier Wochen später hat man damit angefangen. Und beide hatten ja diese alten historischen Fördergerüste. Und man sieht heute noch tatsächlich in diesem alten Robert in dem Hammerkopf-Turm steht dieses alte Fördergerüst Robert von 1901 immer noch drin. Das hat man nie abgerissen. Das T ist eigentlich nur drumherum gebaut worden, um diesen alten Förderturm. Und der Förderturm selbst ist noch direkt mit drin.

Michael Holtkamp:
[1:30:13] Andreas hatte mir ein paar historische Fotos geschickt und da war tatsächlich ein Bild von diesem Gerüst, aber das auch in so T-Form, das sah für mich viel kleiner aus als der, also ich war auch schon mal da vor Ort und 64 Meter ist ja nicht wenig, also der jetzige Hammerkopfturm ist ja riesig, aber auf diesem historischen Foto, das Gerüst, was ich da gesehen habe, wirkte auf mich kleiner, als der Turm jetzt tatsächlich ist.

Volker Wagner:
[1:30:39] Ja, täuscht du mich ja, ne? Ja.

Michael Holtkamp:
[1:30:42] Aber ich bin ganz erinnert, also ich meine, ich freue mich auch über jedes Fördergerüst oder über jeden Förderturm, der erhalten geblieben ist. Aber ein…

Volker Wagner:
[1:30:50] Ja, aber sag doch mal ehrlich, also ich sage mal Fördergerüst wird, hier in Nordrhein-Westfalen, ich habe ja vorhin gesagt, Identifikationsmerkmale. Was in Norddeutschland so die Leuchttürme sind, wo die sich damit identifiziert, die historisch schön anzuschauen sind, das sind in Nordrhein-Westfalen die Fördertürme. Absolut.

Michael Holtkamp:
[1:31:11] Aber wenn wir alle erhalten hätten, hätten wir hunderte.

Volker Wagner:
[1:31:16] Ja, aber, die Frage ist ja, wie kannst du sowas vermarkten? Also ich sag mal, der Jürgen Tempelmann, der nimmt das ja auch praktisch in Privateigentum nachher. Ein nicht nur denkmalgeschütztes Gebäude, sondern auch diesen Hammerkopfturm, und muss ja sehen, dass er dem auch gerecht wird, den Denkmalschutz. Und er hat ja meistens ein gutes Konzept, das sieht man hier auch für das Leopold, also diesen Kern eines Bergwerkes zu erhalten, Förderturm, alte Verwaltungsgebäude, Lohnhalle, also alles, was nach Augenweide ist und das Neue dann her drum herum zu bauen. Das ist ein Konzept, wo man die alten Gebäude mit erhalten kann, auch wirtschaftlich erhalten kann Und das wird er auf Heinrich Robert in Hamm genauso machen. Und die Frage ist ja, welchem Konzept man dann im Endeffekt auch politisch folgen kann, wenn solche Dinge dann nachher zum Erfolg werden. Vor allen Dingen, ich sage mal, aber auch als Beruhigungspflaster. Bei uns im Bercht-Karm hat es einen Aufschrei gegeben, dass diese Fördertürme gefallen sind, dass die Politik sich nicht bewegt hat und dann zumindest diese aufrechtzuerhalten. Kein Konzept entwickelt, so wie andere Städte Konzepte entwickelt haben.

Michael Holtkamp:
[1:32:42] Also ist kein einziger stehen geblieben?

Volker Wagner:
[1:32:46] Wir haben jetzt noch Monopole in Berchkaben, haben wir da noch stehen. Die kamen da, also Stadt Kamen, da war Altmonopol gewesen, diese Schachtanlage Monopol. Und die haben den tatsächlich, ich sag mal, restauriert für 2,2 Millionen Industrie- und Denkmalstiftungen, aber auch nur, weil die anschließend, ich sag mal, durch einen Privatunternehmer übernommen werden. So, die gehen in der Verantwortung von der Stadt, Finanzierung gehen raus und ein Privatmann macht das dann her. Der ist dazu verpflichtet, dieses Denkmal dann her für alle Zeiten dann aufrecht zu erhalten, wie auch immer.

Michael Holtkamp:
[1:33:18] Aber der Privatmann hat, also ich meine, der Unterschied zwischen Fördergerüsten und all den anderen Gebäuden, wie zum Beispiel die Lohnhalle. Wir befinden uns ja hier in der Lohnhalle von Fürst Leopold. Ich weiß, auf Heinrich Robert ist auch die Lohnhalle erhalten geblieben. Also alles das, was früher mal Verwaltung war, das sind Gebäude, die kann man heutzutage und Lohnhallen sind ja auch oft recht ansehnlich, zumindest von innen.

Volker Wagner:
[1:33:41] Sehr schön.

Michael Holtkamp:
[1:33:43] Ich meine, ich war auch mal auf Konsolidation in Gelsenkirchen-Schalke. Da war es eine relativ kleine, als ich nach Bürofläche gesucht habe, bevor ich das hier gefunden habe. Das Erste, was ich mir angeschaut habe, war da in Schalke. Die war relativ klein und nicht so ansehnlich, finde ich. Aber es gibt welche, wie zum Beispiel die hier und auch die auf Heinrich Robert, die tatsächlich schön aussehen. Und auch von außen, vor allem die Lohnhalle in Hamm. Schöne Architektur, ja. Aber ich meine, die kann man gut noch nutzen. Die kann man gut vermieten.

Michael Holtkamp:
[1:34:22] Fördergerüste, die dienen gut als Wahrzeichen und vielleicht, als Teil von so einem Gesamtkonzept für, ob es jetzt Kreativrevier in Hamm oder Kreativquartier hier ist, so als Teil von so einem Gesamtkonzept macht es dann vielleicht Sinn, das zu erhalten. Und auch die damit einhergehenden Kosten auf sich zu nehmen. Aber das Fördergerüst selber nutzen ist schwierig. Also hier haben wir ja tatsächlich nur ein Gerüst. Beim Hammerkopfturm weiß ich nicht, ob man vielleicht das Innen auch noch irgendwie… Also ich glaube, alles, was so das Innenleben von so Gebäuden betrifft, ist ja hinsichtlich des Denkmalschutzes nicht so schwierig. Also vielleicht kann man den tatsächlich irgendwie so nutzen, dass man ihn nicht nur erhält als Wahrzeichen, weiß ich nicht. Aber zum Beispiel hier ist das praktisch unmöglich. Der wird beleuchtet und es sieht gut aus. Und es ist schön, dass er noch da ist. Das ist Schacht 2. Es gab ja auch noch Schacht 1. Das Fördergerüst ist weg.

Volker Wagner:
[1:35:26] Was eine Identifikation der Menschen sind, wo sie alle sagen, das sieht aber schön aus. Wenn wir hier so einen beleuchteten Förderturm bei uns in der Stadt drin haben. Das ist ja im Endeffekt ein Beruhigungspflaster, was da nachher auch verteilt wird. Alles andere wird ja im Endeffekt ein Aufschrei, so wie bei uns im Bergkamm, nach sich ziehen, wenn solche Fördertürme als Identifikationsmerkmale da fallen. Und wenn einem dann noch bewusst wird, dass man hätte ihn erhalten können, wenn man ein vernünftiges Konzept gehabt hätte und man hätte sich dahinter geklemmt. Wir hatten ja so ein Konzept gehabt, selbst wir als Geschichtskreis und wir hatten ja auch den Vorteil, dass diese Schächte nicht unter Denkmalschutz gestanden haben, sondern da wären wir auch nicht diese Auflage der Denkmalschutzbehörden, wären wir ja nicht verpflichtet.

Volker Wagner:
[1:36:17] Solche Fördergerüste nachher nochmal einzurüsten, Sand zu strahlen und nochmal Sand zu strahlen und nochmal mit einer Deckfarbe dann nachher zu bestreichen und dann zum Schluss dann die Originalfarbe drauf zu machen, dass das ganze Konzept nachher 2,2 Millionen Euro, kostet, kann ich mir schon vorstellen. Muss aber bei nicht denkmalgeschützten Fördergerüsten überhaupt gar nicht sein. Aber wenn man das noch erhalten will, dann gibt es dann auch andere Möglichkeiten. Ich habe das damals schon damit irgendwo verglichen, den Pariser Eiffelturm oder was, der ist ja 1889 da irgendwo gebaut worden ist. So, den hat man nicht ein einziges Mal eingerüstet und nicht Sand gestrahlt und weiß ja ich noch was und die Farbe wieder abgestrichen. Die haben die Auflage, den einmal in 15 Jahren muss der gestrichen werden. Das heißt, wenn du da mit der Bohrmaschine dran gehst, dann wirst du da 18 Schichten durchbohren von irgendwelcher Farbe und dann triffst du immer noch auf deinen Originallack. Der ist einfach nur drüber gepinselt worden.

Michael Holtkamp:
[1:37:12] Ich habe mal gehört, dass also 15 Jahre weiß ich nicht, aber ich habe mal gehört, dass die halt einen Trupp von Malern haben, wie viele, keine Ahnung, die permanent damit beschäftigt sind, neuen Korrosionsschutz und so aufzunehmen. Die fangen vielleicht, ich weiß nicht, ob sie oben oder unten anfangen, aber wenn sie fertig sind, sagen wir mal, die fangen oben an, wenn sie, unten angekommen sind, dann fangen sie wieder von vorne an. Dann gehen sie wieder nach oben.

Volker Wagner:
[1:37:36] Das sind die berühmten Fassadenkletterer, die sich dann dementsprechend immer von oben abseilen. Wir haben damals tatsächlich eine Firma aus dem Sauerland dazu gefunden. Die hätten das gemacht und die hätten den Haus Adner Schad 2 alle 15 Jahre, damals noch die Kosten vor 7, 8 Jahren, bevor der Turm gefallen ist, für 80.000 Euro hätten die das Ding angestrichen. Für 80.000 Euro. Und das alle 15 Jahre. Also wir werden in der Lage sein, in 15 Jahren 80.000 Euro anzusparen, wer auch immer das hätte sein können. Aber dafür, weiß ich noch was, kein Konzept zu haben und aber auch kein Wille zu haben, hat Unruhe gebracht innerhalb der politischen Einstellung auch in unserer Stadt. Ja, Katastrophe, finde ich noch heute so. Jetzt wird was anderes gemacht, jetzt macht man auch aus Aden, keine Gebäude ist mehr da, jetzt kommt dann eine Wasserstadt hin. Also mit Anschluss, ich sag mal, ein großer See wird dann dementsprechend erstellt, ist auch jetzt schon erstellt, mit einer direkten Verbindung zum Dattel-Hamm-Kanal und dann können diejenigen dann ein Haus bauen, die sich das leisten können und dann, kannst du dann morgens mit deinem Segelboot über den Dattel-Hamm-Kanal bis nach Holland schippern.

Michael Holtkamp:
[1:38:45] Ist das so ähnlich wie der, soll das so ähnlich werden wie der Phoenixsee in Dortmund oder so? Ich war da noch nie.

Volker Wagner:
[1:38:50] Ja, so ähnlich. Ja, so ähnlich. Ja, okay.

Michael Holtkamp:
[1:38:55] Ja, ich, ähm… Ja, ist halt schade, weil wenn sie einmal weg sind, sind sie weg. Man muss auch permanent den Willen haben, sowas aufrecht zu erhalten und wenn einmal die Entscheidung gefällt wird, das lohnt sich nicht mehr, wir wollen das nicht mehr, dann ist das Ding weg und dann kommt es auch nicht mehr wieder.

Volker Wagner:
[1:39:11] Ja, da muss man aber auch mit den Konsequenzen muss man damit klarkommen. Auch mit den politischen Auswirkungen muss man dann im Endeffekt mit klarkommen. Also ich halte das immer noch für eine Katastrophe. Vom Monopol. Also mein Vater hat mal gesagt, Junge, wenn du aus dem Urlaub kommst und siehst du in der Ferne den Förderturm, da bist du zu Hause. Das ist Nordrhein-Westfalen. Das ist unsere Identität und das ist das, wo wir im Endeffekt alle mit groß geworden sind. So, und wenn deren beraubt wir es, Dann kannst du nicht Hurra schreien. Gut, dass ihr es gemacht habt.

Michael Holtkamp:
[1:39:44] Ja, gut, dass sich die Halden nicht so leicht abtragen lassen.

Volker Wagner:
[1:39:50] Ja, aber obwohl Halden ist ja auch so, ich will nicht sagen Problem, aber Halden, die geraten ja auch immer wieder in Vergessenheit. Du kannst ja heute schon gar nicht mehr sehen, dass da eine Halde ist. Also ich sag mal, die Generation Z, die danach kommt, die wissen ja gar nicht mehr oder denken wahrscheinlich, dass sie Berge so wie sie hier auch in Bayern gewachsen sind. Sind sie aber nicht. Das sind Halden, die von Bergleuten erstellt worden sind. Also das Nebenprodukt von Kohle, das Gestein, was man da aufgehäuft hat, was mit aus der Grube rausgekommen ist. Schön bewaldet, heute schon teilweise nahe Erholungsgebiete, kann man schon bewandern und man kann es im Endeffekt nicht mehr sehen, aber dennoch sind die mit Schweiß und Blut der Bergleute getränkt und das über

Volker Wagner:
[1:40:41] 100 Jahre hier in Nordrhein-Westfalen.

Das Erbe von Heinrich Robert

Michael Holtkamp:
[1:40:46] Ja, was ist denn, auf Heinrich Robert sonst noch erhalten geblieben? Also der Hammerkopfturm steht noch, die Lohnhalle gibt es. Der kleine Heinrich ist weg, hast du gesagt?

Volker Wagner:
[1:41:00] Der kleine Heinrich ist weg und dann sind das halt noch, die Lampenstube ist noch dementsprechend da, die Schwarzkauer ist noch da, die Weißkauer ist im unteren Bereich noch da und dann, einige an dem Gebäude noch, die alte Arbeitssicherheit, die beiden Häuser sind noch da, der Fuhrpark, der unten gewesen ist, also ihre Schachtanlage hat einen eigenen Fuhrpark gehabt, meistens immer grüne Autos, grüne Minder haben wir dazu gesagt. Die eigene Werksfeuerwehr, das Gebäude ist dann dementsprechend, die alte Schreinerei ist hinten noch da mit dabei, die aber da noch unter Bergrecht stehen. Dann gibt es das Maschinenhaus noch von den Fördermaschinen oder von dem Förderturm Heinrich mit der alten Siemens-Fördermaschine noch mit da drin, sieht übrigens auch toll aus. Und das große Kompressor, die Kompressorhalle ist dementsprechend auch noch da. Also einiges an Gebäuden, was da noch stehen, ganz vergessen, das Betriebsratsgebäude ist auch noch da, also das ist auch noch da, mit ihren schönen Rundbögen. Und alle Gebäude, die man jetzt noch sehen kann auf Heinrich-Robert, die bleiben tatsächlich auch jetzt stehen, weil sie dann alle noch unter Denkmalschutz, stehen und auch von dem Jürgen Tempelmann her übernommen werden, wenn er es dann nicht noch vermarktet.

Michael Holtkamp:
[1:42:21] Ja, es ist auch ein ziemlich großes Gelände.

Volker Wagner:
[1:42:24] Ja, weit aus.

Michael Holtkamp:
[1:42:25] Fürst Leopold ist ja hier nicht in der Stadt, aber ist praktisch direkt am Stadtrand, also direkt auf der anderen Straßenseite ist halt die ehemalige Bergmannssiedlung etc. Die Altstadt ist direkt auf der anderen Kanalseite und so. Heinrich Robert ist ja glaube ich so ein bisschen, zum einen ist es ein sehr großes Gelände, ich glaube auch gut angebunden.

Volker Wagner:
[1:42:49] Hat auch damals mal eine eigene Kokerei dabei gehabt.

Michael Holtkamp:
[1:42:51] Oh ja, okay.

Volker Wagner:
[1:42:53] Deswegen auch das Geländer auch ziemlich groß.

Michael Holtkamp:
[1:42:57] Okay, und du bietest, ich glaube, morgen steht schon die nächste Führung an, du bietest regelmäßig welche an. Du bist gut informiert.

Volker Wagner:
[1:43:03] Ja, du bist gut informiert. Tatsächlich, morgen ist wieder um 14 Uhr, jetzt gerade über die warmen Tage mache ich die dann alle 14 Tage bis im Oktober so im Endeffekt rein. Und die kann man dann da buchen über das Café, der Wendel, ich selber mache das alles ehrenamtlich. So wie ich den Job dann auch in Oberaden mache, da in dem Museum. Ich finde, dadurch habe ich eine gute und schöne Freizeitgestaltung, die mich hier ausfüllt, die mir da auch Spaß macht. Und wie gesagt, alle 14 Tage und morgen ist tatsächlich wieder um 14 Uhr, geht es wieder los und dann machen wir da auch wieder eine Führung.

Michael Holtkamp:
[1:43:44] Dann ist die Folge noch nicht veröffentlicht worden. Ich brauche ein bisschen länger morgen. Es ist noch nicht online, aber es gibt da noch weitere. Das heißt, wenn Leute da gerne teilnehmen würden, dann können sie entweder, ich verlinke das, ich habe gesehen auf Facebook, beim Kreativrevier selber wird die Veranstaltung angepriesen.

Volker Wagner:
[1:44:02] Angepriesen, aber buchen kann man die über das Café de Wendel.

Michael Holtkamp:
[1:44:05] Habe ich gesehen. Ist da auch die Webseite von denen ist da wiederum verlinkt. Das Café de Wendel befindet sich in der Lohnhalle bei euch.

Volker Wagner:
[1:44:12] Ja, ist aufgebaut im Stil der 50er Jahren, also so eine gewisse Zeitepoche ja auch angepasst und die machen dann dementsprechend die Vermarktung oder beziehungsweise die bieten dann auch die Führungen an.

Michael Holtkamp:
[1:44:29] Okay. Also ich werde das alles verlinken. Das heißt, wenn jemand Interesse hat, weiß er, wo er nachschauen muss.

Volker Wagner:
[1:44:37] Ja, super.

Michael Holtkamp:
[1:44:40] Ich habe jetzt noch nicht einmal in meine Notizen geschaut. Ich hätte noch ein paar Punkte.

Michael Holtkamp:
[1:44:45] Gibt es irgendwas, worüber du noch unbedingt sprechen möchtest? Wir haben ein paar Sachen gesprochen. Also wir haben zum Beispiel über technologischen Wandel schon ein bisschen gesprochen. Du hattest auch den Kanarienvogel, den inzwischen sprichwörtlichen Kanarienvogel erwähnt. Lange Zeit wurden ja auch noch andere Tiere, insbesondere Pferde, unter Tage eingesetzt. Also im Gegensatz zu dem Vogel für wirklich schwere Arbeit. Aber das hast du nicht mehr miterlebt. Du hast 1983 deine Lehre begonnen.

Kanarienvögel und Grubenpferde

Volker Wagner:
[1:45:17] Nee, also das letzte Grubenpferd ist ja 1966 auf der Schlachtanlage General Blumenthal hier in Recklenhausen. Ein mediales Ereignis aus der Grube herausgekommen.

Michael Holtkamp:
[1:45:28] Ach so.

Volker Wagner:
[1:45:28] Und hieß Tobias.

Michael Holtkamp:
[1:45:30] Tobias.

Volker Wagner:
[1:45:30] Also das Pferd, Tobias. Dann hat er noch fünf Jahre lang bei einem Reviersteiger, auf seiner Koppel noch gelebt. Also Gnadenbrot bekommen. Also deshalb ich nicht mehr. Ich habe da keine Pferde mehr gesehen. Ja, obwohl ich bei mir im Geschichtsreis habe ich da noch Leute, die haben tatsächlich zumindest noch die Pferdestelle unter Tage gesehen,

Volker Wagner:
[1:45:51] die sind da mittlerweile alle über 80 und die kennen das noch. Ja, unvorstellbar eigentlich, du bist ja früher auf der Zeche, bist du mit 14 Jahren, bist du auch im Püt angefangen. Mit 14? Und teilweise sind die dann direkt nach dem Kriege dann nachher aus Zelle, aus Preußen und aus Schlesien sind die alle hier runtergeflüchtet und teilweise sind die Jungs dann nachher ohne Vater und Mutter hier runtergekommen und haben hier im Ruhrgebiet, in ledigen Heimen haben die gewohnt, den sogenannten Bullenklostern. Dann gab es noch ein paar Frauen, die haben sich da um die Kinder gekümmert. Das waren Kinder, die waren 14 Jahre alt. Und dann mussten die auf der Zeche arbeiten. Zu Hause haben die nichts mehr im Kühlschrank für die Jungs gehabt. Nach dem Krieg war es sowieso Armut.

Pferdejungen und Bullenklöster

Michael Holtkamp:
[1:46:35] Das heißt, das hatte nichts mit deren Größe zu tun. Also man brauchte nicht Bergleute, die noch nicht ausgewachsen sind, sondern es war einfach eine ökonomische Realität.

Volker Wagner:
[1:46:44] Körperlich musstest du schon da auch mit 14 Jahren in der Lage sein, dann unter Tage, ich sag mal, ja gut, zu richtig schweren Arbeiten sind die auch nicht herangezogen worden. Du bist mit 14, bist du angefangen als Pferdejunge. Du hast ein Pferd gekriegt und musst dir sich drum kümmern. Du musst das Striegel umpflegen und leistungsfähig halten und musst dann mehrmals die Schicht von der Produktion stecken, dann zum Schacht mit einem Förderwagen musst du mit dem Pferd dann dahin, musst du sie eben begleiten.

Michael Holtkamp:
[1:47:11] Dafür waren die Pferde da, die haben die Förderwagen, die Lohren gezogen.

Volker Wagner:
[1:47:14] Die haben die Lohren gezogen, genau. Also Logisten und dann Material wieder von den Schächten dann nachher eine Reviere reingebracht. Dafür waren die, also was heute Lokomotiven unter Tage gewesen oder bei uns gewesen sind, war in der alten Zeit dann eben auch die Logistik, das fährt.

Michael Holtkamp:
[1:47:30] Ja.

Volker Wagner:
[1:47:32] Mit 14, da muss man sich heute noch, sag mal deinem Sohn heute mit 14, ich hab nichts mehr im Kühlschrank für dich, such du mal irgendwo Arbeit und sieh mal zu, dass du dann irgendwie einen Job kriegst. Das Einzige, was der macht, oder was, der zeigt dich an, wegen unterlassener Fürsorgepflicht.

Michael Holtkamp:
[1:47:47] Ja, schwer vorstellbar. Ich bin mit 16 als Austauschschüler für ein Jahr ins Ausland gegangen, in die USA.

Volker Wagner:
[1:48:00] Ja, cool.

Michael Holtkamp:
[1:48:00] Und war damals, also ich würde nicht sagen, dass ich zu jung war oder so, aber rückblickend ist man mit 16 halt schon echt jung. Aber ich musste nicht mein eigenes Geld verdienen oder so. Für mich, das war ein riesiges Privileg.

Volker Wagner:
[1:48:16] Aber die waren auf sich allein gestellt.

Michael Holtkamp:
[1:48:18] Ja, genau.

Volker Wagner:
[1:48:18] Mit Vater, ohne Mutter.

Michael Holtkamp:
[1:48:20] Ja, das meine ich. Ist nochmal was ganz anderes.

Volker Wagner:
[1:48:23] Genau so ist das. Also eine ganz andere Generation. Hut ab.

Das Erbe von Maloche und Solidarität

Volker Wagner:
[1:48:28] Also ich habe auch vorhin schon gesagt, auf deren Wohlstand wir uns heute noch ausruhen können. Wir sind ja heute manchmal sehr sensibel, wenn es um Krisen geht, um was auch aushaltbar wäre. Wir als Gesellschaft und wir so als Gemeinschaft. Und deswegen preise ich das immer so auch bei den Besucherführungen an, der Zusammenhalt der Bergleute. Es gab ja nicht nur schöne Schichten unter Tage, sondern es gab auch ganz richtige, miese Schichten. Und wir haben alle gemeinschaftlich in einem Boot gesessen. Auf hoher See würde man das so sagen. Ja.

Volker Wagner:
[1:49:03] Und wir haben aufeinander aufgepasst. Und also die Fürsorge, die du da erfahren hast, also eine tolle Kameradschaft und, die Leistung, die körperliche Leistung, die da erbracht worden ist, das war ja nun mal auch keine Schokoladenfabrik. Und die körperlichen Gebrechen, die die Alten jetzt haben. Mein Vater ist 86 Jahre alt, da kriegt die Arme nicht mehr gerade, weil die Pressloffschäden von dem Pressloffhammer in den Gelenken sind dann dementsprechend so verschlissen, dass er heute die Arme nicht mehr gerade kriegt. Geht krumm, weil er sich kaputt mal los hat. Knochen im Bergbau gelassen. Und früher, er war auch noch einer von den Jungen, hat seine Familien durch seinen Gehalt dann dementsprechend, was er auch für sich verdient hat, hat er die dann auch noch unterstützen müssen. Er kennt heute keiner mehr oder Kost Geld, was gezahlt worden ist. Gib mal was von deinem Geld ab und hast den Vater und Mutter noch davon unterstützt. Also das sind diejenigen, die nach dem Krieg dann dafür gesorgt haben.

Volker Wagner:
[1:50:03] Auf etwas zu verzichten, Leid zu ertragen, damit es uns heute besser geht. Das, was wir heute alle haben, ob wir 30 Tage Tarifurlaub haben, Das nehmen wir heute so als selbstverständlich an. Dass wir heute in der Lage sind, mit unseren Gehältern, die wir verdienen, zwei-, dreimal im Jahr im Urlaub zu fahren. Dass wir heute in der Lage sind, ich sage mal, eigenständig selber ein Auto zu fahren. Dass wir in der Lage sind, unseren Kindern heute eine Schulausbildung zu finanzieren, sie auch finanziell zu unterstützen. Und dass wir heute in der Lage sind, ein eigenes Haus zu haben und die Generationen, vor uns, also mein Vater.

Volker Wagner:
[1:50:49] Dafür gesorgt haben, dass wir das heute so auch so haben, sollten wir einfach nicht vergessen. Und da sollten wir auch dankbar für sein. Und in diejenigen, die da meinen, dieser Solidargemeinschaft, oder unsere Demokratie jetzt in Frage zu stellen, weil wir jetzt gerade so einen Leidensweg haben. Und man denkt, man müsste politisch in eine Richtung schwenken, die wir auch schon mal hatten, die uns aber allen nicht gefallen hat, die ja noch Leid und Elend gebracht hat. Dann sollen diejenigen, wo mein Vater für gekämpft hat, dass wir heute gerechte Löhne haben, dass wir Urlaub haben. Mein Vater hat, der ist auf der Säche angefahren, der hat 15 Tage Urlaub gekriegt. Mehr nicht. Kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld. So gab es nicht. Nur durch die Errungenschaften innerhalb einer Demokratie, dass die Arbeiterschaft auch gerecht an diesem Gesamtgewinn beteiligt wird, nicht nur ausgenutzt wird, haben diese Generationen erkämpft. Nicht ich. Ich war es nicht. Und die Generation Z schon mal gar nicht. Und wenn sie da nicht mit einverstanden sind, mit dieser Grundeinstellung.

Volker Wagner:
[1:52:16] In einem demokratischen Land zu wohnen, in Frieden und Freiheit. Dann sollen sie am Montagmorgen wieder zu einem Chef hingehen und sollen sagen, pass auf, wir fangen wieder von vorne an. Von null fange ich an. Ich will keine 30 Tage Urlaub, ich brauche kein Weihnachtsgeld und ich brauche kein Auto und weiß ja ich noch was, und ich fahre jetzt mit dem Fahrrad zu arbeiten. Und da ist mir auch egal, ob mein Sohn dann nachher, ich sag mal, eine Bildung hat oder keine Bildung hat. Da verzichte ich alles. Wenn, dann will ich mir das selber erkämpfen. Dann sollen sie am Montagmorgen ihren Chef sagen, Aber nicht einfach, weiß ja ich nur was, dann in einem Winkel hier abzurutschen, unsere ganze Demokratie in Frieden und Freiheit zu leben, in Frage zu stellen und dann gleichzeitig, weiß ja ich nur was, etwas zu fordern oder Ungerechtigkeit. Und alles auf Integration und Migration auf die Ausländer zu schieben oder weiß ja ich nur was, ist eine Unverschämtheit. Hat übrigens auch für Zeche auch nicht funktioniert oder hat gut funktioniert, die Integration und Migration. Das waren meine Kumpels gewesen. Und mir war das völlig scheißegal gewesen, wenn ich unterm Bruch gelegen habe, wer mich da rausgezogen hat, ob das ein Türken, Jugoslawen, Polo oder Italiener gewesen ist. Und das waren auch meine Kumpels. Und er wusste ganz genau, ich hätte auch das für ihn getan. Und wenn wir aus der Grube rausgekommen sind, haben wir alle gleich schwarz im Gesicht ausgesehen. Da hast du gar nicht mehr gesehen, aus welchem Land da gekommen bist. Ker, Mensch, du, wir haben alle einen Kopf auf dem Rumpf, zwei Arme am Körper.

Volker Wagner:
[1:53:40] Wir sind alle Menschen. Also irgendwo sollten wir auch mal auch darauf hören, was unser Herz uns sagt und wie wir mit Menschen untereinander umgehen sollten. Und das hat auf dem Bild hervorragend geklappt. Und das würde auch in unserer Gesellschaft klappen. Ja, aber wenn jeden… Wegen jeder kleinen Krise alles in Frage zu stellen, Renten in Frage zu stellen, Gesundheitssysteme in Frage zu stellen. Egal wer das in jetziger Situation macht, der sitzt vor dem gleichen Scherbenhaufen. Und das ist, ich sag mal, doch nicht mehr ansatzweise eine Krise, so wie unsere Väter oder Großväter, die dann nachher noch einen zweiten Weltkirch erlebt haben oder was, durchlaufen haben. Ja, das, was wir haben oder was, ist dagegen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber dafür unsere Demokratie aufzugeben und zukünftig nicht mehr in Frieden und Freiheit zu leben, halte ich für… Gewaltig verschärfte Situation und absolut undankbar gegenüber unseren Vätern und Großvätern.

Michael Holtkamp:
[1:54:45] Du meinst, wir laufen vielleicht meine Generation, ich bin ja noch ein bisschen jünger als du, meine Generation und vielleicht die noch jüngeren, laufen Gefahr jetzt mit der Fotos umzuschmeißen, was frühere Generationen, mit den Händen aufgebaut haben. Weil wir vielleicht nicht krisenerprobt sind, nicht so sehr, oder weil wir nicht zu schätzen wissen, was wir haben. Dabei ist es ja, andererseits haben wir ja, also das, was du beschrieben hast, das, was wir, den Wohlstand, den wir jetzt genießen, der ja erstmal aufgebaut werden musste. Wir haben ja gerade schon über Importkohle gesprochen, die aus Ländern stammt, wo zum Beispiel die Sicherheitsstandards viel geringer sind, als sie es hier waren oder sind. Und es gibt ja auch noch andere Dinge. Wir importieren viele verschiedene Dinge, die produziert werden unter Bedingungen, die wir hierzulande vielleicht mal hatten, aber sie jetzt nicht mehr wollen. Und da stellt sich dann auch die Frage, kaufe ich diese Dinge nicht mehr oder zumindest nicht, wenn sie von dort stammen oder tue ich es vielleicht sogar genau deswegen, damit, das dort bestehen bleibt Und damit die weiterhin die Möglichkeit haben, etwas zu entwickeln und vielleicht.

Michael Holtkamp:
[1:56:04] Bessere Sicherheitsstandards oder Mitbestimmungsrechte zu erstreiten oder so. Ist ja nicht… Also klar, wenn wir nur Deutschland betrachten, das ist ja im Wesentlichen das, was du beschrieben hast, dann ist das im Wesentlichen der historische Ablauf, aber ist ja nicht so, als gäbe es nicht anderswo auf dieser Welt, Regionen, die eher in der Situation sind, in der wir von einem halben Jahrhundert, oder wann auch immer mal waren in der einen oder anderen Hinsicht. Ja, absolut.

Volker Wagner:
[1:56:45] Und daraus kaufen wir dann zum Beispiel, wie du auch gesagt hast, unsere Energiehote aus den Bergwerken, wo dann, ich sag mal, die Sicherheitsstandards eben halt nicht so hoch sind und so groß sind. Und die einen oder anderen kaufen dann eben die T-Shirt oder ihre Jeanshose aus Ländern, wo dann dementsprechend, ich sag mal, Löhne unter aller Sau bezahlt werden. Und was ja ich noch, was auch der Kinderarbeit dahintersteckt. Das muss jeder mit seinem eigenen Gewissen, muss das dementsprechend verantworten können, was er dann auch tut. Aber man muss es sich doch auch mal bewusst werden. Man kann sich nicht immer nur in unserer Gesellschaft die Rosinen hier rauspicken. Sondern man muss ja, ich sag mal, in einer Solidargemeinschaft muss man auch sehen, dass man auch eine Eigenleistung mit hereinbringt. So, wir haben noch nie so viele Millionäre und Milliardäre hier in Deutschland gehabt wie die.

Volker Wagner:
[1:57:35] Wie jetzt eben. Und irgendwo müssen wir auch sehen, dass die Schere zwischen Arm und Reich in einer Solidargemeinschaft nicht zu weit auseinander gehen. Dass die auch ihr Moos verdienen müssen oder weiß ich noch was, mag ja auch alles so in Ordnung sein. Aber es mag ja auch in Ordnung sein, dass auch mal eine Scheibe mehr abgeben an diejenigen, die im Endeffekt ich sag mal, ja weniger in der Tasche drauf haben. Und die ganzen Gesundheitssysteme, Rentensysteme, das betrifft ja jetzt alles im Endeffekt aber auch den kleineren Mann mit seinen an kleineren, geringeren Rente, um dann diesen Sozialapparat, ich sag mal, aufrechtzuerhalten, da muss das gerechter werden. Und gerechter kann man das auch teilen in einer Solidargemeinschaft, damit wir gemeinschaftlich in einem Pott einzahlen und nicht nur immer der eine hier bluten muss, der kleinere Arbeitnehmer dann dafür bluten muss, sondern der muss auch das Gerechtigkeitsgefühl haben. Aber nochmal, die Gefahr oder beziehungsweise, ich sag mal, das Einfachste ist, mit Fingern auf andere Menschen zu zeigen und in diesem Fall sind das hier auch Ausländer. Wie lange haben wir schon die Diskussion mit Ausländern hier gehabt? Und gerade wir Deutschen müssen uns da erstmal am Kopf packen. Und das kannst du nachlesen in den Büchern des Grauens von 39 bis 45, was es so bedeutet, mit Ausländern hier umzugehen. Also ich möchte hier nicht, dass später mal die braunen Trommler mit ihrem Pritschenwagen wieder durch meine Straße fahren. Da habe ich keinen Bock drauf.

Michael Holtkamp:
[1:59:00] Ja, glaube ich. Ich auch nicht.

Volker Wagner:
[1:59:02] Also ich sage mal so. Da muss ich aber auch dafür bereit sein, für meine Demokratie und für meinen Sozialstaat und Frieden und Freien meinen Eigenanteil dann dementsprechend zu bringen. Und muss mich nicht immer verblenden lassen von irgendwie YouTube und Facebook, und weiß halt nicht noch, was das alles für Dinger sind. Ich bin da nicht so ganz Profi. Aber ich sage mal, manchmal denke ich auch, da ist so ein Gehirnwäschedinger, was da im Endeffekt abläuft. Dass da dann immer mit Fake-Use, wer der Schuld hier überall ist, ich sage mal, Parteien in den Himmel gehoben werden, die meines Erachtens überhaupt keine Ahnung haben, noch nicht mal eine Historie haben hier an unserer Geschichte. Nur wieder mit den alten Parolen, die wir schon 1939 und 1945 hatten, versuchen, weiß ich noch was, eine gewisse Gesellschaft hier bei uns im Land ans Kreuz zu nageln. Und darüber, weiß ich noch was, bin ich zumindest einer, der sich gerne dagegen wehren möchte.

Michael Holtkamp:
[2:00:03] Ja, ich bin ganz bei dir.

Volker Wagner:
[2:00:06] Wir sind politisch geworden. Wir wollten ja eigentlich über Beepo sprechen.

Michael Holtkamp:
[2:00:09] Ja, aber ich glaube.

Volker Wagner:
[2:00:10] Ich kriege die Kurve da wieder hin zurück. Also Zeche, Bergmann zu sein, das war nicht nur ein Job, das war eine Lebenseinstellung. Wie wir untereinander, miteinander umgehen.

Michael Holtkamp:
[2:00:25] Gibt es das irgendwo, meinst du, dass es das heutzutage noch irgendwo anders gibt, in irgendeiner anderen Industrie? Also sagen wir mal so, in beruflicher Hinsicht hatte ich das nie, aber ich habe meine ganze Jugend hindurch Basketball gespielt und sehr, sehr gerne und musste dann aufhören, als ich 18 war und habe lange Zeit versucht, einen Ersatz zu finden. Also für eine sportliche Betätigung habe ich das auch geschafft, das ist nicht so schwer, aber ich habe nie einen Mannschaftssport, also aufgrund meiner Sehbehinderung, nie einen Mannschaftssport gefunden, den ich ausüben konnte oder der mir, annähernd so viel Freude gemacht hätte wie Basketball damals. Und ein Teil dessen, was ich vermisse, ist eben diese Mannschaft. Auch wenn es eine relativ kleine, vielleicht zwölf Leute waren es vielleicht, eine recht kleine Mannschaft ist, verglichen mit den hunderten von Bergleuten, die auf einem Püt gearbeitet haben. Aber gibt es sowas? Oder stell dir vor, es wäre 2026, aber du wärst jetzt so alt, wie du 1983 warst und du deine Lehre begonnen hast und, du tickst, wie du tickst, du überlegst dir, was du beruflich machen willst und vielleicht, bist du gerne bereit, körperlich zu arbeiten, du bist gerne bereit, ein gewisses gesundheitliches Risiko einzugehen.

Michael Holtkamp:
[2:01:46] Du willst nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, was auch immer und dir ist vielleicht diese Solidarität oder dieses Gemeinschaftsgefühl wichtig, Wo würdest du jetzt hingehen? Den Bergbau gibt es nicht mehr? Also gibt es irgendwas Vergleichbares? Die Bundeswehr oder das Militär wirbt gerne mit so einer Art von Gemeinschaftsgefühl.

Volker Wagner:
[2:02:12] Das ist tatsächlich so. Also ich bin doch noch einer, der der Wehrpflicht machen musste und im Nachhinein gerne machen musste, war auch dazu bereit. So da zu sein und da habe ich tatsächlich die gleiche oder die ähnliche Kameradschaft erfahren, so wie es offiziell auch gewesen ist. Kann man damit vergleichen. Man sagt ja immer, keiner wird zurückgelassen, die gleiche Mentalität haben die auch.

Michael Holtkamp:
[2:02:40] Ich wurde ausgemustert, deswegen habe ich es nicht selber erlebt, aber ich glaube es.

Volker Wagner:
[2:02:44] Also ich war neben euch an der Weser, Panzer generiere und habe den Schützepanzer Mada gefahren.

Michael Holtkamp:
[2:02:52] Damals war es noch ein bisschen länger, ne? 15 Monate?

Volker Wagner:
[2:02:55] 15 Monate, ja. Ich war noch drei Monate dabei in Shiloh in Kanada, musste ich da dementsprechend Manöver fahren. Also das war im Endeffekt die gleiche Kameradschaft, die auch, deswegen fiel mir das auch recht leicht, glaube ich, so da zu sein. Weil da brauchte ich das aufeinander passend nicht abzulegen und keiner wird zurückgelassen brauchst du da nicht abzulegen.

Michael Holtkamp:
[2:03:20] Ja also ich also ich bin.

Volker Wagner:
[2:03:23] Also ist so ähnlich so von der Kameradschaft dieser Zusammenhalt wie Halszeche und ich glaube auch es gibt auch mit Sicherheit Berufszweige wie weiß ich noch was bei Tüssenkrupp oder so die Kumpels aus der Stahlindustrie das sind ja, so eine ähnliche Mentalität vielleicht haben.

Volker Wagner:
[2:03:42] Aber es ist eine andere Situation, im Endeffekt Bergmann zu sein, unter Tage zu arbeiten. Und wir haben ja auch, ich sag mal, wenn wir um Grubenunglücke sprechen oder große Grubenunglücke, gab es ja auch innerhalb des Bergbaus. Es gab auf Heinrich Robert tödliche Unfälle, ich glaube 1952 bis 17 Toten. Und ein Jahr später sind auch zehn von denen auch erst wieder gefunden worden und auch erst wieder aus der Grube herausgekommen worden, weil die verschüttet waren. Ich selber komme ja aus Bergkamen, habe ich ja gesagt. Und nebenan war ja die Schachterlage Grimberg 3-4 gewesen. Im Volksmund Zeche Kuckuck genannt. Und Kuckuck, Und entstand daher, bei der Schachttäufung sind die Kumpels dann immer zur Arbeit hingegangen, nach Grimberg 3.4. Und dann hat er auf dem nahen gelegenen Wald, hat immer der Kuckuck gerufen. Und irgendwann haben die gesagt, wir müssen wieder zu Kuckuck. Und nicht mehr nach Grimberg 3.4. Genau, der Spitzname.

Grubenunglücke

Michael Holtkamp:
[2:04:47] Und da gab es ein großes Unglück.

Volker Wagner:
[2:04:50] Da war das größte Grubenunglück in der Geschichte des deutschen Steinkohlenbergbaus. Also am 20.02.1946, damals unter englischer Besatzung. Also nicht nur während des Zweiten Weltkrieges mussten, die Bergleute, dafür ackermalochen, sich kaputt machen, um die Kriegsmaschinerie der Nationalsozialisten aufrechtzuerhalten, sondern auch nach dem Krieg waren sie dafür zuständig, Reparaturzahlungen zu leisten.

Michael Holtkamp:
[2:05:22] Wenn du sagst, Heinrich Robert war unter britischer Besatzung, also ganz in der W war ja Teil der britischen Besatzungszone.

Volker Wagner:
[2:05:28] Ja, Grimberg 3-4 auch. Und Grimberg 3-4 dann dementsprechend auch.

Michael Holtkamp:
[2:05:32] So wie wahrscheinlich alle anderen Bergwerke auch letztendlich.

Volker Wagner:
[2:05:35] Ja, genau. Auch unter englischer Besatzung gewesen sind, also vorzeitig hier im Ruhrgebiet. Und da hat am 20. April 1946 das größte Grubenunglück in der Geschichte, der deutsche Steinkohlenbergbau stattgefunden. Und Schlagwetterexplosoren, so wie ich das gerade schon irgendwo mal beschrieben habe, mit dem Methangas, was sie entzündet hat. Und Zeitzeugen sagen, dass die Kumpels morgens dann auf der 1000-Meter-Sohle in fast einen Meter tiefen Kohlenstaub mussten die dann zur Arbeit, dann mussten die da durchschlendern. Und Kohlenstaub reagiert dann ungefähr so, wenn das hochschmeißt, ist es sehr fein, Staub eben, und wenn du ein Feuerzeug drunter hältst, dann entzündet sich das auch so. und sieht ungefähr so wie so eine Wunderkerze dann heraus.

Michael Holtkamp:
[2:06:21] Und das ist aber an sich ungefährlich, wenn da kein CH4, kein Methangas.

Volker Wagner:
[2:06:27] Ja, sobald da ein Funken entsteht, also diese Explosion, und das war eben der ausschlaggebende Punkt, das Methangas hatte sich entzündet, es gab eine Verpuffer, eine Explosion. Und dann in einem Stollensystem, zunächst erstmal kommt erstmal die Druckwelle durch die Explosion. Und die hat dann den ganzen Kohlenstaub dann aufgewirbelt. Und danach, nach der Druckwelle, kommt dann die Feuerwalze und die ernährt sich dann kontinuierlich von dem aufgewirbelten Kohlenstaub, sodass bis zum Schluss dann nachher aus Schacht 3 von Grimberg eine 300 Meter hohle Stichflamme rauskam. Und alles, was dazwischen gewesen ist, in den Stollensystemen, also meine Kumpels, meine Bergleute, unsere Bergleute, die haben da nicht mehr gelebt. Also 405 Tote auf einen Schlag. 405 Tote auf einen Schlag. Komplette Frühschicht vernichtet. So, und das Schlimmste, was eine Bergarbeiterfamilie passieren kann, also nicht nur, dass der Vater, der Sohn, der Bruder, der Onkel dann morgens, nicht mehr, der Ehemann nicht mehr, außer das letzte Mal gesagt hat, bevor zur Arbeit gekommen ist, Glück auf, heute Mittag bin ich wieder zu Hause. Der ist nie wieder nach Hause gekommen. Noch heute liegen 350 unserer Kumpels in den Stollensystemen von Grimberg 34 immer noch unter Tage. Die sind nie rausgekommen, 350.

Michael Holtkamp:
[2:07:56] Warum? Weil das nicht mehr begehbar ist nach Schlagwetter oder weil sie verschüttet sind?

Volker Wagner:
[2:08:00] Weil es dann kaputt ist. Und aber auch durch die hohe Hitze ist ja wie so ein Krematorium. Da sind die also, ich sag mal, zu Asche dementsprechend verbrannt. Und viele auch verschüttet, die du halt nicht mehr gefunden hast. Und man ist dann noch nicht mehr reingegangen. Und das ist das Schlimmste, was an der Bergarbeiterfamilie passieren kann. Du kannst noch nicht mal, ich sag mal, du hast ihn morgens das letzte Mal gesehen und er kommt nie wieder, noch nie mehr tot nach Hause. Du kannst ihn nicht mehr ehrenvoll verabschieden, du kannst ihn nicht mit deiner Familie beerdigen und nochmal würdevoll Abschied nehmen. Das kannst du alles nicht mehr. Und wir haben jetzt hier vom Geschichtpreis…

Michael Holtkamp:
[2:08:39] Das ist ja die halbe Stadt betroffen, 405 Bergleute.

Volker Wagner:
[2:08:42] Absolut.

Michael Holtkamp:
[2:08:45] Wann war das?

Volker Wagner:
[2:08:47] 20.02.1946, ja.

Michael Holtkamp:
[2:08:49] Ach ja, sagtest du.

Volker Wagner:
[2:08:51] So, und dann ist dann anschließend Spenden gesammelt worden, 1946. Die Sozialverbände wie Knappenvereine, das waren die ersten Sozialverbände, die Bergleute hatten. Wenn du mal krank warst oder was, hast du zu Hause, weil, Wenn du heute krank bist, dann kriegst du dann dein Krankengeld. Oder kriegst du dann dementsprechend von Arbeitgebern weiterhin dein Gehalt gezeichnet. Also das ist auch das, was die Arbeitgeber bzw. Die Gewerkschaften mit erkämpft haben. Habe ich vorhin vergessen. Die, die das nicht zu schätzen wissen, müssen das am Roter Morgen auch nochmal ihren Chef sagen. Dass sie dann, wenn sie krank werden, das auch aus eigener Tasche bezahlen.

Michael Holtkamp:
[2:09:30] Ja.

Volker Wagner:
[2:09:33] Also es gab damals eine Spendensammlung 1946 und die ist aber allerdings dann 1948 bei der Währungsreform praktisch verpufft, also war das Geld auch nichts mehr wert. Aber was hängen geblieben ist, ist, dass ein Textilunternehmer hat dann damals drei Stoffballen, war ja direkt nach dem Krieg, drei Stoffballen gespendet, blau mit weißen Blümchen. Ja. Und die Frau Menzel aus der Bercharbeiterkolonie Schönhausen in Berchgaben-Werdig-Hofen, die konnte nähen und dann hat die auf ihrer Faf-Nähmaschine, hat die dann für die Kuckuckwitven, Also für die Frauen der toten Bergleute, hat die dann Kleider genäht.

Michael Holtkamp:
[2:10:19] Wow.

Volker Wagner:
[2:10:19] Und du konntest nachher im Stadtgebiet ganz genau erkennen, welche Frau von diesem Grubenunglück betroffen waren. Die hatten alle die gleichen Kleider an.

Michael Holtkamp:
[2:10:32] Also irgendwie, was weiß ich, 200, 300, Frauen.

Volker Wagner:
[2:10:37] Genau, Frauen, alle die gleichen Kleider an. Und wir haben jetzt Spenden gesammelt, da sind wir richtig stolz drauf. Innerhalb von einem halben Jahr haben wir da über 80.000 Euro gesammelt. Wir machen jetzt einen Erinnerungsort, weil von der Grimberg 3, 4 von dieser Schachtanlage politisch nichts mehr da ist. Obwohl das so ein historischer Ort ist. Und man spricht auch, ich sag mal, man hat auch viel, die erforschen sowas, hier Low’s Place oder Dark Place. Und das sind besondere Erinnerungsorte und die sind in Vergessenheit, weil man nichts mehr davon sieht. Kein Schacht mehr, keine Gebäude mehr und weiß nicht noch was. Und ich habe gerade gesagt, da liegen immer noch 350 Kumpels unterhalb, Massengrab unterhalb vom Bechtam. Und keiner erinnert sich dann irgendwann mal dran. Und da haben wir jetzt ein Projekt gestartet, wir machen also zwei Bronzestatuen bzw. Gruppenstatuen, einmal die Bergleute, die wir dann von einem Künstler gestalten lassen nach unserer Vorstellung.

Volker Wagner:
[2:11:36] Und aber auch die Kuckuckwitfenbäume da berücksichtigen. Und das sind wir eigentlich einzigartig, wir sprechen immer von den toten Bergleuten, aber das Schicksal der Frauen, da mal zu betrachten, was sie denn damals an Last tragen mussten. Und das finde ich schon bewundernswert, dass sie, obwohl der Haupternährer weggefallen ist, tot auf dem Pütt, Dennoch in der Lage waren, ihre Kinder groß zu ziehen. Egal wie. Das ist Leid. Das ist, ich sag mal, wirklich ein Lebensabschnitt mit Mut und Kraft zu durchlaufen, mit der Plage an der Hand und sich selber zu sagen, irgendwie muss ich das jetzt schaffen und ich schaffe das. Weißt du? Um mit der heutigen Zeit gar nicht mehr zu vergleichen. Und da machen wir jetzt auch nur Gruppenstatuen für die besonderen Kuckuckwitfen. Und wir sind in der Lage, in dieser Bronze dann nachher diese Patina von diesem Blau mit weißen Blümchen mit darzustellen. Das, was die Kuckuckwitfen damals mal so ausgezeichnet hat.

Michael Holtkamp:
[2:12:47] Wow. Und das soll eine, also auch davon hatte Andreas mir mal erzählt, als du, also dass du, ich frage auch viel, er hatte mal erwähnt, dass du versuchst, das Geld dafür zusammen zu bekommen, das freut mich, das hat jetzt geklappt.

Volker Wagner:
[2:13:06] Ja, das haben wir. Künstler ist fleißig dran, wir haben auch schon mal ein Mal eine Sichtung gemacht, zumindest, ich sag mal, die Kinder dann her, also Kuckuckwitwe mit ihren Kindern, ist schon etwas weiter fortgeschritten und dann werden wir in den nächsten Wochen, auch da schon wahrscheinlich die Frauen und die Kinder, also die Skulpturen dann nachher auch. Gießen können, in einer Gießerei. Alles noch Geheimprojekt, weil wir wollen sie ja immer mal enthüllen, also nächstes Jahr wird man da auch eine würdevolle Veranstaltung dann nachher zu machen und ja, wir sind da auf einem guten Weg.

Michael Holtkamp:
[2:13:48] Nächstes Jahr, also irgendwann 2027.

Volker Wagner:
[2:13:51] 2027 werden wir das dann machen, ja.

Michael Holtkamp:
[2:13:53] Steht schon fest, wo sie dann zu stehen kommen?

Volker Wagner:
[2:13:55] Ja, Standort Hamburg, also unsere Vorstellung war, wir wollen unbedingt auf das alte Gelände, obwohl da wird jetzt eine Wohnsiedlung, wird dann neu gemacht, wollten wir ja dann zumindest auf dem alten Werksgelände von Grimberg 34, wollten wir da einen Standort finden, wo wir die Skulpturen dann aufstellen. In der heutigen Zeit muss ja auch aufpassen, dass die nicht morgen wieder weg sind. Das ist ja Bronze. Wir werden die auch Alarm sichern, weil das hat ja auch schon ein paar Mark gekostet. Und wir haben tatsächlich einen guten Platz da gefunden vor so einer Bäckerei, nicht vor so einer, sondern Bäckerei Braune, so heißt die, bei der Wohnfolge GmbH, die haben so ein schönes, großes Rondell da vorne und tatsächlich noch, auf dem ehemaligen Gelände ist dann das entstandene Immobilie von Grimberg 34 und die stellen uns das kostenlos zur Verfügung, dass wir die Bronze dann anschließend dort aufstellen können.

Michael Holtkamp:
[2:14:49] Schön. Freut mich.

Volker Wagner:
[2:14:50] Ja, mich auch. Aber was Gutes getan. Also zumindest, ich sag mal, entgegen diesem Dark Place und Low Place, ist. Der Erinnerungsort und die Erinnerung wachhalten und diesen Standort dann dementsprechend, ich sag mal, dafür auch repräsentativ haben.

Michael Holtkamp:
[2:15:11] Wunderbar. Dann ist ein guter Schluss, würde ich sagen. Ich danke dir viermal. Ich könnte noch stundenlang weitermachen. Ich auch.

Volker Wagner:
[2:15:22] Ich habe gerade festgestellt, ich auch.

Michael Holtkamp:
[2:15:28] Ich hatte versprochen, dich um, oh, wir haben schon kurz nach 17 Uhr. Ich wollte gerade sagen, vielleicht habe ich noch ein, zwei Fragen, aber du wolltest zurück zu deinen Dackeln. Und dann entlasse ich dich hiermit. Aber haben mich gefreut. Vielen Dank. War sehr informativ.

Volker Wagner:
[2:15:46] Mich auch sehr.

Michael Holtkamp:
[2:15:48] Wenn du irgendwann nochmal Lust hast, können wir es gerne nochmal fortsetzen. Also Stoff haben wir genug.

Volker Wagner:
[2:15:52] Ja, glaube ich auch. Dann machen wir nochmal einen zweiten Teil. Super.

Michael Holtkamp:
[2:15:59] Genau, ich freue mich.

Volker Wagner:
[2:16:00] Ja, ich bedanke mich auch. Für die professionelle Unterstützung, die ich von dir erfahren habe. Und das ist hier so dementsprechend, ich sag mal, frei, locker und schön abgelaufen ist.

Michael Holtkamp:
[2:16:12] Dafür ist es da. Für so Leute wie dich, die was zu erzählen haben. Gut, also vielen Dank dafür und Glück auf.

Volker Wagner:
[2:16:22] Glück auf.

Auf!

Michael Holtkamp:
[2:16:31] Dies ist eine Sendung der Graukauhe. Alle meine Sendungen inklusive der Sendungsnotizen gibt’s auf graukauhe.ru Die Audio-Podcasts findet ihr in eurer Podcast-App und die Video-Podcasts auf meinem YouTube-Kanal unter edgraukau. Mit der Außenwelt kommunizieren tue ich über Instagram unter edgraukau, über Mastodon unter edgraukau.ru und über X unter edgraukau. Wenn ihr für Vortrieb sorgen wollt, unterstützt mich bei Patreon unter edgraukau.

Michael Holtkamp:
[2:17:09] Glück auf!